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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 74.

LXXIV.

V. 1. Zum Ende. Vertilge nicht. Ein Psalm Asaphs.

Inhalt.

In diesem wird die Person der Apostel eingeführt, wie sie die Menschen ermahnen, die Gottlosigkeit aufzugeben, und ihnen furchtbare und göttliche Gericht vor Augen halten.

V. 2. „Wir werden vor Dir bekennen, o Gott…… Ich werde alle Deine Wunder erzählen.“ Die Wunder Gottes verspricht der Chor der Apostel zu erzählen, befreit von den Verfolgern.

V. 3. „Ich werde Gerechtigkeit richten.“ Das sagt der Heiland, indem er auf ihr Versprechen antwortet.

V. 4. „Es zerschmolz die Erde und alle ihre Bewohner.“ In gerechtem Gerichte, will er sagen, schmolzest Du die Erde, nämlich Jerusalem und alle seine Be- [S. 624] wohner. Es läßt aber das eine doppelte Auffassung zu, sowohl in gutem Sinne „zerschmolz“ für: „Er hat der Bosheit nachgegeben.“ als im schlimmen Sinne, um die über sie verhängte Strafe zu erkennen zu geben. „Ich habe ihre Säulen festgestellt.“ Säulen von Jerusalem sind die heiligen Apostel, wie es heißt: „Eine Säule und Grundfeste der Wahrheit.“' 1

V. 5. „Ich sprach zu den Ungerechten: Seid nicht ungerecht.“ Hier ist es die Person der Apostel, die die Menschen ermahnt, von der Gottlosigkeit abzulassen.

V. 6.“Erhebet nicht in die Höhe euer Horn.“ Denn die gehörnten Thiere sind gar stolz auf ihre Hörner. Es befiehlt ihnen das Wort, nicht die Ungerechtigkeit durch Großsprecherei zu vermehren, noch die Zunge gegen Gott in Bewegung zu setzen.

V. 7. „Denn weder von Aufgang, noch von Untergang, noch von den wüsten Bergen.“ Damit deutet er den ganzen Erdkreis an. Aufgang nennt er das Morgenland, von welchem die Sonne kommt, Untergang aber das Abendland, und wüste Berge die nördlichen und südlichen. Denn diese sind wegen der übermäßigen Kälte und Hitze unbewohnbar. Seid also nicht ungerecht, will er sagen, weil Niemand auf der ganzen Erde Gott verborgen bleibt, wenn er eine Lästerung gegen ihn ausspricht.

V. 8. „Diesen erniedrigt er, Jenen erhöht er.“ Als guter Richter, will er sagen, erniedrigt er die Gottlosen und erhöht die, welche demüthigen Herzens sind, man muß aber das auch auf die zwei Völker beziehen, nämlich auf das der Juden und das der Heiden. Denn das erste ist erniedrigt worden wegen seiner Ruhmsucht, dieses aber wird erhöht wegen seines demüthigen Sinnes. Denn er setzt Könige ein und verdrängt sie, erhebt den Bettler von der Erde und richtet den Armen vom Kothe auf. Ja er erhöhte sogar nach Erniedrigung der Beschnittenen die Heiden. [S. 625]

V. 9. „Denn ein Kelch ist in der Hand des Herrn voll starken gemischten Weines.“ Ein Kelch, will er sagen, ist in der Hand des Herrn, und indem er in diesen die Früchte eines jeden Menschen, die guten und die bösen, gleichsam auspreßt und das Gute unter das Böse mischt, macht er ihn so voll. Dann werden die, deren Hefe nicht ausgegossen wird, das heißt, in denen die Sünden bleiben, ihn austrinken, das heißt, sie werden von den eigenen Lastern berauscht werden. So werden gewiß auch die Heiligen mit dem Herrn Jesus den Kelch des Lebens im Himmelreiche trinken nach dem Ausspruch des Herrn selbst: „Bis ich ihn im Himmelreiche mit euch trinken werde.“ 2

V. 10. „Ich aber werde jubeln in Ewigkeit werde singen dem Gotte Jakobs.“ Wenn ich, will er sagen, am Kelche des Lebens theil nehme, so wird mir daraus Freude zu Theil werden.

V. 11. „Ich werde alle Hörner der Sünder zerbrechen.“ Wenn durch die Erniedrigung der Heiligen das Horn der Sünder emporgehoben wird, so werden offenbar auch, wenn die Heiligen zur Erhörung gelangen, die Hörner der Sünder zerschmettert werden. Welches sind aber wohl die Sünder, ausser die Widersacher der Menschen Gottes, die bösen Dämonen? „Und es wird erhöht werden das Horn des Gerechten.“ Horn nennt er das Reich oder die Macht. Wenn also, will er sagen, die Gerechten die Kraft erlangt haben, nämlich nach Beseitigung der bösen Mächte, dann, ja dann werden die Wunder Gottes ans Licht treten. Darum sagt er auch im Anfange des Psalmes: Ich werde Deine Wunder erzählen, wenn ich Zeit bekomme.“ 3 [S. 626]

1: I. Timoth. 3, 15.
2: Matth. 26. 29
3: V. 3

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger