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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 73.

LXXIII.

V. 1. Eine Unterweisung Asaphs.

Inhalt.

Der Prophet singt hier, indem er die letzte Gefangenschaft [S. 618] Israels sieht, das Gebet eines Schutzflehenden, daß er sie nicht gänzlich der Verbindung mit ihm beraube, sondern ihnen einen Ausweg zur Rettung offen lasse. Er beschreibt auch die Zerstörung der Stadt selbst und des göttlichen Tempels.

V. l. „O Gott! „Warum hast Du uns vollends verworfen?“ Ähnlich ist: Es kam über sie der Zorn bereits vollends. Denn sie werden keine Ruhe von den Leiden mehr haben.

V. 2. „Gedenke Deiner Gemeinde, die Du von Anfang an besessen hast.“ Durch Abraham. Isaak und Jakob. „Die Du durch Deinen Stab als Deine Erbschaft erlöst hast.“ Gemeinsam gilt das Wort: „Gedenke.“ Deiner Erbschaft. 1 die Du mit dem Stabe erlöst hast, das heißt, der Erbschaft, die zum Königthum eingerichtet ist, wie an sie das Wort ergangen ist: „Ihr werdet mir ein aus allen Völkern auserlesenes Geschlecht sein, ein königliches Priesterthum.“ 2 „Dieser Berg Sion, auf dem Du gewohnt hast.“ Denn Gott erschien im göttlichen Tempel.

V. 3, „Hebe auf Deine Hände gegen ihren Hochmuth für immer.“ Gegen den Hochmuth derer, die gegen den göttlichen Tempel zu Felde zogen.

V. 4. „Und es sprachen groß, die Dich haßten, in der Mitte Deiner Festlichkeit.“ Weil sie am Paschafeste den Krieg gegen den Herrn anfingen, darum wurden sie zu eben dieser Zeit den Feinden überliefert. Denn als alle Juden am Paschafeste nach dem Gesetze versammelt waren, ist die Belagerung mit Recht eingetreten, in welcher Zeit sie den Heiland auch an das Kreuz nagelten. „Ihre Zeichen setzten sie zu Zeichen.“ Er meint die Abzeichen des Krieges, die bei den Heeren signa genannt werden, weil sie dieselben am Wege zur Stadt anbrachten. [S. 619] Und sie blieben nicht dabei stehen, sondern sie setzten auch, sagt er, darüber hinweg, das heißt, sie stürzten auch in den göttlichen Tempel selbst, da sie nicht erkannten, daß Gott es war, der ihnen die Stadt übergab wegen der Gottlosigkeit ihrer Einwohner.3 Da sie nun das nicht wußten, so thaten sie groß mit ihrer eigenen Kraft und erachteten den im göttlichen Tempel angebeteten Gott für ohnmächtig. Deßhalb sagt er im weiteren Verlaufe: „Wie lange, o Herr, wird der Feind schmähen? „ 4 Daß er die Zeichen zweimal nennt, zeigt wohl seine Verwunderung an, daß der göttliche Tempel den Händen der Feinde übergeben wurde.

V. 5. 6. „Wie im Walde das Holz, zerschlugen sie mit Äxten ihre Thüren.“ Er beschreibt in den vorliegenden Worten den Untergang der Stadt und des göttlichen Tempels. Indem sie sich der Wertzeuge der Holzhauer und Zimmerleute bedienten, zerstörten sie die Ringmauern und die Thüren der Häuser, indem sie die gute und treffliche Arbeit wie einen Wald niederwarfen.

V.7. „Sie verbrannten mit Feuer Dein Heiligthum.“ Da sie zu unserm großen Schaden uns angriffen, hatten sie eine einzige Absicht, das von Dir gegebene Gesetz aufzuheben. Denn in den Festen 5 gab er den Dienst des Gesetzes zu verstehen. Das, will er sagen, wagten sie, ohne auf die Wunderthaten zur Zeit unserer Vorfahren zu schauen, oder von der Prophetengabe sich überführen zu lassen. Denn von dem allem sahen sie sich plötzlich entblößt. Denn sie hatten einst auch nach der Rückkehr Propheten, den Aggäus, Zacharias, Malachias. Und die Propheten, welche älter sind als diese, sagten dem Volke und den Königen die Zukunft vorher und machten die Nachstellungen der Feinde offenkundig. Und das kann man leicht aus der Geschichte sehen.

V. 9. „Wir sahen unsere Zeichen nicht.“ [S. 620] Jene munterten sich gegenseitig auf, den Festen des Herrn ein Ende zu machen, die noch gefeiert wurden. Und sie fügten wahrlich zu den Worten die That. Wir aber sind, als das geschah, keine Augenzeugen jener Zeichen gewesen, die wir oft in früheren Kriegen mit eigenen Augen geschaut haben. Diese Zeichen aber waren uns eine Hilfe in den bedrängenden Leiden. Daher also sagen wir, da wir diese nicht gesehen haben: Warum, o Gott, hast Du uns vollends verworfen? „Es ist kein Prophet mehr, und er wird uns nicht mehr erkennen.“ Das raubt uns vorzugsweise die Hoffnung unseres Heiles, daß wir bei unserm Volke keinen Propheten mehr sehen, der Gott mit uns aussöhnen könnte.

V. 10. „Wie lange, o Gott, wird der Feind schmähen?“ Nachdem er die Beschreibung der Zerstörung vor dem Angesicht der Feinde vollendet hat, ruft er zu Gott um Barmherzigkeit, er möge es ansehen, daß alle Vorgänge auf die Verhöhnung Gottes abzielen, was sowohl die Worte andeuten: „in Mitte Deiner Festlichkeit.“ 6 als auch „Dein Heiligthum.“ als auch „das Zelt Deines Namens.“7 als auch „die Feste des Herrn.“8 als auch „Dein Name vollends.“ 9

V. 11. „Warum ziehst Du Deine Hand zurück?“ Warum, will er sagen, entziehst Du uns die guten Gaben, die Du uns einst gleichsam aus Deinem Schoße gespendet hast?

V. 12.“Gott unser König von ewiger Zeit.“ Jetzt, will er sagen, entziehst Du uns die guten Geschenke. Einst aber, da Du Dich unsern Gott und König nennen ließest, hast Du uns ein solches Heil bereitet, daß es Niemandem auf Erden verborgen blieb. „Er hat Heil gewirkt in der Mitte der Erde.“ Daraus wollten Einige beweisen, daß Jerusalem das Auge der Erde sei.

V. 13. „Du gabst in Deiner Kraft Festig- [S. 621] keit dem Meere. Du zerschmettertest die Häupter der Drachen im Wasser.“ Er beschreibt in den Worten, auf welche Weise er einst ihr Heil wirkte, zuerst, daß die Gewässer des Meeres wie eine Mauer fest standen, als sie aus Ägypten zogen. Und das wollen die Worte sagen: Du gabst Festigkeit dem Meere. Zweitens, daß das Haupt der Ägyptier an den Gewässern zerschmettert wurde. Diese nennt er auch Drachen wegen der Bosheit der Zunge. Dann, daß mit ihnen auch das Haupt des über sie herrschenden Königs zerschmettert wurde, den er gleichfalls einen Drachen nennt.

V.14. „Du gabst ihn zur Speise den Völkern Äthiopiens.“ Den Pharao selbst mit seinem Heere 10 natürlich. Völker aber nennt er hier die Schaaren der indischen Vögel, die die Leichname der Ägyptier auffraßen als sie vom Meere ans Land gespült wurden.

V. 15. „Du ließest Quellen und Ströme hervorbrechen.“ Er spricht von den Vorgängen in der Wüste, als er das Volk aus einem Felsen tränkte. „Du vertrocknetest die Flüsse Ethams.“ Etham bedeutet Süd -Denn im Süden des Judenlandes liegt der Jordan.

V. 16. „Dein ist der Tag, und Dein ist die Nacht.“ Nicht nur im rothen Meere, will er sagen, und in der Wüste hast Du uns Beistand geleistet, sondern auch dem ganzen Menschengeschlecht hast Du Gutes erwiesen. Denn Du hast Tag und Nacht geschaffen, ebenso Sonne und Mond, dann Sommer und Frühling, ferner hast Du, die Grenzen der Erde befestigt. 11 Das sagt er aber jetzt, indem er ihn auch jetzt um seinen Beistand anruft. Deßhalb sagt er: „Sei eingedenk dieser Deiner Schöpfung.“ 12 -wenn Du wegen der Menschen, will er sagen, die Schö- [S. 622] pfung gemacht hast, so leiste denen Beistand, wegen deren die Schöpfung entstand.

V. 18. „Gedenke dieser, der Feind hat Dich geschmäht, o Herr!“ Nachdem er Gott in der Schöpfung um Barmherzigkeit für, das Volk angefleht hat, so fleht er ihn wieder auf andere Weise um Barmherzigkeit an. Diese Weise aber steht im Zusammenhang mit dem Hochmuth des Feindes. „Und ein thörichtes Volk hat Deinen Namen gereizt.“ Sieh, wieder eine andere Weise der Barmherzigkeit. 13 weil nämlich die Feinde seinen Namen gereizt haben.

V. 19.“Übergib nicht den Thieren eine Seele, die Dich bekennt.“ Er erweiterte die Art der Barmherzigkeit, indem er die Feinde Thiere nannte. Die, welche gesündigt haben, erlangen durch das Bekenntniß einige Verzeihung. Er bittet aber darum, es möge Israel nicht in ähnlicher Weise verderben, was sich erfüllt hat. Denn auch viele Myriaden der Kreuziger nahmen den Glauben an und wurden gerettet.

V. 20. „Schau auf Deinen Bund.“ Wieder eine andere Art von Barmherzigkeit. Denn daraus, daß er gegen sie gut war und mit ihnen einen Bund schloß, suchen sie für sich Barmherzigkeit zu erlangen. „Denn die finster waren im Lande, hatten Häuser der Ungerechtigkeit in Fülle. Der Sinn seiner Worte ist folgender. Wenn auch viele Häuser dunkel geworden sind, o Herr, wegen der von ihnen gegen Dich verübten Ungerechtigkeiten, so möge doch nicht das ganze Volk verworfen noch der Schande preisgegeben werden. Denn Einige trugen in sich die Hoffnung des Heiles. Diese wurden auch durch die Apostel gerettet und vorzugsweise durch Petrus in den ersten Reden, so daß ihrer dreitausend 14 und fünftausend 15 und Unzählige wurden. [S. 623]

V. 22. „Erhebe Dich, o Gott, richte Deine Sache.“ Er sucht durch sein Gebet Gott zur Bestrafung der Betrüger des Volkes zu bewegen. „Gedenke Deiner Schmach.“ Wieder sucht er durch den Umstand, daß ihm Schmach angethan wird, Gott zur Barmherzigkeit zu bewegen.

1: Man ergänze: Gedenke.
2: 1.Petr. 2,9.
3: Dieser Satz bezieht sich auf V. 5.
4: V. 10.
5: V. 8.
6: V. 4.
7: V. 7.
8: V. 8.
9: V. 10.
10: Montfaucon übersetzt: post bellicam expeditionem. Im Griechischen heißt es: xxxxx xxxxx, wörtlich: mit dem Heereszuge.
11: V. 17.
12: V. 18.
13: Präcise Ausdrucksweise statt „eine andere Weise, Barmherzigkeit zu erlangen.“
14: Apostelg. 2. 41.
15: Ebd. 4. 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger