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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 71.

LXXI.

V. 1. Zum Ende, ein Psalm Davids, für Salomo.

Inhalt.

Die Ankunft Christi und die Berufung der Heiden wird hier zu erkennen gegeben. In der Aufschrift des Psalmes heißt es aber: „für Salomo.“ Denn Dieser 1 ist der wahre friedfertige Salomo, weil er aus Beiden Eins gemacht und die Scheidewand niedergerissen hat. 2

V. 2. „O Gott, gib Dein Gericht dem König.“ Du hast beschlossen, will er sagen, o Vater, daß Dein eingeborner Sohn den Menschen auf der Erde leuchte. Diesen alten Beschluß nun, will er sagen, bringe jetzt zur Ausführung. „Und Deine Gerechtigkeit dem Sohne des Königs.“ Da er selbst die Gerechtigkeit des Vaters ist, so heißt es wegen seiner Menschheit, daß er Gerechtigkeit empfangen habe. Christus selbst aber ist der König und der Sohn des [S. 609] Königs. „Zu richten Dein Volk in Gerechtigkeit.“ Das ist die Ursache der Menschwerdung, daß die gegen uns gerichtete Anmaßung des Satans gerichtet würde. Darum sprach er auch, als er dem Kreuzestode nahe war: „Jetzt ist das Gericht dieser Welt, jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgestoßen werden.“ 3

V. 3. „Es sollen die Berge Frieden empfangen für das Volk, und die Hügel der Gerechtigkeit.“ Berge und Hügel nennt er hier die evangelischen Mächte, die einst die Erde wegen der über sie ausgebreiteten Gottlosigkeit nicht bewohnten, jetzt aber den Auftrag erhalten. Frieden mit allen Menschen zu schließen.

V. 4. „Er wird die Armen des Volkes richten.“ Er nennt arm die, deren Väter Götzendiener waren, die an allen Gütern arm waren, oder überhaupt das gesammte Menschengeschlecht. Denn Alle sind nach dem Ausspruch des Psalmes abgewichen. 4

V. 5. „Und er wird den Verleumder demüthigen.“ Er meint den Teufel. „Und er wird fortdauern mit der Sonne.“ Auf ewige Zeiten, will er sagen, wird seine Herrschaft ausgedehnt werden. „Und vor dem Monde von Geschlecht zu Geschlecht.“ Dieser, will er sagen, der bei seiner Ankunft über die irdischen Dinge herrschte, dieser ist auch der Schöpfer aller Dinge vor ewigen Zeiten.

V. 6. „Er wird herabsteigen, wie Regen auf das Fell.“ Ohne Geräusch, will er sagen. Das sagte er aber wegen seiner geheimen Ankunft.

V. 7. „Aufgehen wird in seinen Tagen die Gerechtigkeit.“ Denn zur Zeit seiner Ankunft ist jeder Krieg der Völker beigelegt worden. „Und die Fülle des Friedens, bis der Mond vergeht.“ So groß, will er sagen, wird die Fülle des Friedens sein, die bei seiner Erscheinung eintreten wird, daß sie auch auf die künftigen Zeiten sich er- [S. 610] strecken wird, in denen die Sonne wird verfinstert werden und der Mond sein Licht nicht mehr geben wird. 5

V. 8. „Und er wird herrschen von Meer zu Meer.“ Das sagt er, weil alle Völker den Glauben an ihn angenommen haben. Er will sagen: Er wird über alle Grenzen der Erde herrschen. Denn da jenseits der Erde die großen unermeßlichen Meere sind, die man die atlantischen nennt, den westlichen und östlichen Ocean, so hat er in entsprechender Weise die Herrschaft über die Erde durch die von aussen sie umschließenden Meere bezeichnet, und das macht die folgende Verszeile noch deutlicher.

V. 9. „Und seine Feinde werden Staub lecken.“ Es werden ihm die Feinde ganz unterworfen sein, daß man keinen Kampf gegen ihn wahrnimmt. Eine Übertragung von denen, die auf die Erde fallen und ihre Unterwürfigkeit zu erkennen geben.

V. 12. „Denn er hat den Armen errettet von dem Mächtigen.“ Von den einen äussersten Grenzen der Erde bis zu den andern werden ihn anbeten die Völker und Könige und ihm danken, daß er sie von der Herrschaft des Satans befreit hat.

V. 14. „Von Wucher und Unrecht wird er ihre Seelen erlösen.“ Indem er ihren Schuldbrief vernichtet und sowohl dem, der fünfhundert, als auch dem, der fünfzig Talente schuldig ist, die Schuld nachläßt. „Und ehrwürdig ist sein 6 Name vor ihm.“ Ehre und Ruhm, will er sagen, wird er von Allen ernten.

V. 15. „Und er wird leben, und man wird ihm geben vom Golde Arabiens.“ Das sagt er wegen des Herodes, der sendete, die Kinder zu tödten. Er sagt also, daß er nicht unter den hingemordeten Kindern sein werde. Die Worte aber: „Man wird ihm arabisches Gold geben“ weisen deutlich auf die Geschenke hin, welche die [S. 611] Magier ihm darbrachten. „Und sie werden ihn immer anbeten.“ Indem sie in ihren Gebeten ihn nennen und durch ihn den Vater bitten, er möge ihnen eine gute Gabe geben

V. 16. „Es wird eine Stütze sein auf der Erde.“ Er meint, der Kirche und des Erdkreises. Auf den Gipfeln der Berge.“ Der Apostel und Propheten „Über den Libanon wird sich seine Frucht erheben.“ Der Libanon ist Jerusalem, seine Frucht das Wort des Evangeliums. Er will also sagen, daß höher, als der Dienst nach der Vorschrift des Gesetzes, die Predigt des Evangeliums stehen wird. „Und sie werden aus der Stadt aufblühen wie das Gras aus der Erde.“ Unter Stadt versteht er die Kirche, von der geschrieben steht: „Herrliches ist von Dir gesagt worden, o Stadt Gottes!“ 7

V. 17. „Vor der Sonne bleibt sein Name“ Er spricht aus, daß der, welcher mit den Kindern nicht getödtet wurde, der sei, der vor der Grundlegung der Welt mit dem Vater existiere.

V. 18.Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, der allein Wunder thut.“ Nachdem er Alles aufgezählt hat, was er den Bewohnern der Erde in seiner Heilsordnung zu Stande bringen wird, sendet er zu ihm einen Lobgesang empor, indem er sagt, daß er der Gott Israels sei der allein dieses Wunder wirken kann. Was für Wunder aber anders, als daß er die Macht des Satans vernichtet und die Verfolgten von der Gewaltherrschaft der Dämonen befreit? Erwäge aber, daß Nichts von dem was im Psalme gesagt ist, auf Salomo, den Sohn des Weibes des Urias, paßt, weder die Worte: „Vor der Sonne sein Namen“, noch die Worte: „Alle Völker werden ihm dienen“ noch die Worte: „Vor dem Monde von Geschlecht zu Geschlecht“. Aus dem allem ist offenbar, daß es von unserm Herrn Jesus gesagt ist.

V. 19. „Und gepriesen sei der Name seiner [S. 612] Herrlichkeit.“ Deßhalb müssen ihm Alle Lobgesänge darbringen. Denn wenn wir auch seine Natur als unerreichbar nicht kennen, so sind wir doch über seinen heilbringenden Namen belehrt worden.

Es endigen hier die Lobgesänge Davids, des Sohnes des Jessai.

1: Nämliche Christus
2: Ephes. 2,14
3: Joh. 12, 31.
4: Ps. 13, 3.
5: Matth. 24,29.
6: xxxxx Sonst heißt es: „ihr“ Name.
7: Ps. 86,3

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger