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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 67.

>LXVII.

V. 1. Zum Ende, ein Lobpsalm Davids.

Inhalt.

In diesem Psalm deutet er die Ankunft des Herrn und die Vernichtung der geistigen Feinde und die Befreiung von der geistigen Gefangenschaft an. Ausserdem lehrt er noch, daß er es sei, der einst die Söhne Israels aus Ägypten führte. Ferner verheißt er denen, die die Predigt angenommen haben, das Geschenk des heiligen Geistes. Auch spendet er den Aposteln Trost und verheißt ihnen, sie aus jeder Bedrängniß zu retten, die sie nämlich wegen der Predigt zu erleiden haben würden. Er verheißt Viele von denen, die erbitterten, zu belehren, so wie auch von denen, die in das Meer der Lüste fielen. Ebenso verkündet er die Wahl der Apostel, und wer und woher sie waren, und bringt die frohe Botschaft vom Glauben aller Völker an den Herrn. Ueberdieß zeigt er noch deutlich die Auffahrt des Herrn in den Himmel, man kann aber Das alles wahrnehmen, wenn man auf die einzelnen Verse achtet. [S. 581]

V. 2. „Es erhebe sich Gott, und es sollen sich seine Feinde Zerstreuen.“ Die Worte bezeichnen die Erhebung Gottes zum Gerichte über die unreinen Geister. Denn durch seine Ankunft wurden sie aus der Gewaltherrschaft über die Menschen vertrieben.

V. 5. „Machet ihm Bahn, der über den Westen hinfährt.“ Machet euch wohl bereit, will er sagen, auf seinen Wegen zu wandeln, der in der letzten Zeit im Fleische denen sichtbar wurde, die auf Erden waren. Oder es will: „Ihm, der über den Westen hinfährt.“ sagen: „Ihm, der bis in die Unterwelt hinabgestiegen ist.“ „Sie sollen erschrecken vor seinem Angesichte,“ nämlich die Schaaren der Dämonen.

V. 6. „Des Vaters der Waisen und des Richters der Witwen.“ Er versteht unter den Waisen die Schutzlosen, unter den Witwen aber die Seelen, die das Wort nicht zum Bräutigam haben. Denn er ist Schützer der Schwachen, die keine menschliche Hilfe haben, wie es bei uns stattfindet. Wer und was für Einer ist aber dieser?

V.6. „Gott an seinem heiligen Orte.“ Nachdem er gesagt hat, daß er hinfahre über den Westen, nämlich bis zu den Höhlen der Unterwelt, lehrt er wieder, daß er nach der Auffahrt in den Himmel sich an seinem eigenen Wohnort befindet, wenn er auch niemals nach der Natur der Gottheit von ihm ferne war.

V.7“Gott läßt die Gleichgesinnten in einem Hause wohnen.“ Gleichgesinnt nennt er die, welche ihm allein ihr Leben darbringen und jeden Zwist und jede weltliche Begierde aus demselben entfernen. Er verheißt also daß er ihnen in seinem Hause, in der himmlischen Stadt eine Wohnung verschaffen werde. „Der die Gefesselten herausführt mit Macht.“ Ähnlich sind die Worte: „Den Gefangenen: Gehet heraus, und denen in der Finsterniß: Kommet ans Licht.“' 1 Fesseln und Finsterniß aber [S. 582] nennt er den Dienst der Dämonen. „Auch die, welche erbittern, die in den Gräbern wohnen.“ Das sagt er, weil er sich auch in die Unterwelt begab und den dort befindlichen Geistern predigte, die einst ungehorsam gewesen waren. Denn „welche erbittern“ steht für „welche erbittert haben.“

V. 8. „Gott, als Du hergingst vor dem Ange sichte Deines Volkes, als Du durchzogest in der Wüste.“ Er spricht aus, daß der, welcher bis in die Unterwelt hinabstieg, der Nämliche ist, der einst Israel durch Moses aus Ägypten führte. Er will also sagen: Als Du vor Deinem Volke hergingst, das aus Ägypten ausgezogen war, wurde die Erde erschüttert, das heißt, ist ihr Auszug auf der ganzen Erde vernommen worden.

V. 9. „Die Erde wurde erschüttert, und die Himmel troffen.“ Es troffen nämlich die Himmel die geistige Nahrung. Er meint das Manna. „Vor dem Angesichte des Gottes Sinai,“ das heißt, des Gottes, der auf dem Berge Sinai das Gesetz gab. „Vor dem Angesichte des Gottes Israels.“ Israel ist der Geist, der Gott sieht.

V. 10. „Einen erwünschten Regen wirst Du, o Gott, für Dein Erbe absondern.“ Unter Regen versteht er das Wort des Evangeliums, wie es heißt: „Er wird Herabsteigen wie Regen auf ein Fell.“ Erwünscht aber nennt er ihn zum Unterschied vom Dienste des Gesetzes. Denn das war ihm nicht erwünscht, wie es heißt: „Wer hat sie gefordert von eueren Händen“ ? 2 und: „Deine Brandopfer sind mir nicht angenehm, und euere Schlachtopfer gefielen mir nicht.“ 3 „Es war ermattet, Du aber hast es gestärkt.“ Es 4 war einst ermattet, da es Götzendienst trieb. Du aber hast es gestärkt, indem Du durch die Predigt des Evangeliums es gerufen hast.

V. 11. „Deine Thiere werden in ihm wohnen.“ Thiere nennt er hier die, welche von der belebenden Speise [S. 583] genossen haben. „In ihm.“ Worin anders als in seinem Erbe? „In Deiner Güte hast Du es, o Gott, dem Armen bereitet.“ Und was hat er bereitet, ausser „was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat“ ? 5 Und wer ist der Arme, ausser die, von denen er gesagt hat: „Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich“ ? 6

V. 12. „Der Herr wird das Wort denen g eben, welche die Freudenbotschaft bringen, mit großer Macht.“ Er, will er sagen, wird seinen heiligen Aposteln das Wort geben, daß sie das Evangelium predigen können. Ähnlich sind die Worte: „Seid nicht besorgt, was ihr sagen oder was ihr reden sollt. Denn es wird euch in der Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt. Denn nicht ihr seid es, welche reden, sondern es ist der Geist meines Vaters, der in euch redet.“ 7 Die Worte „mit großer Macht“ sind mit den Worten zu verbinden: „Der Herr wird das Wort geben.“ nicht, wie Einige geglaubt haben, mit den Worten: „Die die Freudenbotschaft bringen.“ Er will nämlich sagen, daß Gott mit großer Macht denen das Wort geben werde, welche die Freudenbotschaft bringen werden, das heißt, da sie unsere Güter bekannt machen wollen, gewährt ihnen der Nämliche die Rede, der sie veranlaßt hat, die Freudenbotschaft zu bringen.

V.13. „Der König der Mächte des Geliebten.“ Der Herr selbst, der den Mystagogen das Wort gab. Denn er ist der König des geliebten Volkes. Auch ist er seine Macht. „Der Zierde des Hauses kommt es zu, Beute zu theilen.“ Ein Haus sind die, welche an Christus glauben. Zierde des Hauses aber seine heiligen Jünger und Apostel. Er will also sagen, daß er der Zierde des Hauses, das heißt den Evangelisten das Wort geben werde, um Beute zu theilen, das heißt, um die Völker zum Glauben zu führen und dem Satan Beute abzunehmen.

V.14. „Wenn ihr ruhet mitten in euern Loo- [S. 584] sen.“ Die Worte sind an die heiligen Apostel gerichtet. Wenn euch, will er sagen, die Loose aufnehmen. Loose aber nannte er die Gläubigen aus den zwei Völkern. Wenn ihr also, will er sagen, in ihnen ruhet, so werden ihnen Flügel einer Taube gegeben werden, die am Rücken vergoldet ist. Er will sagen, daß die, welche die heiligen Apostel aufnehmen, des heiligen Geistes werden gewürdigt werden. Er sagt aber, daß der Rücken der Taube vergoldet ist, weil er den Sinn derer, die ihn aufnehmen, werthvoll und weise macht. 8

V. 15. „Wenn der Himmlische Könige darauf zerstreut.“ Könige nennt er die Apostel, die über sein Erbe herrschen. „Sie werden sein wie Schnee,“ das heißt, sie werden gereinigt werden. „Auf Selmon“ aber heißt übersetzt „bei der Vergeltung.“ Er will also sagen, daß die, welche die heiligen Apostel aufgenommen haben, vom himmlischen König die Belohnung oder Vergeltung für die Aufnahme empfangen werden, die Reinigung von den Sünden.

V. 16. „Der Berg Gottes, ein fetter Berg.“ Berg nennt er die Kirche. Fett nennt er ihn, weil sie die Seelen ihrer Mitglieder wohlgenährt und glänzend macht. „Ein geronnener Berg, ein fetter Berg.“

V. 17. „Warum schaut ihr auf die geronnenen Berge?“ Geronnen nun, das heißt, voll von Milch von einfacherer Lehrweise nämlich, wie es heißt: „Ich gab euch Milch zu trinken, nicht Speise.“ 9 Er tadelt also die, welche annehmen, daß die Kirchen der Häretiker geronnen seien. Denn es gibt in ihnen Nichts, was für den geistigen Zustand eine Nahrung sein könnte. Warum, ihr Menschen, nehmt ihr also an, daß es ausserhalb der Kirche noch andere geronnene Berge gebe, und daß nicht vielmehr dieser [S. 585] Berg allein es sei, „auf dem es Gott wohlgefiel zu wohnen“? Denn daß er in der Kirche wohnt, ist aus seinen ebenen Worten klar: „Hier werde ich wohnen, weil ich sie erkoren habe.“10

V. 18. „Der Wagen Gottes ist zehntausendfach. Tausende derer, die glücklich sind.“ Wagen Gottes nennt er die himmlischen und geistigen Mächte, auf denen Gott einherfährt. Ähnlich lautet die Stelle: „Tausende von Tausenden dienten ihm, und Myriaden von Myriaden standen an seiner Seite.“ 11 Diese sind die Glücklichen, da sie von der Sünde befreit sind. Der nun auf diesem Wagen von Myriaden fährt, der ist der Herr, der auf dem heiligen Berge Sinai das Gesetz gab, der ist es ferner, der sich in die Höhe erhob, nämlich die des Kreuzes, und die Gefangenschaft gefangen fortführte. Denn das versprach er selbst mit den Worten: „Wenn ich von der Erde erhöht sein werde, werde ich Alle an mich ziehen.“ 12 „Du empfingst Geschenke unter den Menschen.“ Und von wem empfing er Geschenke der Menschen als von dem Vater, der gesagt hat: „Flehe mich an, und ich werde Dir Völker geben zu Deiner Erbschaft“ ? 13

V. 19. „Ja sie, die nicht glaubten, daß er wohne.“ Diese Menschen, will er sagen, die Du als Geschenke empfangen hast, waren einst ungläubig. Aber auch unter diesen, will er sagen, hast Du gewohnt. Es ergibt sich aber der Sinn durch ein Hyperbaton. 14 Du empfingst Geschenke unter den Menschen,“ so daß Du unter ihnen wohnest, nämlich unter denen, die Dir geschenkt wurden. Gerade diese aber, will er sagen, die Du empfingst, waren einst ungläubig, nämlich damals, als sie dem Geschöpfe statt dem Schöpfer Verehrung erwiesen.

V. 20. „Gepriesen sei Gott der Herr, ge- [S. 586] priesen der Herr alle Tage.“ Wegen einer großen That sendet er einen Lobgesang zu Gott empor, nämlich der Chor der Apostel. „Beglücken wird unsere Wege der Gott unseres Heiles.“ Du, will er sagen, o Herr, wirst die Thüre des Wortes öffnen, damit der Weg der Predigt ein guter Weg für uns werde.

V. 21. „Unser Gott ist ein Gott der Rettung, und des Herrn, des Herrn ist es, dem Tode entrinnen zu lassen.“ Deutlich zeigt er seine Zuversicht, daß er die, welche wegen der Predigt dem Tode nahe gekommen sind, demselben edelmüthig entrissen werde. Denn ihm komme es zu, sagt er, dem Tode entrinnen zu lassen.

V. 22. „Gott aber wird die Häupter seiner Feinde zerschmettern.“ Der Feinde des Chores der Apostel nämlich. Denn befreiend wird er sie befreien, indem er nämlich die Häupter der Feinde zerschmettert. Es ist aber die Ausdrucksweise entlehnt von der Ähnlichkeit der Schlangen, die, wenn sie sich gegen Jemand erheben, durch einen Schlag nach dem Haupte umkommen. Es beziehen sich aber die Worte auch auf die Fürsten des Judenvolkes. „Den Haarscheitel derer, die in ihren Sünden wandeln.“ Unter dem Haarscheitel versteht er wieder das Haupt. Er will aber sagen, daß er die Häupter derer zerschmettern werde, die sündigen, ohne ihren Sinn zu ändern.

V. 23. „Es spricht der Herr: Aus Basan werde ich sie herbeibringen.“ Basan heißt übersetzt Bitterkeit oder Erbitterung. Er will also sagen: Aus dem Hause dessen, der erbittert, das heißt Israels, werde ich Dich zu mir herbringen. „Werde sie herbringen in die Tiefe des Meeres.“ Auch die, will er sagen, die in die Tiefe der Wollüste gerathen sind, werde ich zu mir herbringen.

V.24.“Damit Dein Fuß sich in Blut tauche.“ Er lehrt, wie sie umkehren werden. Wie aber werden sie anders umkehren, als wenn sie getödtet sind, nämlich die bösen Mächte? Denn sie leiteten ihr Blut auf die Erde, [S. 587] wie Isaias es ausspricht15 so daß sein Fuß sich in Blut tauchte. Das aber wird mehr in geschichtlicher Form dargestellt. „Die Zunge Deiner Hunde an den Feinden an seinem Blute.“ Hunde nennt er die Wächter der geistigen Herde, die heiligen Prediger, deren Zunge beinahe das Blut der geistigen Feinde verkostet. Er sagt also, daß die Stimme der Apostel beinahe den Tod der bösen Dämonen veranlassen wird.

V. 25. „Man schaute Deinen Einzug, o Gott!“ Einzug Gottes nennt er die in der Heilsordnung vollbrachten Thaten, wie die Geburt aus der Jungfrau, die Wirkung der Zeichen, die Erhöhung am Kreuze, den nach der Heilsordnung eingetretenen Tod, die Auferstehung von den Todten und die Auffahrt in den Himmel. Dieser Einzug, sagt er, sei sichtbar geworden. „Der Einzug meines Gottes, meines Königs, der im Heiligthume ist.“ Sieh, wie deutlich er sagt, daß dieser, der den Einzug veranstaltet hat, sein Gott und König sei. Und er verkündet, daß er der im Heiligthum ist, das heißt auf dem Berg Sinai, wie es im Vorhergehenden heißt: „Der Herr unter ihnen auf Sinai im Heiligthume.“

V. 26. „Voran gingen die Fürsten, sich anschließend den Sängern.“ Fürsten nennt er die heiligen Apostel, von denen gesagt ist: „Du wirst sie zu Fürsten setzen über die ganze Erde.“ 16 Sänger aber nennt er die, welche vernünftige Lobopfer empor senden. Er meint also, daß die Fürsten vorangingen oder zuerst den Anfang machten zur Verehrung in Geist und Wahrheit, nämlich zu der nach dem Evangelium. „In der Mitte der paukenschlagenden Jungfrauen.“ Jungfrauen nennt er die durch den heiligen Geist gestärkten Seelen der Gläubigen, die mit dem Laute der Predigt des Evangeliums die Erde unter dem Himmel erfüllen. In ihrer Mitte befinden sich die heiligen [S. 588] Apostel, da sie nämlich mit der Verehrung den Anfang machen.

V. 27. „In den Versammlungen preiset Gott den Herrn von den Quellen Israels.“ Quellen Israels sind wohl die seligen Propheten und vor ihnen das Gesetz. Er meint also, daß wir nicht anderswoher, als aus eben diesen, unsere Lobpreisungen Gottes schöpfen sollten. Das aber sagt er wegen der vom rechten Glauben abweichenden Schriften der Häretiker. Denn aus den Schriften des Gesetzes und der Propheten wird die Lobpreisung des Herrn von denen entlehnt, die aus ihnen, als einer Quelle des Heiles, mit Freude Wasser schöpfen können, von dem der Heiland sagte: „Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird in sich eine Quelle von Wasser haben, das zum ewigen Leben strömt.“ 17 Man muß aber die, welche die alte und neue Schrift theilen. überführen, daß sie in den Kirchen Gott nicht preisen können, wenn sie nicht die Quellen Israels haben noch ihren Herrn, da sie die Gottheit zu theilen wagen.

V. 28. „Da ist Benjamin, der Jüngste, in Entrückung.“ „Da.“ Wo anders als in der Mitte der Sänger? Wer ist aber Benjamin, ausser der selige Apostel Paulus aus dem Stamme Benjamin? Der Jüngste aber heißt er, weil ihm später als den Aposteln der Herr erschien. „In Entrückung“ aber sagt er wegen des Übermasses der Offenbarungen, wie er es ausgesprochen hat: „Mögen wir uns entrücken, so ist es für Gott, oder mögen wir mäßig sein, so ist es für euch.“18 Mit Recht aber hat er seiner zuerst vor den Uebrigen Erwähnung gethan, da er mehr Mühen als die Uebrigen ertragen hat. „Die Fürsten von Juda ihre Heerführer.“ Die Fürsten von Juda, will er sagen, sind zu Führern und Fürsten eben der Sänger erwählt worden, aus dem Stamme Juda, aus dem Stamme Zabulon, aus dem Stamme Nephthali. Und aus den [S. 589] Stämmen Zabulon und Nephthali waren Petrus. Andreas. Jakobus und Johannes, wie das Evangelium zeigt, aus dem Stamm Juda aber Levi oder Matthäus und die übrigen Apostel.

V. 29. „Gebiete, o Gott, Deiner Kraft.“ Kraft des Vaters nennt er den Sohn, wie es heißt: „Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“ 19 Es fleht also der Chor der Apostel zum Vater, er möge in ihnen bestärken, was er in ihnen gewirkt hat. 20 Was hat er aber in ihnen gewirkt, ausser den Leib? Sie bitten also, er möge sie von der Vergänglichkeit befreien und sie mit Unvergänglichkeit bekleiden. Das wird der Herr auch thun, wenn er vom Himmel herabsteigen wird und die Todten in unverweslichem Zustand auferstehen werden.

V. 30. „Von Deinem Tempel aus zu Jerusalem werden die Könige Dir Geschenke bringen.“ Seinen Tempel nennt er die Kirche, Könige aber die, welche an Christus glauben, wie zu ihnen gesagt worden ist: „Ihr seid ein königliches Priesterthum.“21 Er will also sagen, daß die, welche durch den Glauben vom irdischen Tempel, das heißt von der Kirche ins himmlische Jerusalem gerufen worden sind, ihm Geschenke bringen werden, nämlich geistige.

V. 31. „Schilt die Thiere des Schilfrohrs.“ Da es viele Feinde des Lebens gibt, das die Heiligen in Gott führen, und vor Allem die unreinen Dämonen, deßhalb fleht er, sie möchten gescholten werden, wie Thiere des Schilfrohrs.“ 22 Schilfrohr ist eine Gegend in Palästina, durch die Alle ziehen mußten, die nach Jerusalem reisten. Dieses Schilfrohr nun war voll von Löwen, die im Sumpfe [S. 590] versteckt waren und auf die lauerten, die nach Jerusalem reisten. Wie nun denen, die nach Jerusalem reisten, die Löwen auflauerten, so lauern auch denen, die nach dem geistigen Jerusalem reisen, die geistigen Löwen auf. „Eine Rotte von Stieren unter den Kühen der Völker.“ Er nennt andere Gegner der Predigt. Welches sind nun diese, ausser die Fürsten des Judenvolkes, die auch Stiere genannt wurden? Kühe werden die Leute aus dem Volke genannt. Daß sie aber Stiere genannt wurden, geht aus den Worten hervor: „Es umringten mich viele Kälber. Fette Stiere umgaben mich.“ 23 die die Volksschaar zum Kriege gegen die Prediger anreizten. „Um die zu verdrängen, die erprobt sind wie Silber.“ Silber sind die göttlichen Aussprüche. Er will aber sagen: Deßhalb schilt die geistigen und die sinnlich wahrnehmbaren Feinde, damit nicht die Prediger des Evangeliums verhindert werden, noch weiter zu predigen. Oder auch in folgender Weise. Schilt, will er sagen, Diese und Jene, damit die Prediger nicht verhindert werden, zu predigen. „Zerstreue die Völker, die die Kriege lieben.“ Die geistigen Völker sind gemeint und die Kriege gegen die Heiligen.

V. 32. „Gesandte werden kommen aus Ägypten. Äthiopien soll zuerst aufheben seine Hand zu Gott.“ Da nämlich die geistigen Feinde zerstreut und gefesselt sind, so werden nunmehr die Ägyptier und Äthiopier zur Predigt herbeieilen. Er bezeichnet aber durch die Ägyptier die hervorragenden Götzendiener und Feinde der inneren Einrichtungen Israels, durch die Äthiopier aber die Grenzen der Erde. Wie aber Äthiopien zur Predigt eilte, kann man an dem äthiopischen Eunuchen sehen. 24

V. 33. „Reiche der Erde, singet Gott.“ Er erklärt, daß auch die übrigen Völker mit ihren Königen an Christus glauben werden. [S. 591]

V. 34. „Singet dem Herrn, der über den Himmel des Himmels hinauffährt.“ Weil er im Vorhergehenden das Leiden Christi und sein Hinabsteigen bis in die Unterwelt verkündet hat, deßhalb verkündet er auch seine Auffahrt in den Himmel. Die Worte „gegen Aufgang“ aber stehen gleichnißweise. Wie nämlich die Sonne vom Untergang zum Aufgang emporsteigt, in gleicher Weise erhob sich auch der Herr gleichsam aus den Winkeln der Unterwelt in den Himmel des Himmels. „Sieh, er wird seiner Stimme die Stimme der Kraft geben.“ Stimme der Kraft nennt er die, welche alle Todten erweckt, indem sie auf seinen Befehl auferstehen werden.

V. 35. „Gebet Gott Ehre.“ So sagt auch Paulus: „Verherrlicht Gott in eurem Leibe und in eurem Geiste.“25 die sein Eigenthum sind. Denn es ist gerecht, den Wohlthäter in Allem zu verherrlichen. „Ueber Israel, dessen Herrlichkeit in den Wolken ist. Wunderbar ist Gott in seinen Heiligen. Der Gott Israels selbst wird seinem Volke Stärke und Kraft geben. Gepriesen sei Gott!“ Da von seiner zweiten Ankunft Erwähnung geschehen ist, bei welcher er alle Todten auferwecken wird, so belehrt er uns deßhalb auch über die verschiedenen Ehrenbezeigungen, die den Heiligen werden erwiesen werden, so wie über die verschiedenen Rangstufen der Heiligen. Die Rangstufen bezeichnet er durch Israel, durch die Wolken, durch die Heiligen, durch das Volk. Die Ehrenbezeigungen aber bezeichnet er durch die Herrlichkeit, durch die Macht, durch das Wunder, durch die Kraft. Ausser Dem allen sagt er, daß Gott preiswürdig sei. Denn offenbar werden die Heiligen, wenn sie in jenen Wohnungen, den himmlischen nämlich, sich befinden, unablässig Gott preisen und die Schaar der himmlischen Geister nachahmen. [S. 592]

1: Js. 49.9.
2: Js. 1,12.
3: Jerem. 6,20.
4: Das Erbe
5: I. Kor. 2,9.
6: Matth. 5, 3.
7: Matth. 10,19.20.
8: Diese Erklärung beruht auf einem unübersetzbaren Wortspielmit xxxxx Rücken und xxxxx, das ausser „Zwerchfell“ auch „Sinn“ bedeutet.
9: I. Kor. 3. 2.
10: Ps. 131. 14.
11: Dan. 7. 10.
12: Joh. 12. 32.
13: Ps. 2, 8.
14: Siehe: Anm. zu Ps. 44, 6.
15: Js. 26,21.
16: Ps. 44, 17.
17: Joh. 4. 14.
18: II, Kor. 5. 13.
19: I. Kor. 1, 24.
20: Im zweiten Theile von V. 29.
21: I. Petr. 2, 9.
22: Die folgende Auslassung über das Schilfrohr hält Montfaucon für eingeschoben.
23: Ps. 21,13.
24: Apostelg. 8,27-38.
25: 1. Kor. 6, 20.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger