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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 65.

LXV.

V. 1. 'Zum Ende, ein Psalmlied, für die Auferstehung.

Inhalt.

Er stellt im gegenwärtigen Psalme die Berufung der Völker dar und bringt die Freudenbotschaft von der bevorstehenden Auferstehung ihrer Seelen, wie geschrieben steht: „Der den Armen aufrichtet aus dem Staube.“ Er bezieht sich indessen auch auf die Person der Apostel, welche mittheilen, was sie Alles für die Predigt des Evangeliums gelitten und was für Trübsale ihnen den Eingang in die ewigen Freuden verschafft haben. Ausserdem wird noch die Verwerfung des Judenvolles ausgesprochen.

V. 2. „Jauchzet zu Gott, alle Lande, lobsinget seinem Namen.“ Das Jauchzen ist ein Siegesgesang, der gesungen wird über die gefallenen Feinde. Da also die Fürsten dieser Welt getödtet sind, nämlich durch die Ankunft Christi, so werden alle Völker aufgefordert, Siegesgesänge emporzusenden.

V. 3. „Saget zu Gott: Wie schrecklich sind Deine Werke!“ Was für Werke meint er anders als die göttlichen Zeichen, und daß die Schaaren der unreinen Dämonen beseitigt wurden? „In der Menge Deiner Kraft werden Dir lügen Deine Feinde.“ Er beschuldigt hier den Stumpfsinn der Juden, die nicht einmal durch die größten Wunder für den Glauben gewonnen werden konnten.

V. 4. „Die ganze Erde bete Dich an und singe Dir.“ Wenn auch die Juden, will er sagen, obschon sie überaus große Wunder geschehen sahen, Dir logen, so wird Dich nun statt ihrer die ganze Menge der Völker anbeten. [S. 577]

V. 5. „Kommet und sehet die Werke Gottes.“ Es wird hier die Person der Apostel hereingezogen, die die Völker lehren, daß gerade Dieser, der bei seiner Ankunft im Fleische die göttlichen Zeichen wirkt, es ist, der einst das rothe Meer austrocknete und auch die Gewässer des Jordanflusses theilte, so daß die Söhne Israels zu Fuß hinübergingen.

V. 6. „Der das Meer in trockenes Land verwandelt.“ Und hiefür liefert den Beweis, was bereits geschehen ist, als er nämlich das Meer in trockenes Land verwandelte. Symmachus drückt es so aus: „Er verwandelte das Meer in trockenes Land, zu Fuß setzten sie über den Fluß.“ Denn Dieser ist der Gott, will er sagen, der uns die Rückkehr und uns die Rettung gewährt, der einst das Meer und den Fluß zertheilte und unsere Ahnen ohne Gefahr durchziehen ließ. „Da werden wir uns in ihm freuen.“ „Da“ bezieht sich auf die Zeit. Er sagt also, daß wir in jener Zeit, wo er über die neue Zeit herrschen wird, da zugleich mit ihm herrschen und eine unaussprechliche Freude genießen werden.

V. 7. „Seine Augen schauen auf die Völker.“ Er achtet auf Alles und erforscht Alles, was vorgeht. „Die ihn erbittern, sollen sich nicht bei sich erheben.“ Und welches sind wohl die, welche erbittern, anders als die, von denen gesagt ist: „Sohn des Menschen, geh in das Haus, das mich erbittert“?' 1 und: „Sie erbitterten ihn in der Wüste.“ 2 und wiederum: „Verhärtet euere Herzen nicht, wie bei der Erbitterung.“3

V. 8. „Preiset Gott, ihr Völker!“ Versammelt euch Alle gemeinschaftlich und lobet und erhebet ihn noch mehr..

V. 10. „Denn Du hast uns geprüft, o Gott, hast uns durch Feuer geläutert.“ Die wegen der Predigt des Evangeliums den Aposteln bevorstehenden Be- [S. 578] drängnisse sagt der prophetisch: Geist vorher, indem er sie in Bezug auf ihre Person aufzählt, und gibt die Fallstricke oder Gefängnisse und die Prüfungen durch Feuer und Wasser an. 4

V. 13. „Ich werde in Dein Haus mit Brandopfern kommen.“ In das himmlische nämlich. Denn sie haben sich ganz Gott als Brandopfer hingeopfert. „Ich werde Dir meine Gelübde entrichten.“ Was ich in der Bedrängniß, will er sagen, gelobt habe, werde ich Dir entrichten. Ich habe Dir aber gelobt, daß ich Dir, wenn ich von der gegenwärtigen Bedrängniß befreit bin, beständig Lobpreisungen darbringen werde.

V. 15. „Ich werde Dir markige Brandopfer bringen.“ Was Du als Opfer Dir bestellt hast, werde ich Dir freudig opfern, markig aber nennt er das Wohlgenährte und Fette. Denn in dieser Weise befahl auch das Gesetz das Tadellose und Unversehrte darzubringen. Es spricht auch der Prophet Malachias einen Fluch über die aus, welche solche Opfer haben, aber verstümmelte darbringen. 5 Das war auch für Kain der Ursprung jener Übel. Auch wir werden belehrt, mit dem Wertvolleren, das wir haben, die Gottheit zu ehren. „Ich werde Dir Rinder darbringen mit Böcken.“ Geistig ist aber Alles, wie ich sagte, sowohl Brandopfer, als Rinder und Böcke, die er darzubringen verheißt.

V. 16. „Kommet und höret. Ich werde es zählen.“ Und was erzählt er Anderes, als was er vorhin schon vorgebracht hat: „Du hast uns geprüft.“6 und so weiter?

V. 18. „Wenn ich Unrecht sah in meinem Herzen, so soll mich der Herr nicht erhören.“ Ich wußte, daß, wenn ich der Ungerechtigkeit anhinge. Gott mein Gebet nicht würde erhören wollen. Aquila: „Wenn der Herr etwas Unnützes sieht in meinem Herzen, wird er mich [S. 579] nicht erhören.“ Es soll heißen: Indem ich meine Gebete vor Gott brachte, sorgte ich für das Geziemende, im Bewußtsein, daß mein Gebet mir keinen Gewinn bringt, wenn ich nicht das Nöthige thue. Und er schreibt sich vor Gott einen andern Ruhm zu, daß er jeder Ungerechtigkeit ferne stehe. Deßhalb hat er auch Vertrauen, erhört zu werden.

1: Ezech. 44, 6.
2: Ps. 77. 40.
3: Ps. 94. 8, 9.
4: V. 11 u. 12.
5: Malach. 1, 7.
6: V. 10.

 

 

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Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger