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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 64.

LXIV.

V. 1. Zum Ende, ein Psalm Davids, Lied des Jeremias und Ezechiel an das Volk der Auswanderung, als sie im begriff standen, fortzuziehen.

Inhalt.

In diesem Psalm führt er die Person der Völker ein, die den Glauben an Christus annahmen, obschon die Weisen dieser Welt dagegen ihr Geschrei erhoben, und die um Verzeihung der früheren Gottlosigkeit flehen. Ausserdem schickt er ein Gebet für sie empor, die einst unfruchtbar waren, durch den Glauben an Christus aber fruchtbar geworden sind.

V.2. „Dir geziemt ein Loblied, o Gott, auf Sion.“ Nicht mehr, will er sagen, werden wir zu den Göttern, an die wir glaubten, unsere Lobgesänge empor senden, da wir wissen, daß es nicht geziemend ist. Jenen zu lobsingen, die Holzstücke, Steine und Dämonen sind. Für Dich allein ist eine solche Dienstleistung am schicklichsten. „und Dir wird man ein Gelübde darbringen in Jerusalem.“ Entweder meint er das irdische Jerusalem, das die Kirche ist, oder das himmlische, indem wir, wenn wir dahin gelangt sind, unsere Lobgesänge darbringen werden.

V. 3. „Erhöre mein Gebet; zu Dir wird alles Fleisch kommen.“ Er verkündet in diesen Worten die frohe Botschaft von der Berufung aller Völker, wie es bei Joel heißt: „Ich werde ausgießen von meinem Geiste über alles Fleisch.“1 [S. 573]

V. 4. „Worte der Gottlosen überwältigten uns.“ Worte der Gottlosen nennt er die Weisheit der Weisen dieser Welt, in der sie ohnmächtig waren und die wahre Erkenntnisse verloren hatten. „Und über unsere Missethaten wirst Du Dich erbarmen.“ Sie flehen, von der Gottlosigkeit, in die sie sich verirrt hatten, befreit zu werden.

V. 5. „Glückselig ist der, den Du erwähltest und annahmst.“ Die, welche in der Tugend vollendet waren und den Kaufpreis der höheren Berufung erlangt hatten, nennen sie glückselig. „Wir werden voll werden von den Gütern Deines Hauses.“ Güter des Hauses nennt er die verschiedenen Gaben des Geistes. Denn dem Einen. heißt es, wird durch den Geist das Wort der Weisheit mitgetheilt, dem Andern das Wort der Erkenntnis und die übrigen Gaben. 2 „Heilig ist Dein Tempel.“ entweder der himmlische oder der irdische nach den Worten: „Denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr.“ 3

V. 6. „Erhöre uns, Gott, unser Heiland, Hoffnung aller Grenzen der Erde.“ Erhöre uns also und gewähre uns das. Auf Dich, will er sagen, werden die Grenzen der Erde hoffen und die, welche weit vom Meere wohnen. Es werden aber hiedurch wieder die Grenzen der Erde bezeichnet.

V. 7. „Der die Berge bereitet in seiner Kraft.“ Berge nennt er hier die feindlichen Mächte. Er bereitet sie aber zur Strafe, denn er bereitete ihnen den Abgrund. Das aber wirst Du thun, weil Du mächtig bist.

V.8. „Der Du die Tiefe des Meeres erschütterst.“ Meer nennt er hier die Menge der unreinen Geister, die durch, die Ankunft Christi erschüttert wird, sagten sie in ihrer Furcht: „Du bist gekommen., uns vor der Zeit zu quälen.“4

V.9. „Es werden erschrecken die Völker [S. 574] und die äussersten Bewohner vor Deinen Zeichen sich fürchten.“ Wann die Völker, will er sagen, das heißt die Schaaren der Dämonen erschrecken werden, dann werden gewiß auch die Menschen, die an den Grenzen der Erde wohnen. Dich fürchten, wenn sie die grossen Zeichen sehen. Er meint die Zeichen, die bei seinem Erscheinen geschehen sind. „Wo ausgeht der Morgen und Abend, wirst Du Freude spenden.“ Wenn nämlich die Menschen, die den Erdkreis bewohnen, große Zeichen sehen und eine gute Furcht fürchten, da werden sie dann wahrhaft beim Ausgang am Morgen und am Abend, das heißt zu jeder Zeit Freude haben und über die guten Thaten Deiner Ankunft jubeln.

V. 10. „Du hast die Erde heimgesucht und sie berauscht.“ Er zeigt, worauf die Freude aller Völker gerichtet war. Worauf aber anders, als daß er die Erde seiner Heimsuchung würdigte und sie berauschte, nämlich mit seinen Gnadengaben? „Der Fluß Gottes füllte sich mit Gewässern.“ Fluß nennt er hier das Wort des Evangeliums. Er habe sich aber mit Gewässern gefüllt, mit welchen anders, als mit den göttlichen Verheissungen, die er denen gemacht hat, die des Himmelreiches würdig sind? Die Verheissungen aber mögen sein: „Selig sind die Armen im Geiste“ und die weiter folgenden Seligkeiten. „Du hast ihnen Speise bereitet.“ Er meint die geistige Speise und sagt, daß sie bereitet sei. Es ist nämlich vor der Erschaffung der Welt das Geheimniß Christi festgestellt worden, der das Brod ist, das vom Himmel gekommen und der Welt das Leben gibt.

V. 11. „Berausche ihre Furchen und vermehre ihre Gewächse.“ Furchen nennt er die Tiefen der Herzen. Gewächse aber die gottesfürchtigen Gedanken. „An ihren Regentropfen wird sie sich erfreuen und aufsprossen.“ Auch die kleinen göttlichen Gaben, will er sagen, die ihr verliehen werden, bereiten ihr Freude und bewirken, daß sie hervortreibt, die geistige Frucht nämlich. Du wirst aber ihre Regentropfen aus dem begreifen, was von Chri- [S. 575] stus gesagt ist: „Er wird Herabkommen wie Regen auf das Fell und wie ein Tropfen, der auf die Erde träufelt.“5

V.12.“Du wirst segnen den Kranz des Jahres, den Kranz Deiner Güte.“ Jahr nennt er die Zeit der Zukunft, und er nennt sie einen Kranz der Güte, weil die Heiligen in ihr mit vieler Güte bekränzt werden. „Und Deine Gefilde werden angefüllt werden mit Fett.“ Gefilde nennt er wieder die Seelen derer, die an ihn glauben. „Und es werden fett sein die schönen Plätze der Wüste.“ Berge nennt er die heiligen Apostel und Evangelisten, die wohlgenährt geworden sind durch die geistigen Gaben. Wüste aber nennt er die aus den Völkern gebildete Kirche, die einst der Kenntniß Gottes beraubt war. „Und mit Jubel werden sich die Hügel umgürten.“ Hügel nennt er die Vorgesetzten der Kirchen. „Es kleideten sich die Widder der Schafe.“ Widder der Schafe nennt er die Fürsten der Völker. Womit anders aber werden sie sich kleiden als mit dem Kleide der Unverweslichkeit und dem Mantel der Freude? Widder der Schafe nennt er die heiligen Apostel, weil sie hervordringen und, mit Hörnern zu stoßen vermögen, wie der Herr sagt: „Sehet, ich werde euch wie Schafe mitten unter die Wölfe senden.''6 „Und die Thäler werden an Getreide Überfluß haben .“ Die einst ganz hilflosen unfruchtbaren Seelen der Völker werden voll sein von geistigen Früchten. „Sie werden rufen, denn sie werden einen Lobgesang singen.“ Wenn die Thäler, will er sagen, in einen besseren Zustand versetzt sind und sich mit geistigen Früchten gefüllt haben, so werden sie Dir in reichlichem Maß die Lobgesänge darbringen. [S. 576]

1: Joel 2. 28.
2: I. Kor. 12. 8
3: I. Kor. 3, 17.
4: Matth. 8,29.
5: Ps. 71. 6.
6: Matth. 10, 16.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger