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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 62.

LXII.

V. 1. Ein Psalm Davids, da er in der Wüste von Judäa war.

Inhalt.

Auch diesen Psalm singt er auf der Flucht vor dem Angesichte Sauls, da er durch die tugendhafte Lebensweise Gott zu Hilfe ruft. Er läßt sich aber auch auf die Seele beziehen, die einst von allem Guten eutblößt war, dann aber der Gnade Christi sich zuwendete.

V. 2. „Gott, mein Gott, zu Dir erwache ich [S. 567] am Morgen.“ Er gibt mit diesen Worten seinen unermüdeten Eifer zu verstehen. Zu Dir, will er sagen, stehe ich auf am Morgen, um Dir die Lobgesänge und Gebete darzubringen. „Meine Seele durstete nach Dir.“ Nicht nur, will er sagen, ist meine Seele von der göttlichen Liebe erfüllt, sondern auch „gar sehr mein Fleisch.“ Denn wir müssen nicht bloß die Gottesfurcht üben, sondern auch im, Leibe Gott gefallen, wie durch Fasten, beständiges Gebet, Liegen auf dem Boden, Arbeit der Hände, um den Bedürftigen zu Hilfe zu kommen.

V. 3. „Im wüsten unwegsamen Lande.“ Ich litt keinen Schaden am wüsten Orte, will er sagen, sondern wie wenn ich an Deinem eigenen heiligen Zelte stände, bringe ich Dir einen Lobgesang dar. Denn „im Heiligthum“ deutet auf das Zelt. Denn es war der göttliche Tempel noch nicht aufgebaut. „So erschien ich vor Dir im Heiligthume.“ „So.“ Wie denn? Nicht anders, als indem ich nach der Verbindung mit Dir, dem Heiligen, durstete und mich sehnte. Wer aber ist wohl heilig, wenn nicht der Eingeborne?

V. 4. „Denn Deine Barmherzigkeit ist besser als Leben.“ Weil die, denen die Barmherzigkeit Gottes, das heißt Christi zu Theil geworden ist, das Leben dieser Welt für Nichts achten, sprechen sie solche Worte aus und sagen, daß die durch den Eingebornen ihnen gespendete Barmherzigkeit mehr werth sei als Länge des Lebens, des gegenwärtigen nämlich.

V. 5. „Dann werde ich Dich preisen in meinem Leben.“ Das werde ich mein ganzes Leben ununterbrochen thun und Dich mit meiner Zunge preisen, meine Hände ausstrecken und zu Deiner Milde beten. „In Deinem Namen werde ich meine Hände erheben.“ Nicht mehr, will er sagen, werde ich wie zuvor meine Hände zu einem fremden Gotte ausstrecken, sondern zu Dir allein, und werde Deinen Namen im Gebete anrufen.

V. 6. „Wie mit Mark und Fett sättige sich Meine Seele.“ Er zeigt, wie groß der Gewinn derer ist, [S. 568] die sich entschlossen haben, auf ihn allein ihre Hoffnung zu setzen. „Und mit jubelnden Lippen wird mein Mund Dich loben.“ Wenn ich, will er sagen, mir Deinen Namen ins Gedächtniß rufe, ja dann, dann werden meine Lippen mit Freude erfüllt.

V.7. „Wenn ich Deiner gedachte auf meinem Lager.“ „Wenn ich gedachte“ ist so viel als „eingedenk.“ so daß der Sinn ist: Deiner eingedenk war ich schlaflos bei Deinem Lobe und bei Deinen glänzenden Geschenken, die Du denen verleihst, die Dich anrufen.

V.8. „Denn Du bist mein Helfer, und unter dem Schutze Deiner Flügel werde ich frohlocken.“ Da Du mir, will er sagen, selbst mit dem Schutze Deiner Hilfe beispringst, so gebe ich mich der Freude hin. Denn unter dem Schutze der Flügel versteht er den Schutz seiner Hilfe. Von Dir geschützt, will er sagen, werde ich Freude genießen.

V. 9. „Es hängt meine Seele an Dir.“ Auch nicht auf kurze Zeit, will er sagen, kann ich die Erinnerung an Dich mir aus dem Sinne schlagen, sondern wie von einem heissen Zauber entbrannt bin ich durch die Erinnerung wie durch eine Art Cement an die Sehnsucht nach Dir gefesselt. Dann zeigt er die Frucht der Sehnsucht. „Mich ergriff Deine Rechte.“ Und was ist wohl die Rechte des Vaters anders als sein eingeborner Sohn?

V. 10. „Sie aber suchten vergebens meine Seele.“ Er erhebt nunmehr seinen Ruf gegen die feindlichen Mächte und spricht von der erlittenen Gewalt und bittet, sie möchten den ewigen Strafen überliefert werden.

V. 12. „Der König aber wird sich freuen in Gott.“ Nachdem er das Ende derer dargestellt hat, die gegen Christus gottlos waren, und gezeigt hat, daß die unterste Theile der Erde ihr Antheil und ihr Loos sein werden, so geht er in seiner Rede zu einer andern Abtheilung über. Das war aber die Abtheilung derer, die an Christus glaubten, die des Himmelreiches gewürdigt mit Recht Könige ge- [S. 589] nannt werden, nach dem Ausspruche des Apostels: „Und wollte Gott, daß ihr herrschen möchtet!“ 1 Das war das herrschende Volk, das die geistige Freude genießt, die Gott selbst ihm gewährt hat. Ich, will er sagen, der ich von Dir die Herrschaft erlangt habe, freue mich über Deine Hilfe, nicht über deren Tod. „Gepriesen werden wird ein Jeder, der bei ihm schwört.“ So, will er sagen, wird Christus ihr Ruhm sein, derer nämlich, die die Herrschaft haben, so daß sie, da sie ihn zum Gott des Eides machen, mit Recht gelobt werden. Denn sie werden beim wahren Gotte schwören, wie geschrieben steht. „Denn verstopft ist der Mund derer, die Unrechtes reden.“ Und wer sind Diese, ausser die sich zu sagen erkühnten: „Fort von der Erde mit einem solchen Menschen. Denn er darf nicht länger leben“ 2 Ihr Mund also wurde verstopft, da der Herr den Tod zertrat und am dritten Tage auferstand. Auch der Mund der feindlichen Mächte selbst wurde verstopft, da die Sünde durch die Gnade getilgt war, wie es anderswo heißt: „Und jede Ungerechtigkeit wird ihren Mund verschließen.“3 „Gott ist es, der sie gerecht macht, und wer wird sie verdammen?“ 4

1: I. Kor. 4, 8
2: Apostelg. 22, 22.
3: Ps. 106, 42,
4: Röm. 8, 33. 34.

 

 

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Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger