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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 61.

LXI.

V. 1. Zum Ende, von Jdithum, ein Psalm Davids.

Inhalt.

Jdithum war einer von den Leitern des Chores im gött- [S. 564] lichen Tempel. Dieser ist in die Sünde gefallen und empfängt den Psalm von David, indem er eine Ermunterung zur Tugend erhält. Er prophezeit in ihm auch die durch die Anordnung des Heilands dem ganzen Menschengeschlechte bevorstehende Erlösung und die Vernichtung der geistigen Feinde und bringt für die Menschen eine Ermahnung, die die Vernichtung der Bosheit in sich schließt, indem er für sie eine Erinnerung an das Gericht Gottes beifügt.

V. 2. „Soll nicht Gott meine Seele unterworfen sein?“ Wenn du auch erschütterst bist, o Seele, will er, sagen, und den tugendhaften Zustand verloren hast, so unterwirf dich doch dem Herrn. Er wird dich ja schützen und retten, daß du nicht weiter mehr erschüttert wirst.

V. 3. „Denn er ist mein Gott.“ Denn er wird mir Rettung zu Theil werden lassen, wenn ich von euch Unrecht erleide, und wird mich ganz von eurer Schlechtigkeit befreien.

V. 4. „Wie lange überfallet ihr einen Menschen?“ Er erhebt seinen Ruf gegen die feindlichen Mächte, daß sie nämlich die zum Bösen geneigte Natur des Menschen überfallen, die wegen ihrer natürlichen Ohnmacht ungefähr ist wie „eine Hangende dem Einsturz nahe Wand und eine eingefallene Mauer.“

V. 5. Sie beriethen sich, mich des Preises zu berauben.“ Sie haben uns beinahe sogar der Vernunft beraubt und uns gezwungen, Holz und Steine anzubeten, so daß von uns gesagt ist: „Als der Mensch in Ehre stand, begriff er es nicht.“1 „Sie liefen durstig.“ Diesen Lauf will er sagen, liefen die feindlichen Mächte, da sie darnach dursteten, mich des Preises zu berauben. „Mit ihrem Munde [S. 565] segneten sie und fluchten in ihrem Herzen.“ Das sagt er, weil sie, indem sie uns das Angenehme vorspiegeln, uns dadurch zu Kindern des Fluches machen.

V. 6. „Aber sei Gott unterwürfig, meine Seele.“ Wieder spricht er zur Seele, indem er sie zur Unterwürfigkeit gegen Gott ermahnt. Er weist aber auf die Größe der Versuchungen hin und spricht die Worte des Apostels aus: „Er wird euch über euere Kräfte nicht versuchen lassen.“2

V. 8. „In Gott ist mein Heil und mein Ruhm.“ Auf ihn setze ich die Hoffnung des Heiles und Ruhmes, das heißt, er wird mich erretten und mir Ruhm verschaffen und mich zum Sieger über sie machen.

V. 9. „Hoffet auf ihn, ihr versammelten Völker alle.“ Nachdem er zuerst ihn auf den Weg zur Buße geführt hat, ermahnt er auch die Andern dazu. Zugleich aber sagt er in prophetischer Weise die Berufung aller Völker vorher. „Schüttet vor ihm euere Herzen aus.“ Es ist, wie wenn er sagte: Tretet zu ihm nicht mit doppelten Herzen hinzu, sondern wie geschrieben steht: „Du sollst Gott Deinen Herrn lieben aus Deinem ganzen Herzen und aus Deiner ganzen Seele.“ 3

V. 10. „Aber eitel sind die Söhne der Menschen.“ Da er weiß, daß an Alle der Ruf durch das Evangelium ergehen werde, erklärt er die für unglücklich, welche nicht glauben, vor Allem die Führer der Juden, die Lügner waren, weil sie ja die Wahrheit von sich stießen und nicht nur in Gewicht und Wage die Ungerechtigkeit übten, sondern sich auch vergeblich versammelten. Denn vergeblich war in Wahrheit ihre Verfolgung gegen den Heiland.

V. II. „Hoffet nicht auf Unrecht und laßt [S. 566] euch nicht nach Raub gelüsten.'' Das sagt er zu ihnen, weil sie aus Habgier ihm nachstellten und die Früchte des Gesetzes dadurch zu erlangen hofften.

V. 12. „Einmal redete Gott. Diese zwei vernahm ich. Bei Gott ist die Macht.“ Gott, will er sagen, sprach ein Wort aus über das Gericht, wobei ich dieses Zweifache gehört habe, einmal, daß er denen, die durch die Menge der Sünden den Zorn herabgefleht haben, Zorn geben, dann aber denen, die gethan haben, was Barmherzigkeit verdient, Barmherzigkeit gewähren werde. 4 Denn „die Macht“ gibt den Zorn zu verstehen sowie die Härte gegen die, welche sie verdienen.

1: Ps. 48. 13.
2: I. Kor. 10, 13. Der Psalmist spricht die Worte des Apostels dem Sinne nach aus.
3: Matth. 22, 37.
4: Wie es V.13 ausgesprochen ist.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger