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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 59.

LIX.

V. 1. 2. Zum Ende, für die, welche werden verwandelt werden, eine Säuleninschrift Davidszur Belehrung, als er das syrische Mesopotamien und Sobal in Syrien mit Feuer verheerte und Jakob umkehrte und im Salzthale zwölftausend Edomiter erschlug.1

Inhalt.

Da der geschichtliche Theil klar ist, weil er genau im zweiten Buche der Könige geschrieben steht, so werden wir aus demselben eine Nutzanwendung bringen, daß nämlich die Person des David der Person des Herrn entspricht, der auch die Veränderung und Erneuerung der Dinge in der letzten Zeit gewährt und die fremden Völker, das heißt die fremden im geistigen Sinne geschlagen hat. Denn darauf weist uns die Überschrift hin mit den Worten: „zur Belehrung.“ Wir werden also belehrt, daß zur Zeit, da der, welcher dem Fleische nach aus dem Samen Davids stammt, die Feinde schlug, und da das Judenvolk die Heiden zu seinem Eigenthum machte, es im Vorgefühl der wegen Christus zu wartenden Strafe gleichsam umkehrt und sieht, daß es gleichfalls wegen Christus der Gnade möge gewürdigt werden. Und es beweint zuerst den wegen seiner Gottlosigkeit gegen Christus erlittenen Fall. Deßhalb sagt es:

V. 3. „Gott. Du hast uns verstoßen und zerstört, Du hast gezürnt und Dich unser er- [S. 558] barmt.“ Du hast uns gestraft, will er sagen, wegen der gegen Dich verübten Gottlosigkeit, aber Du hast Dich unser erbarmt. „Du hast Dich unser erbarmt“ steht nämlich für Erbarme Dich unser. Oder in anderer Weise: „Du erbarmtest Dich“ ist soviel als: Du machtest uns bejammernswert und unglücklich, so daß wir wegen des Unglücks nunmehr der Erbarmung würdig sind.

V. 4. „Du hast das Land bewegt und es erschüttert.“ Er meint Jerusalem, weil es belagert und der Tempel in ihm zerstört wurde. Oder er meint auch ihr Land im geistigen Sinne, das wegen der Abkehr von ihnen in Bewegung gerathen ist. „Heile seine Brüche, denn es ist schwankend geworden.“ Er erzählt wieder, was geschehen ist.

V. 5. „Du hast Hartes erzeigt Deinem Volke.“ Durch die Menge der Unglücksfälle hast Du uns gleich wie mit Wein in Schlummer versetzt und unsere Seelen mit Schmerz angefüllt. „Du hast uns getränkt mit dem Weine der Trübsal.“ Aquila hat so übersetzt: „Du hast uns getränkt mit dem Weine des Schlummers.“ 2 Wein der Trübsal nennt er die Strafen in den göttlichen Schriften, die ihnen voraus verkündet wurden wegen ihrer Gottlosigkeit gegen Christus. Denn indem sie die Weissagung lesen und durch die Erfahrung kennen lernen, werden sie in ihrem Gewissen betrübt.

V. 6. „Du gabst denen, die Dich fürchten, ein Zeichen zur Flucht vor dem Bogen.“ Zeichen ist die Erleuchtung, in welcher man eine Unterscheidung der Geister, des Guten und Bösen haben kann. Denn wenn wir diese Kenntniß haben, fliehen wir das Schlechte und entfernen uns weit von der bösen That und dem schlechten Geiste. Vom Nämlichen. 3 Wir, will er sagen, sind wegen der Gottlosigkeit, die wir verübt haben, gestraft worden; die [S. 559] Dich aber fürchten, haben ein Zeichen erhalten, offenbar nämlich das, in dem wir besiegelt sind, damit sie von jedem Schaden der Strafe frei würden. Die Gestalt dieses Zeichens war aber das Blut der Schafe, womit in Ägypten die Thürpfosten besprengt wurden.

V. 8. „Gott hat gesprochen in seinem Heiligen.“4 Ähnlich ist: „In diesen letzten Tagen hat er zu uns im Sohne gesprochen.“ 5 Denn er ist der Heilige Gottes und des Vaters. Was aber sprach er und zu wem sprach er? Nachdem er in einem vorhergehenden Psalme mit den Worten gefleht hatte: „Erhebe Dich, o Gott, über die Himmel, und Dein Ruhm über die ganze Erde.“ 6 antwortete er deßhalb, daß er Sichima, das heißt, die Burg Israels theilen werde. Denn sie war in Sichima. Er gab sie nämlich den fremden Völkern, die an ihn glaubten. „Ich werde das Thal der Zelte messen.“ Ein Thal nennt die göttliche Schrift die Wohnung aller Menschen. Dieses ganze Thal also, will er sagen, werde ich mir zu Zelten messen, das heißt: Ich werde es ganz mit Kirchen anfüllen.

V. 9. „Mein ist Galaad, und mein ist Manasses.“ Mit Galaad und Manasses gibt er zu verstehen, daß er bei seiner Ankunft zuerst den Juden die Gnade verkündet. Aber auch Ephraim, will er sagen, und Juda, die zwei Reiche Israels, werden gleichfalls die Gnade annehmen. Die Worte aber: „Stärke meines Hauptes“ stehen für: „Kraft meines Reiches.“ Denn seiner Herrschaft, über die er herrschte, das heißt. Israels Kraft war Ephraim. Denn von ihm stammte das Reich Israel.

V. 10. „Moab ist der Topf meiner Hoffnung.“ Topf ist der Behälter. Er will aber sagen: Auch die Moabiter, das heißt das vor Kurzem gottlose Volk. [S. 560] nehmen die Hoffnung auf mich an. „Über Idumäa werde ich meinen Schuh erstrecken.“ Und in Idumäa, will er sagen, werde ich herumgehen. Idumäa war wieder ein fremdes Volk. Es wird uns dadurch bekannt gemacht, daß den Glauben an ihn auch die Heiden annehmen werden. Deßhalb sagt er: „Die Fremden wurden mir unterworfen.“

V. 11. „Wer wird mich führen in die befestigte Stadt?“ Da der Prophet durch den Geist vernommen hat, daß die Völker die Gnade aufnehmen, sagt er: Wer wird mich führen in die befestigte Stadt? Eine befestigte Stadt aber nennt er die Kirche, um die die Macht Gottes einen Wall aufgeführt hat. Das sagt der Prophet gleichsam im Namen des reumüthigen Volkes der Juden, das den Glauben an Christus anzunehmen wünscht. „Oder wer wird mich führen bis nach Idumäa?“ Er bezeichnet die befestigte Stadt. Welche ist es also anders als Idumäa ? Unter Idumäa versteht er aber alle Völker, die die Gnade angenommen haben.

V. 12. „Nicht Du, o Gott, der Du uns verstoßen hast?“ Wer anders, will er sagen, sollte uns in die befestigte Stadt führen, als Du selbst, der Du uns wegen unserer Missethaten aus Deiner Wohnung verstoßen hast?

V. 13. „Verleih uns Hilfe in der Trübsal, und eitel ist Rettung durch einen Menschen.“ Nicht durch menschlichen Beistand, will er sagen, hoffen wir von den über uns hereinbrechenden Trübsalen befreit zu werden, sondern vielmehr durch Deine Hilfe allein. „Und eitel ist Rettung durch einen Menschen.“ Denn Jeder, der auf Rettung durch einen Menschen hofft, hat sich auf eine eitle Hoffnung gestützt. Deutlicher ist die Uebersetzung des Symmachus, der die entsprechende Conjunction beigefügt und es so gegeben hat: Verleihe uns Hilfe in der Trübsal, denn7 eitel ist Rettung durch einen Menschen. [S. 561]

V. 14. „In Gott wollen wir Kraft wirken.“ Hilf denen, will er sagen, die in schlimmer Lage sind. Dir allein ist es möglich, die Unglücksfälle zu beseitigen. Die Hilfe der Menschen, wenn Du nicht zustimmst, ist eitel. Wir werden also seine Fürsorge anrufen und auf seine Macht vertrauen. Denn diese allein genügt, das Schwierige zu beseitigen und die Macht unserer Feinde zu brechen. Sie unterreden sich gleichsam unter einander, von nun an auf Gott allein die Hoffnungen ihrer Rettung zu setzen. Deßhalb sagt er: Wenn wir von Gott allein Kraft zu erlangen hoffen, dann werden wir finden, daß unsere Feinde Nichts sind.

1: II. Kön. 8. 3 ff. 10, 7 ff.
2: Im Hebräischen: xxxxx Wein der Betäubung.
3: Die folgenden Bemerkungen gehören zu V. 7.
4: Sonst wird übersetzt: „in seinem Heiligthum. Daß Athanasius die griechischen Worte: xxxxx nicht so auffaßte, zeigt seine Erklärung. Der Heilige ist der Sohn.
5: Hebr. 1, 2.
6: Ps. 56,6.
7: Symmachus übersetzt xxxxx mit „denn,“ da diese hebräische Conjunction auch als Causalpartikel gebraucht wird.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger