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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 58.

LVIII.

V. l. Zum Ende. Vertilge nicht. Eine Säuleninschrift Davids, als Saul hinsandte und sein Haus bewachen ließ, um ihn zu tödten.1

Inhalt.

Da Saul gegen David aufgebracht war, suchte er ihn, der doch sein Wohlthäter war, zu tödten, indem er jetzt die Lanze nach ihm warf, dann im Hause ihn belagerte. Es ist aber auf die Person des Heilandes zu beziehen, der dem undankbaren Israel Wohlthaten erweist, dessen Person Saul vertrat, und von ihm Verfolgung leidet. Er verkündet auch die Berufung aller Heiden, da nämlich Israel wegen seiner Gottlosigkeit des Lebens in Gott beraubt wurde.

V. 2. „Errette mich von meinen Feinden, o Gott.“ Er fleht, er möge von seinen sichtbaren und geistigen Feinden befreit werden. Denn diese handelten ungerecht und waren gegen ihn mißgünstig gestimmt.

V. 5. „Ich habe weder eine Missethat noch eine Sünde, o Herr!“ Ähnlich ist: „Er hat kein Unrecht gethan, noch wurde eine Hinterlist gefunden in seinem Munde.“ 2

V. 6. „Sieh und suche alle Völker heim.“ Er fleht, es mögen die Götzendiener sich zum Glauben an Christus bekehren, und Israel möge verworfen werden we- [S. 554] gen seiner Missethaten. „Habe kein Erbarmen gegen Alle die Unrecht thun. V. 7. Sie werden umkehren am Abende“ Er gibt die Ursache an, warum er flehte, sie möchten keine Barmherzigkeit finden. Die Ursache ist aber, daß sie eine Verschwörung gegen den Heiland machen werden, was in jener Zeit geschah, da er am Ende der Tage in der Welt im Fleische erschien. „Und sie werden Hunger leiden wie ein Hund.“ Hunger werden sie leiden, weil sie das belebende Brod nicht aufnehmen, Hunde nennt er sie wegen ihrer unverschämten Gesinnung. „Sie werden um die Stadt herumlaufen.“ weil sie nämlich aus der Vaterstadt vertrieben und durch die kaiserlichen Gesetze von ihr ferne gehalten 3 rings um sie von aussen herumgehen und kaum von irgend einem entfernten Punkte aus sie sehen können.

V. 8. „Sieh, sie werden reden mit ihrem Munde.“ das heißt sie werden lästern. „Und ein Schwert ist auf ihren Lippen.“ Jenes nämlich: „Hinweg, hinweg mit ihm! Kreuzige ihn!“4

V. 9. „Und Du, o Herr, wirst sie verlachen.“ Sie lästerten, will er sagen, und verfolgten bis an das Kreuz und sagten, Gott werde ihre Reden und Handlungen nicht sehen. Wenn sie aber auch diese Gesinnungen haben, so wirst Du dafür sorgen, o Herr, daß sie dem Gelächter ausgesetzt sind. Jene also erkühnen sich solcher Unternehmungen, Du aber hörst und siehst es und verlachst ihren thörichten Wahnsinn. „Du wirst alle Völker zunichte machen.“ Die geistigen nämlich, von denen sie auch zum Kriege gegen den Herrn aufgehetzt wurden. Oben sagte er: „Sieh und suche alle Völker heim.“„ 5 hier aber: „Du wirst alle Völker zunichte machen,“ indem er durchgehends sich einer guten Ordnung der Rede auch in dem bedient, was in der Mitte liegt. Er zeigte nämlich, daß er nicht einfach ihre Be- [S. 555] strafung verlange, und forderte, daß Gott zuerst Einsicht nehme und das, was vorgehe, untersuche, hierauf erzählte er ihre Handlungen, die sie in der Meinung vollbrachten, daß Keiner sei, der Fürsorge treffe. Dann erwähnte er die Strafe mit den Worten: Deßhalb wirst Du sie mit Recht strafen und wirst sie durch Deine Strafe zunichte machen.

V. 10. „Meine Stärke will ich bei Dir bewahren.“ Sie haben, will er sagen, solche Gottlosigkeit gegen Dich verübt. Ich aber, der Prophet, der das sagt, werde im Geiste meine Kraft und meine Herrschaft behaupten, die durch Dich bewahrt werden wird. Du hast Dich ja auch meiner angenommen und vor meinen Bitten mich mit Deiner Barmherzigkeit umschlungen,6 daß ich auch den Fall meiner Feinde sah.

V. 12. „Tödte sie nicht, daß sie Dein Gesetz nie vergessen.“ Er bittet, es möge das Geschlecht derer, die sich gegen den Herrn erhoben haben, nicht ganz aus der Zahl der Menschen vertilgt werden. Er fleht, sie mögen vielmehr zerstreut werden und in Gefangenschaft leben wegen „der Sünde ihres Mundes“ und wegen „ihres Hochmuthes.“

V. 13. „Um des Fluches und der Lüge Willen wird ihre Vertilgung verkündet werden.“ Möge man ihre Vertilgung vernehmen, will er sagen, wegen der Flüche, die sie gegen Dich ausstoßen, indem sie Deinen Ruhm verleumden. Vertilgung aber nennt er nicht die gänzliche Vernichtung des Volkes, sondern den Sturz ihres Ruhmes. Ihr Ruhm aber sind der Dienst des Gesetzes, der göttliche Tempel, die Propheten, die Hohepriester, die Gesetzeslehrer, das Erscheinen der Engel. Das alles miteinander hat nach dem am Herrn vollbrachten Morde sein Ende gefunden.

V. 14. „Und sie werden erkennen, daß Gott über Jakob herrscht und über die Grenzen [S. 556] der Erde.“ Alles Ruhmes beraubt, will er sagen. werden sie in der That erkennen, daß Du ja der Herr Jakobs bist und bis an die Grenzen der Erde Deine Kirche ausgedehnt hast.

V. 15. „Sie werden umkehren am Abende.“ Er spricht das bereits Gesagte 7 wiederholt aus und macht dadurch seine Prophezeiung gegen dieselben kräftiger.

V. 16. „Sie werden sich zerstreuen, um zu essen, und sie werden murren, wenn sie nicht satt werden.“ Sie werden herumgehen und das Wort des Herrn suchen und es nicht finden. Wenn sie aber auch irgend einmal auf irgend eine Stelle der göttlichen Schrift stoßen und sich daran zu sättigen scheinen, so werden sie auch dann murren, da sie beständig mürrisch sind und Gott widersprechen.

V. 17. „Ich werde Deine Macht besingen.“ Jene, will er sagen, machen es so, ich aber, nämlich das aus den Heiden stammende Volk, werde mich, da ich Deine Macht kenne, über Deine Barmherzigkeit freuen, die zu Theil geworden ist im Lichte, am Tage Deiner Auferstehung. Denn in Folge derselben hast Du Dich unser angenommen und bist uns Zuflucht in der Trübsal geworden. Deßhalb sende ich auch Psalmen zu Dir, dem Gotte, empor, der mir Barmherzigkeit erwiesen hat. „Denn Du warst mein Helfer und meine Zuflucht.“ Denn ich genoß immer Deine Hilfe und entrann durch Deine Fürsorge den hereinbrechenden Unfällen. Deßhalb nun erkenne ich Dich allein als Gott und nenne Dich eine Quelle der Barmherzigkeit und Milde. Dieß sah der selige David mit prophetischen Augen aus der Ferne und sagte die Unfälle der Juden vorher und versprach, daß er seinerseits immer dem Herrn lobsingen werde, und er erfüllt die Verheissungen, indem er durch die Gottesfürchtigen seinen Lobgesang darbringt. [S. 557]

1: I. Kön. 19, 11.
2: Is. 53,9.
3: Nach einem Verbote des Kaisers Hadrian.
4: Joh. 19,15.
5: V.6.
6: V.11.
7: V.7.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger