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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 56.

LVI.

V. l. Zum Ende. Vertilge nicht den David. Eine Säuleninschrift, als er vor dem Angesichte Sauls in die Höhle floh.1

Inhalt.

Als David vor den Verfolgungen des Saul floh, kam er mit vierhundert Mann in eine Höhle, damals, als er den Saum [S. 548] vom Mantel des Saul abschnitt. 2 Damals singt er nun den Psalm. Er kann aber auch auf das bezogen werden, was Christus für uns gethan hat, als er in den letzten Tagen im Fleische auf Erden erschien und von uns das Verderben entfernte.

V. 2. „Erbarme Dich meiner, o Gott, erbarme Dich meiner.“ In der Person der Menschheit brachte er den Lobgesang auf ihn dar. „Denn auf Dich vertraut meine Seele, und im Schatten Deiner Flügel werde ich hoffen.“ Die göttliche Schrift pflegt Flügel die Gott eigene Kraft der Vorsehung zu nennen, wie geschrieben steht: „Wie oft wollte ich Deine Kinder versammeln, wie eine Henne ihre Jungen unter ihre Flügel versammelt!“ 3 Auf Deine Hilfe, will er sagen, setze ich meine Hoffnung. „Bis die Ungerechtigkeit vorübergeht,“ das heißt, bis der Satan aus dem Weg geschafft wird und die mit ihm verbundenen bösen Mächte.

V. 3. „Ich werde rufen zu Gott dem Allerhöchsten, zu Gott, der mir Wohlthaten erwiesen hat.“ Ich werde Dir bekennen, will er sagen, und Dir meinem Wohlthäter Dank darbringen. „Er sendete vom Himmel und rettete mich.“ Deutlich verkündet er die Ankunft des Herrn. „Er übergab die der Schmach, die mich zertraten,“ nämlich die geistigen und feindlichen Mächte. „Es sendete Gott seine Barmherzigkeit und seine Wahrheit.“ Barmherzigkeit und Wahrheit des Vaters ist der Sohn.

V. 5. „Und er erlöste meine Seele aus der Mitte junger Löwen.“ der geistigen jungen Löwen nämlich: „Ich schlief bestürzt.“ Weil ich von den geistigen jungen Löwen erlöst worden bin, deßhalb werde ich ruhen, obschon ich einst von ihnen bedrängt worden bin. „Söhne der Menschen, ihre Zähne sind Waffen und Pfeile.“ Mit [S. 549] diesen Worten bezeichnet er das, was dem Heiland zur Zeit seines Leidens begegnet ist, als die Juden vor Pilatus gegen Christus das Geschrei erhoben: „Hinweg mit ihm, hinweg mit ihm, kreuzige ihn!“ 4 und: „Wenn Dieser nicht ein Übelthäter wäre, so hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert.“ 5

V. 6. „Erhebe Dich, o Gott, über die Himmel, über die ganze Erde Deine Herrlichkeit.“ Wenn Du auch, will er sagen, Dich wegen unseres Heiles in freiwillige Entäusserung hingegeben hast und bis zum Tode gehorsam gewesen bist, so steige wieder zum Himmel empor. Denn wenn Du wieder emporgestiegen bist, so wirst Du mit Deiner Herrlichkeit die ganze Erde erfüllen.

V. 7. „Einen Fallstrick legten sie meinen Füßen.“ Die, will er sagen, die mich durch ihre Fallstricke zu Boden streckten, hast Du in eben die Grube fallen lassen, die sie gegraben haben. Darum erhebe Dich denn, weil Du diese treffliche That vollbracht hast, in den Himmel.

V. 8. „Bereit ist mein Herz, o Gott, bereit mein Herz.“ Erbittet, daß er den heiligen Geist empfangen möge, den der Eingeborne bei seiner Auffahrt zu senden versprochen hat, und sagt, daß sein Herz bereit sei, ihn aufzunehmen.

V.9. „Erhebe Dich, mein Ruhm.“ Seinen Ruhm nennt er den prophetischen Geist. „Steh auf, Psalter und Harfe.“ Unter Psalter versteht er die Seele, Harfe nennt er den Leib. „Ich will aufstehen bei der Morgenröthe.“ Wenn ich, will er sagen, das geistige Licht wahrnehme, werde ich aufstehen zum Lobgesange.

V. 10. „Ich werde Dir bekennen, o Herr, unter den Völkern. Dir lobsingen unter den Heiden.“ Er verkündet die Umkehr aller Heiden in den Worten seines Bekenntnisses, da nämlich alle Heiden seine Lobgesänge singen. „Denn Deine Barmherzigkeit ist groß geworden bis an den Himmel.“ Ähnlich ist: „Daß auch sie, [S. 550] die Schöpfung, von der Vergänglichkeit zur Freiheit der Kinder Gottes befreit werden wird.“ 6 „Und bis zu den Wolken Deine Wahrheit.“ Du hast die Stimmen der Wolken, das heißt der Propheten, durch Deine Thaten als wahr dargethan.

1: I. Kön, 24, 4.
2: I. Kön. 24, 5.
3: Matth. 23, 37.
4: Joh. 19. 15.
5: Joh. 18.,30.
6: Röm. 8,21.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger