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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 55.

LV:

V. 1. Zum Ende, für das Volk, das dem Heiligthum entfremdet worden, eine Säuleninschrift Davids, als ihn die Philister in Geth ergriffen hatten.1

Inhalt.

Als David vor Saul floh, hatte er in seinem Gefolge sechshundert Mann. Als er hierauf nach Geth ging, wurde er von den Philistern geehrt, denn sie übergaben ihm Sikela zur Wohnung. 2 Es kann aber der Psalm auch auf die Person der Kirche bezogen werden, die einst dem Heiligthum entfremdet wurde, zur Zeit, da sie Abgötterei trieb und den Dämonen diente, die aber von den geistigen Feinden durch den erlöst wurde, der dem Fleische nach aus dem Samen Davids entsprossen ist, der für uns auch gekämpft und wie aus eine Säule den für uns erfochtenen Sieg geschrieben hat. Denn damals würdigten ihn auch die Fremden der Ehre, das heißt die Heiden, die an ihn glaubten. [S. 545]

V. 2. „Erbarme Dich meiner, o Gott, weil, mich der Mensch zertreten hat.“ Entweder spricht David von Saul, oder es sagt das auch jeder Heilige wegen der Bedrängnisse, die sie in der Welt haben. Oft aber übernimmt jeder einzelne Mensch unter uns diesen beschwerlichen Krieg und wird den ganzen Tag hindurch vom Satan bekämpft und von ihm mit Füßen getreten. Denn wenn der Psalm von einem Menschen Erwähnung thut, so zielt er gleichwohl auf den Satan selbst, der oft in der göttlichen Schrift genannt wird, oder auf Einen, der an seiner Seite streitet. Übrigens ist es auch passend, daß das heidnische Volk in diesen Psalm einstimme, das lange Zeit vom Satan hintergangen wurde und lange Zeit den von ihm erregten Krieg durch die Nachstellung der Dämonen aushalten mußte, auf die er im Folgenden bestimmter hindeutet.

V. 3. „Es zertraten mich meine Feinde den ganzen Tag.“ Er wußte, daß Saul, angestiftet von den unsichtbaren Dämonen, ihm nachstellte. Oder es entspricht den Worten: „Wir haben nicht zu kämpfen gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Geister der Bosheit unter dem Himmel.„ 3 „Denn Viele sind es, die mich bekämpfen von der Höhe.“ …. Wenn sie sich auch erheben, will er sagen, so werde ich sie alle überwinden, weil ich auf Dich hoffe. Denn diese Hoffnung hat mir eine so große Kraft verliehen, daß ich meine alten Feinde nicht fürchte.

V. 5. „In Gott werde ich meine Worte rühmen.“ Von meinen Feinden bekämpft, will er sagen, bewaffne ich mich, um kein Unglück zu erdulden, mache alle meine Reden zu Lobliedern und bringe sie Gott dar und setze meine Hoffnung auf ihn. Deßhalb habe ich die Furcht alles Fleisches abgelegt.

V. 6. „Den ganzen Tag hindurch verabscheuten sie meine Worte.“ Den ganzen Tag hin- [S. 546] durch, will er sagen, brachte ich Gott meine Worte dar. Sie aber hörten den ganzen Tag nicht auf, gegen mich auf Schlimmes zu denken.

V.7. „Sie werden beieinander wohnen und sich verbergen. Sie werden auf meine Ferse lauern.“ „Sie werden bei einander wohnen“ ist gebraucht für: „Sie werden sich versammeln.“ Der Sinn ist aber folgender: So, will er sagen, waren sie den ganzen Tag bemüht gegen mich zu reden, und waren alle ihre Gedanken gegen mich gerichtet, daß sie sich eifrig unter einander versammelten und gegen mich geheime Rüstungen machten und es nicht dabei bewenden ließen, sondern auch meiner Ferse, das heißt meinem Lebenswandel nachstrebten, ob sie mir etwa ein Bein stellen und mich zu Boden werfen könnten. Und sie beobachteten meine Schritte, die ich machen würde, um mich zu ergreifen. Und das thaten sie gegen mich, die mich vergeblich verfolgten. Du aber, o Herr, meine Hoffnung, rette mich aus ihrer ungerechten Verschwörung. Falle über sie her und strecke sie in Deinem Zorne zu Boden.

V. 9. „Gott, mein Leben habe ich Dir vorerzählt.“ Voll Vertrauen, will er sagen, und ohne mich meines Lebens zu schämen, habe ich Dir Dieses ganz vorzählt. Du aber hast es nicht verschmäht und hast meine Thräne nicht von Dir gestoßen, sondern hast sie Du stets vor Augen gestellt, indem Du Deiner Verheissung treu bist, welche lautet: „Während Du noch sprichst, werde ich sagen: Sieh, da bin ich.“4 Deßhalb geschah es, daß, als ich erhört wurde, meine Feinde zurückwichen. Daher sage ich:„An dem Tage, an dem ich Dich anrufen werde.“

V. 10. „Da werden sich meine Feinde rückwärts wenden.“ An den Thaten selbst, will er sagen, habe ich abgenommen und genau erkannt, daß meine Hoffnung nicht vergeblich ist, sondern daß ich Gott zum Helfer bekommen habe. [S. 547]

V. 12. „Mir obliegen, o Gott, Deine Gelübde, die ich Dir erfüllen werde zu Deinem Lobe.“ Da Du uns, will er sagen. Deiner Heilsordnung gewürdigt und gerettet hast, was werden wir zur Vergeltung darbringen ausser Lobopfer?

V. 13. „Denn Du hast meine Seele dem Tode entrissen.“ Dem geistigen, meint er, das heißt der Unkenntniß in Betreff Gottes. „Und meine Füße dem Ausgleiten.“ Der Sünde, will er sagen, denn diese stürzte ihn in den Tod. „Ich werde wohlgefällig sein vor Gott im Lichte der Lebendigen.“ Wer von der Sünde erlöst und rein gemacht ist, der wird in der Zukunft im Lande der Lebendigen dem Herrn gefallen. Daß wir aber dem Tode entrissen und von der Sünde befreit wurden und einen Antheil haben im Lande der Lebendigen, hat uns die Ankunft des Herrn verschafft. Darum heißt es auch in der Überschrift des Psalmes: „eine Säuleninschrift Davids.“

1: I. Kön. 21,13.14
2: I. Kön. 27,2-6.
3: Ephes. 6,12.
4: Js. 58,9

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger