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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 54.

LIV.

V. 1. Zum Ende, unter den Unterweisungsliedern Davids.

Inhalt.

Da der Prophet im Geiste sieht, was vom jüdischen Volke und selbst von Judas gegen Christus geschehen wird, so ist er voll von Schmerz und Beängstigung, die er hier durch xxxxx ausgedrückt hat, beständig aufgeschreckt und verlegen wegen der vermessenen Thaten, und bittet Gott, auf sein Gebet zu hören und ihm das zu gewähren, dann zweitens, auf die im Gebete ausgesprochene Bitte zu achten, drittens auf den Zustand Desjenigen zu schauen, der das Gebet empor sendet, und ihn so der Erhöhung zu würdigen. Deßhalb fügt er bei: „Achte auf mich und höre aus mich.“

V.2. „Höre, o Gott, auf mein Gebet.“ Er bringt verschiedene Bitten vor und sieht, sie möchten erholt [S. 541] werden, mißachte mein Flehen nicht, will er sagen, sondern achte gnädig auf mich und gewähre mir Deine Hilfe.

V.3. „Ich wurde traurig in meinem Streite und verwirrt.“ Denn er war voll Beängstigung, da er die gegen den Heiland verübte Ruchlosigkeit sah, die er in den folgenden Worten ausspricht: „Vor der Stimme des Feindes und vor der Drangsal des Sünders.“ Der Sinn ist aber im Ganzen folgender. Erwäge, wie ich Schmerz empfand, wie ich verwirrt wurde, wie ich mit Streit erfüllt worden bin. Vernimm also das und erhöre mich.

V. 4. „Denn auf mich drangen böse Thaten ein.“ 1 Alles nämlich, was gegen den Heiland geschah, bezieht er auf seine eigene Person.

V. 5. „Mein Herz ist geängstigt in mir, und die Furcht des Todes überfiel mich.“ Sieh, mein Herz, will er sagen, hat Alles in meinem Innern umgestürzt, ja sogar die Furcht des Todes überfiel mich. Er spricht von dem Tode des Heilands, wegen dessen der Prophet von Furcht erfüllt wurde, indem er sich von menschlicher Denkweise bewegen ließ oder vom Tode der Seelen Derjenigen, denen der Untergang in Aussicht stand wegen solcher Wagnisse. Aber „Furcht und Zittern“ ergriff den Propheten, da er den Geliebten Gottes sah, wie er Solches von den Gottlosen erlitt, und „Finsterniß umhüllte ihn.“2 da in Wahrheit Finsterniß verdiente, was gegen den Heiland unternommen wurde. Ferner, da er mitten unter denen zurückgelassen ist, die das thun, und keine einzige Zuflucht hat noch einen Winkel, wo er Befreiung von den Übeln finden könnte, so betet er, er möge nach oben emporgehoben werden und zu einem Vogel geworden durch die Luft entfliehen. 3

V. 9. „Ich wartete auf Gott, meinen Ret- [S. 542] ter von dem Kleinmuth des Geistes und vom Sturme.“ Sturm nennt er den durch das Leiden ihm verursachten Schmerz.

V. 10.„Denn ich sah Unrecht und Hader in der Stadt.“ Er setzt den Grund bei, aus welchem er das Gebet verrichtete.

V.13.“Denn wenn ein Feind mich geschmäht hätte, hätte ich es ertragen.“ Das kann man mit Recht auf die Person des Verräthers beziehen.

V. 14. „Du aber, mein Gleichgesinnter, mein Führer und mein Bekannter.“ Es ist so viel als: Du bist von mir als Führer aufgestellt worden nämlich Judas. „Der Du in Gemeinschaft mit mir Speisen süß gemacht hast.“ Es ist, wie wenn er sagte: Du bist oft des nämlichen Tisches gewürdigt worden.

V. 15. „Im Hause Gottes wandelten wir in Eintracht.“ Das sagt er, weil er oft mit ihm in den Tempel gegangen ist.

V. 16. „Es komme der Tod über sie, und sie sollen lebendig in die Unterwelt hinabfahren.“ Weil sie Dich als das Leben nicht aufnehmen wollten, so wird sie deßhalb der Tod aufnehmen. Die Worte aber: „Sie sollen lebendig in die Unterwelt hinabfahren“ zielen darauf, daß sie, weil sie wußten, daß er der Erbe sei, sprachen: „Kommet, wir wollen ihn tödten.“' 4 Denn die Kenntniß hatte er statt des Lebens gesetzt.

V. 17. „Ich rief zu Gott, und der Herr erhörte mich.“ „Ich rief zu Gott.“ Und was rief er anders, als daß seine Seele von denen erlöst werden möge, die sie zu verderben suchen? Deßhalb ist er nun auch erhört Worten.

V. 18. „Abends und Morgens und Mittags werde ich erzählen.“ Das heißt: Ich werde unaufhörlich erzählen, daß Du mich erhört und meine Seele erlöst hast. [S. 543]

V. 19. »Denn unter Vielen waren sie bei mir.“ Die Vielen nämlich kamen gegen mich zusammen und wollten meine Seele tödten.

V.20. „Denn es gibt bei ihnen keinen Austausch.“ Sie werden gedemüthigt werden, will er sagen, da sie auch keinen Austausch für ihre Seele hatten. Denn da sie einmal das kostbare Blut Christi verleugnet hatten, den Austausch, der für das Leben der Welt angenommen worden war, so fehlt es ihnen an einem Lösepreis.

V. 21. „Er streckte seine Hand aus, indem er ausspendete.“ Er streckte seine Hand aus, die das Gute darbot, damit sie am Segen Theil nehmen sollten. Diese aber nahmen es nicht nur nicht an, sondern „entheiligten auch den Bund.“ nämlich den des Evangeliums.

V. 22. „Sie wurden zertheilt vom Zorne seines Angesichtes.“ Da sie gegen ihren Wohlthäter sich bösartig gezeigt haben, so hat er sie deßhalb auch nach allen Winden zerstreut. „Und es nahten ihre „Herzen.“ Wieder wendet er sich in seiner Rede zu Judas. Über sein Herz, will er sagen, brachte er es, Christum zu verrathen. Und da richtete er glatte und schmeichelhafte Worte an ihn, aber sie waren voll Bosheit. Was für Worte waren es aber anders, als: „Sei gegrüßt, Rabbi.“„ 5 die er als Verräther sprach?

V. 23. „Wirf Deine Sorge auf den Herrn, und er wird Dich erhalten.“ Ähnlich ist: „Seid nicht besorgt, was ihr essen oder trinken, oder womit ihr euch bekleiden werdet.“6 „Er wird in Ewigkeit den Gerechten nicht wanken lassen.“ Das heißt, er wird die Gerechten zu jeder Zeit jedem Angriff der Feinde entreissen.

V. 24. „Du aber, o Gott, wirst sie in den Brunnen des Verderbens hinabführen.“ Die nämlich, die sich erhoben und ihn dem Kreuze übergaben. [S. 544] Denn einen Brunnen des Verderbens nennt er die Unterwelt. „Die Männer des Blutes und Truges werden die Hälfte ihrer Tage nicht erreichen.“ Männer des Blutes nennt er die, welche den Urheber des Lebens getödtet haben, die ihre Lebenszeit nicht voll gemacht haben, da sie dem Schwerte der Römer ausgeliefert wurden.

1: Nach dem griechischen Texte: xxxxx
2: V.6.
3: V.7.
4: Matth. 21,38
5: Matth. 26, 49.
6: Matth. 6,31.

 

 

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Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger