Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 50.

L.

V. 1.2. Zum Ende, ein Psalmlied Davids, da der Prophet Nathan zu ihm gekommen war, nachdem er zur Bersabee gegangen. 1

Inhalt.

Er singt diesen Psalm, indem er das Bekenntniß zweier Vergehen in ihm ablegt, der Ermordung des Urias und des Ehebruches mit Bersabee. Er bringt auch die Prophezeiung der allgemein eintretenden Erlösung von den Sünden durch die heilige Taufe und die Lehre vom geistigen Dienste. Überall aber wird man finden, daß er um Verzeihung der zwei Verbrechen fleht. [S. 530]

V. 3. „Erbarme Dich meiner, o Gott, nach Deiner großen Barmherzigkeit.“ Wegen einer großen Sünde fleht er, die große Barmherzigkeit Gottes zu erlangen. „Und nach der Menge Deiner Erbarmungen tilge meine Missethat.“ Denn nur den Erbarmungen Gottes kommt es zu, die Hände von der Befleckung mit Blut abzuwaschen.

V. 4. „Mehr und mehr wasche mich von meiner Ungerechtigkeit.“ Von der des Mordes, meint er. „Und von meiner Sünde reinige mich.“ nämlich der des Ehebruches.

V. 5. „Denn ich erkenne meine Missethat,“ Auch das ist vom Morde gesagt. „Und meine Sünde ist vor mir allzeit.“ Überall erinnert er sich an die Sünde des Ehebruches, da sie ihn nicht verläßt und nicht von ihm weicht, sondern die Erinnerung ihn stets begleitet und ängstigt.

V. 6. „Dir allein Hab e ich gesündigt und das Böse gethan vor Deinem Angesichte.“ Das heißt: Da ich bei Vollbringung der Sünde den Augen Aller entging, blieb ich nur den Deinigen nicht verborgen. Deßhalb sagt er: „Und ich habe das Böse gethan vor Deinem Angesichte.“ Denn da ich Vieles von Dir genossen, habe ich es Dir mit dem Gegentheil vergolten. Und das sagt er nicht, als hätte er dem Urias kein Unrecht zugefügt, nicht doch, sondern vielmehr, weil die größte Sünde gegen eben den Gott vermessentlich begangen worden ist, der ihn auserwählt und aus einem Hirten zu einem König gemacht hat, oder weil er, da er den Augen Aller verborgen blieb, den Augen Gottes nicht entging, sondern vom Propheten zurecht gewiesen wurde, oder weil er als König nicht dem Gesetze der Menschen, als Gottesfürchtiger aber Gott allem unterworfen war, oder weil keiner der Menschen ihn getadelt, sondern Gott allein ihn zurecht gewiesen hat. „Dir allein.“ sagt er. „habe ich gesündigt, damit Du gerecht befunden werdest in Deinen Worten.“ Du hast mich, will er sagen, durch den Propheten zurechtgewiesen, daß ich Unrecht gethan habe. Und Du bist gerecht und hast mich immer von [S. 531] den Feinden errettet und mit königlicher Würde und Prophetengabe geehrt. Ich aber bin ein Unreiner und ein Mörder. „Und den Sieg erlangest, wenn man über Dich urtheilt.“ Eine Darlegung oder ein Bekenntnis der Sünden.

V. 7. „Denn siehe, in Ungerechtigkeiten bin ich empfangen, und in Sünden hat mich empfangen meine Mutter.“ Da es Anfangs in der Absicht Gottes lag, daß wir nicht durch Ehe und Verderbniß entstehen sollten, die Übertretung des Gebotes aber der Ehe Eingang verschaffte, weil Adam gesetzwidrig handelte, das heißt, das von Gott ihm gegebene Gesetz übertrat, so werden Alle, die von Adam abstammen, in Ungerechtigkeit empfangen, indem sie von der Verurtheilung ihres Stammvaters getroffen werden. Auch die Worte: „In Sünden hat mich empfangen meine Mutter“ bedeuten, daß Eva, unser aller Mutter, da sie dem Trieb der Lust folgte, zuerst die Sünde empfing. Deßhalb sagen auch wir, da wir dem Urtheilsspruch der Mutter verfallen, daß wir in Sünden empfangen werden. Er will zeigen, daß die Natur der Mengen im Anfang in Folge der Übertretung der Eva der Sünde verfallen und die Zeugung unter dem Fluche gesehen ist. Er geht aber in seiner Darstellung auf den Anfang zurück, indem er die Größe der Gabe Gottes zeigen will.

V.8.“Denn sieh, die Wahrheit hast Du geübt, die geheimen und verborgenen Dinge Deiner Weisheit mir geoffenbart.“ Folgendes ist der Sinn. Du, will er sagen, o Herr, der Du Wahrheit bist, Wahrheit liebst und willst, daß wir in der Wahrheit leben, uns von der alten Sünde reinigen und wirst uns mit Hyssop reinigen, daß wir weißer werden als Schnee. Mit Hyssop vergleicht er aber die Thätigkeit des heiligen Geistes, die wirksam ist und allen Schmutz von uns abfegt. Die Worte aber: „Die geheimen und verborgenen Dinge Weisheit hast Du mir geoffenbart“ enthalten die Mittheilung, daß Gott alle zukünftigen Dinge, die er in seiner Weisheit hinterlegt hat, ihm durch den heiligen Geist enthüllt hat. [S. 532]

V. 9. „Du wirst mich besprengen mit Hyssop, und ich werde gereinigt werden.“ Nachdem er gesagt hat: Du hast göttliche Gesetze und Anordnungen gegeben, sagt er etwas Wichtigeres: Du hast gewisse Reinigungen im Gesetze gewährt durch die Besprengung mit Hyssop. Zu diesem Zwecke gewähre also auch uns jetzt das Gleiche, da Du der nämliche Gott bist. Oder es scheint hier ein Geheimniß angedeutet zu werden. Da nämlich Moses in Ägypten befahl, das Blut des Schafes mit Hyssop an die Pfosten zu sprengen. 2 wurden auch wir mit einem kostbaren Blute erkauft. Da also dieses ein Schutzmittel wurde, daß die Hausbewohner von dem Verderber keinen Schaden erlitten, so sagt David mit Recht, indem er an jenes Blut insgeheim erinnert: Du wirst mich besprengen mit Hyssop u. s. w. und deutet die Reinigung an, die durch das Blut des wahren Lammes Christus Allen zu Theil werden wird, und sehnt sich gleichsam, diese zu erlangen, die allein vollkommen reinigen und weisser machen kann als Schnee.

V. 10. „Du wirst meinem Gehöre Freude und Wonne geben.“ Du wirst wieder bewirken, will er sagen, daß ich durch den Geist die Freude und Wonne vernehmen kann, die in den letzten Zeiten eintreten wird. Worin sollte aber diese anders bestehen als in jener Kenntniß von der Auferstehung, die er mit den Worten gelehrt hat: Die gedemüthigten Gebeine werden frohlocken? Wann aber werden unsere verfaulten Gebeine frohlocken, ausser zur Zeit der Auferstehung, in der, wie ein anderer Prophet sagt, unsere Gebeine wie Gras aufsprossen werden?^3„Es werden frohlocken die gedemüthigten Gebeine.“ Frohlocken wird die Kraft meiner Seele, die zuerst in Folge der Sünde ohnmächtig war.

V.11. „Wende ab Dein Angesicht von meinen Sünden.“ Er wendet sich wieder zum Bekenntnis [S. 533]

V. 18. „Ein reines Herz erschaffe in mir, o Gott.“ Erneuere meine veraltete in Folge der Sünde ermattete Seele. „Und den rechten Geist erneuere in meinem Innern.“ das heißt, den unerschütterlichen. Er will ungefähr sagen: Stärke den Geist, damit er nicht mehr mit Leichtigkeit in eine Sünde falle.

V. 13. „Und den heiligen Geist nimm nicht von mir.“ Er fleht, es möge der prophetische Geist wieder bei ihm einkehren. Denn er hatte ihn wegen der Sünde verlassen.

V. 14. „Gib mir wieder die Freude Deines Heils.“ Es bezieht sich auf das ganze Menschengeschlecht. Freude des Heiles nennt er die Ankunft des Herrn, wie Simeon gesagt bat: „Denn meine Augen haben Dein Heil gesehen.“ 4 Er fleht, er möge auch selbst daran Theil nehmen. „Und mit dem Herrschergeiste befestige mich.“ Den Geist, den er oben einen rechten nennt, nennt er hier einen Herrschergeist.

V. 15. „Ich werde die Ungerechten Deine Wege lehren.“ Wenn Du, will er sagen, mich von der Sünde rettest und mir wieder den heiligen Geist gibst, dann fürwahr werde ich die Übertreter wieder lehren, Deine Wege zu wandeln.

V. 16. „Befreie mich vom Blute, Gott. Gott meines Heiles.“ Wieder fleht er wegen der Ermordung des Urias, daß er von der daraus ihm anklebenden Makel befreit werden möge. Oder vielmehr „vom Blute.“ von den blutigen Opfern, wie die folgenden Worte des Psalmes beweisen, wo es heißt: „Denn wenn Du ein Opfer gewollt hättest, so würde ich es gegeben haben, u. s. w. „ 5 „Meine Zunge wird Deine Gerechtigkeit mit Freude preisen.“ Dieß hat Symmachus so übersetzt: „Meine Zunge wird Deine Barmherzigkeit verkünden.“ Denn ich werde [S. 534] nicht schweigen, wenn ich Nachlassung erlangt habe, sondern Dich beständig preisen und von Deinen Gnadengaben erzählen. Weil Du, will er sagen, die Opfer des Gesetzes von Dir gewiesen hast, denn sie können keine Nachlassung der Sünden gewähren, deßhalb habe ich Dir das dargebracht, das Du lieb hast. Das ist aber das der Reue und eines zerknirschten Herzens.

V. 20. „Thue, Herr. Gutes nach Deinem guten Willen an Sion.“ Unter Sion versteht er hier die Kirche. Als es nämlich Gott und dem Vater wohlgefiel, Alles in seinem Sohne wieder zu erneuern, damals hat er auch seiner Kirche seine guten Verheissungen gegeben. „Und es sollen gebaut werden die Mauern Jerusalems.“ Mauern Jerusalems nennt er die heiligen Kirchendiener, die seine Kirche schützen.

V. 21. „Dann wirst Du mit Wohlgefallen annehmen das Opfer der Gerechtigkeit.“ Wann Du, will er sagen, an Sion Gutes thust und die Mauern Jerusalems gebaut sind, dann, ja dann werden Opfer dargebracht werden, nicht die blutigen, sondern die der Gerechtigkeit, nämlich Lobopfer. „Gabe und Brandopfer.“ Er meint nämlich die Brandopfer der Gerechtigkeit und des unblutigen Opfers. „Dann wird man Kälber auf Deinen Altar legen.“ Auch diese als Kälber der Gerechtigkeit, so daß Alles zur Gerechtigkeit gehört, Opfer, Gaben der Gerechtigkeit, Brandopfer der Gerechtigkeit. Kälber der Gerechtigkeit. [S. 535]

1: II. Kön. 12,1
2: Exod. 12,22
3: Js. 66,14
4: Luk. 2,30
5: V.18.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
Bilder Vorlage

Navigation
. . Mehr
. . Ps 42.
. . Ps 43.
. . Ps 44.
. . Ps 45.
. . Ps 46.
. . Ps 47.
. . Ps 48.
. . Ps 49.
. . Ps 50.
. . Ps 52.
. . Ps 52.
. . Ps 53.
. . Ps 54.
. . Ps 55.
. . Ps 56.
. . Ps 57.
. . Ps 58.
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger