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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 49.

XLIX.

V. 1. Ein Psalm Asaphs.

Inhalt.

Es singt den Psalm Asaph, der die Person des Gesetzgebers einführt, die alten Opfer aufhebt und die des neuen Bundes, die mit Lob verbundenen Gaben, einführt.

V. 1. „Der Herr, der Gott der Götter, hat gesprochen und hat die Erde gerufen.“ Götter sind vor Gott die Heiligen: „Ich habe Dich dem Pharao zum Gott gegeben.“ 1 und: „Ich sprach, ihr seid Götter.“ 2 Sie werden aber von Gott zu keiner andern Zeit gerufen, als da er nach seiner Menschwerdung gesprochen und die ganze Erde zusammengerufen hat. Was hat er aber anders gesprochen, als: „Gehet hin und lehret alle Völker.“ 3 und: „Es muß dieses Evangelium auf der ganzen Erde gepredigt werden“ ? 4

V. 2. „Aus Sion der Schimmer seiner Schönheit.“ Denn vom himmlischen Sion wird er seine Weite Ankunft bewerkstelligen.

V. 3. „Gott wird offenbar kommen.“ nämlich nicht verborgen wie bei der ersten Ankunft, sondern, wie er selbst sagt, gleich einem Blitze, der vom Aufgang bis zum Untergang reicht. 5 „Unser Gott, und er wird nicht schwelgen.“ Nicht wird er, will er sagen, wie er zuerst gegenüber den Gottlosen schwieg, so auch dann sich verhalten. „Feuer wird brennen vor seinem Angesichte.“ Feuer, damit er die,) [S. 523] welche es „wegen ihrer Gottlosigkeit verdienen, übergebe. Ähnlich ist: „Vor ihm wälzte sich ein Feuerstrom.“ Gar sehr schaute das auch der selige Daniel, sagt nämlich: „Ein Feuerstrom wälzte sich vor ihm. Thron war eine Feuerflamme, seine Räder waren brennendes Feuer.“6 Es ist aber unter dem Feuer entweder das Licht gemeint, das von ihm kommt. — denn der Kenntniß Christi geht das geistige Licht durch den Glauben vorher, dessen Vorbild die Feuersäule ist, die vor Israel zur Nachtzeit herging. — oder daß, da wir zu jeder Sünde abgekühlt waren, der Heiland uns zum Streben nach allem Guten anfachte, indem er gleichsam als geistiges Feuer die Theilnahme am heiligen Geiste uns verlieh. Er sagte wenigstens: „Ich kam, Feuer auf die Erde zu senden.“7 Wir sind alle im Geiste lebendig geworden, die wir einer solchen Gnade gewürdigt worden sind. Deßhalb wird auch bei der Gnade des heiligen Geistes der Name des Feuers mit angeführt, Denn in Christus werden wir nach dem Ausspruch des Johannes im heiligen Geiste und Feuer getauft. 8 Es sprach auch einer der Propheten: „Er tritt heraus wie Feuer des Schmelzofens und das Kraut der Walker, und er wird sitzen schmelzend und sie reinigend wie Silber und Gold.“9 Denn es läutert uns von jedem Schmutze die Kraft des heiligen Geistes. Aber es brachte der Synagoge der Juden keinen Nutzen, weil sie die Gnade nicht annahmen. Von ihnen spricht Gott bei Jeremias: „Der Blasbalg ist ausgegangen am Feuer, ausgegangen ist das Blei, vergebens schlägt der Silberarbeiter das Silber. Ihre Bosheit verging nicht.“ 10

V. 4. „Er wird den Himmel rufen von oben.“ Einst waren die Bewohner der Erde ein Antheil der Füchse, wie es irgendwo in den Psalmen 11 heißt, dienten den unreinen Geistern und hielten an jedem Orte für Gott, [S. 525] was ihnen beliebte. Aber es erschien der Erlöser und erleuchtete uns mit dem Lichte der wahren Erkenntniß Gottes, führte, was verwirrt war, zurück, verband wie ein guter Hirt das erkrankte Glied, verscheuchte die wilden Thiere vom Schafstalle. Er heiligte durch den Geist, schützte durch die Mächte der Engel, setzte die heiligen Mystagogen auf der ganzen Erde ein. Er wird also, will er sagen, rufen die Engel im Himmel, und die er auf Erden zu Aposteln auserwählt hat, daß sie sein Volk aussondern. Denn die Apostel brachten die, welche ihnen gehorchten, Gott dar, die Ungläubigen aber übergaben sie dem Satan, indem sie ungefähr sagten: Gehet also zum Lichte eueres Feuers und zur Flamme, die ihr angezündet habt. Zu den ungläubigen Juden sagen sie also: „Euch mußte man zuerst das Wort Gottes verkündigen. Weil ihr es aber von euch stoßet und des ewigen Lebens euch selbst für unwürdig erachtet, sehet, so wenden wir uns zu den Heiden.“ 12 Daß aber den Mystagogen und ihren Jüngern die Engel beistehen, spricht Paulus mit den Worten aus: „Sind sie nicht alle dienstbare Geister, zum Dienste ausgesendet wegen derer, die das Heil zu erben bestimmt sind“13 Das zeigte auch die Leiter an, die Jakob sah, die von der Erde bis zum Himmel reichte, auf der der Herr ruhte, während darauf die Engel auf und ab liefen. So lauten auch die Worte: „Der Herr wird sich lagern rings um die, die ihn fürchten, und wird sie erretten.“ 14Indem sie also mitwirken, sondern auch sie das Volk aus.

“Er wird den Himmel von oben rufen.“ Die Gerechten, will er sagen, die eine himmlische Lebensweise führen, wird er in den himmlischen Wohnungen sammeln. „Und die Erde um sein Volk auszuscheiden.“ Er fordert auf, die Sünder und alle Erdbewohner zu sammeln, um die Gerechten von den Ungerechten zu sondern.

V. 5. „Versammelt ihm seine Heiligen.“ Es [S. 526] sind die Worte an die Engel gerichtet, wie der Herr gesagt hat: „Und er wird seine Engel senden, und sie werden die Gerechten von den vier Winden der Erde sammeln.“15 „Die den Bund mit ihm anordnen durch Opfer.“ Er meint die geistigen Opfer.

V. 6. „Und verkünden werden die Himmel seine Gerechtigkeit.“ Die Himmel, will er sagen, werden Gott verherrlichen, weil er nämlich die Menschen des himmlischen Aufenthaltes gewürdigt hat. Er will die Heiligen des früheren Volkes vor dem künftigen Gerichte von der Opferung geschlachteter unvernünftiger Thiere abwendig machen und sie bewegen, die Opferung in Weisheit und Erkenntniß vorzunehmen. Deßhalb preisen die himmlischen Mächte den Richter, weil er mit den Heiligen anfing, und die Himmel verkünden seine Gerechtigkeit und freuen sich zugleich über ihre Rettung. Der irdische Wohnsitz wird aber von der Schaar, die der himmlischen Berufung nicht gewürdigt worden ist, in Besitz genommen werden. „Denn Gott ist Richter.“ Hier nennt er Christus deutlich Gott. Denn das ganze Gericht hat der Vater dem Sohne übergeben. Und wenn der Vater dem Sohne das ganze Gericht gegeben hat und Gott Richter ist, so ist Christus Gott.

V.7. „Höre, mein Volk, und ich will zu Dir reden.“ Da er eine neue Gesetzgebung einführt, so schickt er, damit Niemand glaube, die Rede komme von einem Menschen oder irgend einer Macht der Engel, die Worte voraus: „Ich bin Gott. Dein Gott.“ 16 Der Sinn aber ist folgender: Glaube nicht, daß ich ein Anderer sei, weil ich beute ein anderes Gesetz gebe. Vielmehr bin ich ebenderselbe, der bei Moses die Vorschriften über die Opfer gegeben bat. Ich bezeuge Dir aber, daß keine Anklage gegen Dich erho- [S. 527] ben werden wird, wenn Du die Gesetze des Moses übertrittst. Denn ich bin es, der ich auch damals nützliche Anordnungen für meinen Knecht getroffen habe, und jetzt bezeuge ich das, daß Du die Vorschriften über die Opfer nicht zu beobachten brauchst. Denn wenn Du sie auch nicht darbringst, so sind sie gleichwohl dargebracht, denn „Deine Brandopfer sind ja stets vor meinem Angesichte.“ 17 auch wenn sie nicht dargebracht werden. Wenn Du aber dieselben durchaus als etwas Werthvolles und Unerläßliches darbringen willst, so erkläre ich offen, daß ich von Dir davon Nichts annehmen werde. Denn Alles habe ich in Überfluß, da ja die Thiere, die auf den Feldern weiden, Rinder und Hausthiere und die Vögel des Himmels und die Schönheit des Gefildes insgesammt mein Eigenthum sind, und ich an Nichts Mangel habe. Sollte ich auch einmal Bedürfnis nach Nahrung bekommen, so bin ich nicht so arm, um Dich darum anzuflehen, „denn mir gehört der Erdkreis.“18 Was für angenehme Opfer wirst Du mir aber darbringen? Lob, Preis, göttliche Wissenschaft. Wirst Du aber das zur Genüge darbringen, so wirst Du dann, weil Du dem göttlichen Gesetze genügt hast, als Belohnung erlangen, daß Dein Rufen erhört werden wird. Und um zu zeigen, zu welchem Volke er rede, fügte er bei: „Israel, und ich bezeuge es Dir.“ Dann spricht er seine eigene Herrschaft aus. „Ich bin Gott. Dein Gott.“ der Dich befreit hat aus der ägyptischen Knechtschaft, der Dir das Meer zum Wege gegeben, der Dich in der Wüste ernährt, der Dir jenes Gesetz verliehen hat. Denn Du sollst mich nicht etwa für einen andern Gesetzgeber halten, indem Du den Unterschied der Gesetze siehst.

V. 8. „Ich werde Dich nicht strafen wegen Deiner Opfer.“ Nicht Nachlässigkeit in Opfern, will er sagen, werfe ich Dir vor. Denn Du bringst diese bestän- [S. 528] dig dar. Vielmehr ermahne ich Dich, nicht auf diese die Gerechtigkeit zu beschränken.

V. 16. „Zum Sünder sprach Gott: Warum verkündigst Du meine Rechte?“ Sünder nennt er hier den Mahner an die göttlichen Schriften. Eine ähnliche Stelle ist: „Nicht schön ist das Lob im Munde des Sünders.“19 Denn wenn er alle Gebote übertritt und jede Schlechtigkeit ausübt und eine hinterlistige Zunge in Bewegung setzt, warum führt er noch die göttlichen Schriften im Munde?

V. 21. „Du glaubtest mit Unrecht, daß ich Dir ähnlich sein werde.“ Einst, will er sagen, war ich langmüthig. Jetzt aber werde ich das nicht thun; denn ich werde, um Dich zu überführen, Deine Sünden vorführen, von denen Du glaubtest, sie seien nicht mehr vorhanden, und es werde sich ihrer Niemand mehr erinnern. Ich aber werde als Gott sie ans Licht bringen, und sie werden Dir vor Augen gestellt werden. Nicht werde ich sie verbergen, wie Du, und Dir ähnlich werden. Ich werde sie vorführen, um Dich, indem ich sie offenbare, mit Schande zu überhäufen. „Ich werde Dich überführen und Dir Deine Sünden vor Augen stellen.“

V. 22. „Begreifet das wohl, die ihr Gott vergesset.“ Da er gütig ist, fügt er nach dem Tadel auch eine Ermahnung bei und gewährt der Reue Raum, Begreifet es, daß ich nicht aus Freude über euere Thaten langmüthig bin, sondern um euch Zeit zur Buße zu gewähren. Wenn nicht, so rafft uns der Ungerechte oder die Ungerechtigkeit weg, ohne daß uns Jemand rettet. Ich rette nämlich die, welche erkennen, wie weit sie im Bösen gekommen sind, und davon abstehen und sagen: „Wir haben gesündigt. Unrecht gethan, gottlos gehandelt.“ 20 Denn der kann nicht bekennen, der noch Böses thut. „Damit er nicht einmal wegraffe und Keiner sei, der rette.“ Damit nicht, will er sagen, der Tod die Seele wegnehme, thuet Buße. [S. 529] Denn es gibt keinen Retter für die, welche mit ihren Sünden in der Unterwelt sich befinden. Denn es wird die Seele weggerafft, da sie ganz von Gott abgefallen ist.

V. 23. „Ein Lobopfer wird mich ehren.“ Er wiederholt, was er schon gesagt hat, und fordert auf, den vernünftigen Dienst darzubringen. Nach der schweren Anklage hat er das Heilmittel der Sünde gezeigt, nämlich den Genuß der Geheimnisse. Denn es ist das ein wahres Lobopfer, durch das Gott geehrt wird, da wir dann mit den Engeln und den Geschöpfen lobsingend dastehen. „Und dort ist der Weg, auf dem ich ihm mein Heil zeigen werde.“ Im Lobopfer, will er sagen, ist der Weg des von Gott kommenden Heiles.

1: Exod. 7, 1.
2: Ps. 81, 6.
3: Matth. 28. 19.
4: Mark, 13, 10.
5: Matth. 24, 27.
6: Daniel 7. 10. 9.
7: Luk. 12. 49.
8: Matth. 3. 11.
9: Malach. 3, 2. 3.
10: Jerem. 6, 29.
11: Ps. 62. 11,
12: Apostelg. 13,46
13: Hebr. 1,14.
14: Ps. 33,8
15: Matth. 13, 41. Bei Matthäus heißt es übrigens: Sie werden alle Ärgernisse, und die Unrecht thun, sammeln.
16: Diese Worte bilden den Schluß von V. 7.
17: V. 8.
18: V. 12.
19: Ekkli. 15,9.
20: II. Paral. 6,47

 

 

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Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger