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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 47.

XLVII.

V. 1. Ein Psalmlied für die Söhne des Kore am zweiten Wochentage.

Inhalt.

Auch dieser Psalm wird gesungen im Namen der heiligen Apostel, welche die Verfolgungen wegen der Predigt und die bei denselben errungenen Siege erzählen.

V. 2. „Groß ist der Herr und sehr preiswürdig in der Stadt unseres Gottes auf seinem heiligen Berge.“ Nicht bloß mehr, sagt er, in Judäa, sondern auch auf dem geheiligten Berge. Unter Berg aber versteht er hier die Kirche, wegen der Erhabenheit der Lehren von Gott.

V. 3. „Schön gegründet ist er zur Freude der ganzen Erde.“ Er dehnte, will er sagen, die Freude auf die ganze Erde aus. Denn auf der ganzen Erde verbreitete er die Freude und Gnade der Ankunft seiner Gottheit. „Der Berg Sion an der Seite gegen Norden.“ Jerusalem liegt gegen Süden, die Völker sind im Norden. Da die Juden stolz waren, als ob sie allein den Sion bewohnten, so beweisen die Worte, daß unter Sion die Völker zu verstehen sind, die das Wort des Evangeliums angenommen haben. Denn die Lage Sions ist in der Richtung gegen Norden, welche Richtung des Nordens durch die Seiten ausgedrückt wird. Denn statt zu sagen: die Richtung des Nordens, hat er gesagt: die Seiten. Und zuerst war Paulus die Richtung des Nordens, wo alle Übel auf Erden entbrannten; jetzt aber ist er der Berg Sion geworden, weil er den redenden Christus in sich trägt, der von Sion gekom- [S. 514] men ist und die Gottlosigkeit von Jakob abgewendet hat „Die Stadt des großen Königs.“ Diese Richtung des Nordens oder die Völker nennt man wohl die Stadt, da man erkennt, daß Gott sie schütze1 und aus den Versuchungen rette.

V. 4. „Gott ist in ihren Häusern bekannt wenn er sie schützt.“ Die Häuser sind wohl die Großen und Vornehmen in der Stadt Gottes, die in ihr sich hervorthun.

V. 5. „Denn siehe, die Könige der Erde haben sich versammelt.“ Der Krieg, der wegen der Predigt gegen die Apostel von den sichtbaren Königen der Völker, sowie von den unsichtbaren Dämonen, die vordem die Herrschaft hatten, geführt wurde, wurde beigelegt und beendigt.

V. 6. „So sahen sie und erstaunten.“ Sie erschraken, will er sagen, und entsetzten sich, als sie die Hilfe sahen, die von Gott den Heiligen zu Theil wurde. Sie geriethen in Verwirrung und Bewegung.

V. 7. „Zittern erfaßte sie.“ Nämlich die übermäßige Kraft des Retters hat sie in Verwunderung und Staunen versetzt.

V. 8. „In heftigem Sturme wirst Du die Schiffe von Tharsis zertrümmern.“Mit Schiffen von Tharsis, da sie hohen Werth haben und schwer beladen sind, vergleicht er die Könige. Unter dem heftigen Sturme, mit dem er sie zertrümmerte, wirst Du gewisse Mächte verstehen, mit denen er die Feinde der Apostel besiegte.

V. 9. „Wie wir gehört haben, so haben wir es gesehen.“ Das Heil, das Du uns verheissen hast. o Herr, will er sagen, das haben wir in den Werken gesehen. „In der Stadt des Herrn der Mächte, in der Stadt un- [S. 515] seres Gottes.“ Er gibt an, wo sie die Verheissung erfüllt sahen. Wo anders, als in der Kirche, die die Stadt Gottes ist? „Gott hat sie gegründet für die Ewigkeit.“ Ähnlich lauten die Worte des Herrn: „Ich werde auf den Fels meine Kirche bauen.“ 2

V. 10. „Wir haben uns vorgestellt, o Gott, Deine Barmherzigkeit mitten in Deinem Tempel.“ Das heißt, wir haben gesehen. Wir erwarteten, will er sagen, daß der Name Gottes auf der ganzen Erde werde verherrlicht werden, indem wir aus Deiner Barmherzigkeit abnahmen, daß die Menschen ausser Israel3nicht werden verachtet werden. Ja wir hofften, da wir an der Stätte des Tempels uns niederließen, die Barmherzigkeit für die ganze Welt, wohl wissend, daß Dein Name allgemein ist und auf Alle sich erstrecke.

V.11. „Wie Dein Name, o Gott, so auch Dein Ruhm.“ Das sagt er, weil er Allen ohne Unterschied und ohne Ansehen der Person die Gnade verliehen hat nach dem Ausspruche: „In Christus Jesus gibt es keinen Knecht und keinen Freien.“4

V. 12. „Es freue sich der Berg Sion.“ Der Berg Sion, nämlich die Kirche. „Und es sollen jubeln die Töchter von Judäa.“ Unter Töchtern von Judäa versteht er die Seelen der heiligen Apostel. Denn sie stammen von den Juden. „Wegen Deiner Gerichte, o Herr!“ Du hast Gericht gehalten über die Völker und den von den Dämonen gegen sie erregten Krieg beigelegt.

V. 13. „Schließet Sion ein und umringet es.“ Diese Mahnung ergeht durch den heiligen Geist an die Apostel, sie sollten gleichsam zu einer Mauer Sions werden, das heißt der gottesfürchtigen Lebensweise. „Er- [S. 516] zählet auf ihren Thürmen.“ Und welches sind wohl die Thürme der Kirche, ausser ihre zeitweiligen Lenker und die Gerechten, denen die Apostel die großen Thaten Gottes verkünden?

V. 14. „Richtet euere Herzen auf ihre Stärke.“ Stärke der Kirche sind wieder die Worte, die ihr zur Stütze dienen, welche aus ganzem Herzen zu Gemüthe zu führen er den heiligen Aposteln empfiehlt. „Und vertheilt ihre Häuser.“ Ein Jeder, will er sagen, herrsche über einen Theil der Völker. Denn es theilten, will er sagen, die Zwölf den Erdkreis unter sich. „Damit ihr es erzählet dem kommenden Geschlechte.“ Denn die Apostel erzählen den nach ihnen kommenden Geschlechtern in ihren hinterlassenen Schriften von Christus.

V. 15.“Denn Dieser ist unser Gott in Ewigkeit.“ Er gibt die Ursache der Theilung an. Deßhalb lehret und theilet, damit auch die späteren Geschlechter vernehmen können, daß der, welcher so in gerechter Weise das Volk geweidet hat. — er meint den Herrn. — daß Dieser es ist, der es auch in Zukunft und in Ewigkeit weiden wird.

1: Mit Bezugnahme auf den folgenden Vers.
2: Matth. 16. 18.
3: Die keine Israeliten sind.
4: Gal. 3, 28.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger