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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 40.

XL.

V.I. Zum Ende, ein Psalm Davids.

Inhalt.

(Von einem Ungewissen Verfasser.)

Der vorliegende Psalm preist die selig, die an Christus glauben Ihnen gewährt er zur Belohnung ihres Glaubens seinen Beistand. Es wird auch die Person des Heilands selbst eingeführt, wie er gegen die Fürsten des jüdischen Volkes und vorzugsweise gegen seinen Verräther sich ausspricht.

V. 2. „Selig der Mann, der des Armen und Dürftigen gedenkt.“ Arm und dürftig nennt er Christus, wie es heißt: „Da er reich war, ist er unsertwegen arm geworden.“1 Er hat hier eine sittliche Lehre der Prophezeiung vorangestellt, indem er wollte, daß der Psalm von beiden Seiten nützlich sei. Und wen preist er selig? Den, der des Armen und Dürftigen gedenkt, das heißt den, welcher einsieht, daß Christus, da er reich war, deßwegen arm wurde, damit auch wir der Armen als der Brüder unseres Schöpfers und Richters uns erbarmen. Und was gewinnen wir aus der Liebe zur Armuth? „Am schlimmen Tage wird der Herr ihn retten.“ Er meint den Tag des Gerichtes, der den Sündern Schmerzen und Mühe bringt. Es wird der Herr, der ein Licht ist, die Freunde der Armen retten. Denn er ist ihnen Liebe schuldig, da er selbst von ihnen die Barmherzigkeit entlehnt hat; und durch Salomo sagt: „Wer sich des Armen erbarmt, leiht Gott„2 [S. 492] und durch seinen eigenen Mund: „Alles, was ihr einem aus diesen ganz Kleinen thut, das habt ihr mir gethan.“3 Am bösen Tage wird ihn der Herr befreien.“ Einen bösen Tag nennt er den Angriff der Versuchungen und die Verfolgungen der Feinde. Er deutet aber auch, glaube ich, auf den furchtbaren Tag des Gerichtes hin, der die Ungerechten züchtigt. Er verspricht, daß die lautere Erkenntniß jener Armuth ihn von den Leiden des furchtbaren Tages befreien werde.

V. 3. „Der Herr behüte ihn und belebe ihn und mache ihn selig auf der Erde und übergebe ihn nicht in die Hände seiner Feinde,“ nämlich der geistigen Feinde.

V. 4. „Sein ganzes Lager in seiner Krankheit hast Du gewendet.“ Er wird, will er sagen, wieder zum Bessern umschlagen und es wird eine Umwandlung zur Gesundheit eintreten. Denn die göttliche Schrift pflegt von einer Wendung statt von einer Umwandlung zu sprechen, wie z.B.: „Du hast meine Trauer mir zur Freude gewendet.“ 4

V. 5. „Ich sprach: Herr, erbarme Dich meiner, mache meine Seele gesund.“ Auch wegen seiner eigenen Sünde betet David, da er nämlich sich bewußt ist, einer von denen zu sein, die des Armen und Dürftigen gedenken. Wieder nennt er, der für die Menschen leidet, die Sünden der Menschen seine eigenen und fleht wegen derselben um Barmherzigkeit in seiner eigenen Person für uns, er, der die Verachtung, die ihm von den Unwissenden zu Theil wird, beseitigt und seine Herrlichkeit an den Tag bringt, an sich in seiner eigenen Macht, an uns aber in der Gnade Christi.

V. 6. „Meine Feinde redeten Böses gegen mich.“ Hier wird die Person Christi eingeführt, indem er [S. 493] erzählt, was ihm die Juden angethan haben, man muß annehmen, daß bis zu diesem Verse der Prophet von der ganzen katholischen Kirche gesprochen, so daß es mehr auf jeden rechtschaffenen Menschen paßt, als auf den Menschen des Herrn.5 Denn nicht spricht er, wie Einige meinen, von ihm allein. Denn nicht hätte er mit dem bestimmten Artikel gesagt: „Selig der Mann, der des Armen und Dürftigen gedenkt.“ 6 Denn wenn das ohne Artikel gesagt wird, bedeutet es irgend Einen aus der Gesammtheit. 7 Hierauf geht er von den übrigen Gliedern der Kirche zu jenem Herrn selbst, nämlich zu Christus über, der eben sagt: „Meine Feinde, u, s, w. Wann wird er sterben und sein Name vergehen?“ Denn er belästigt uns durch seinen bloßen Anblick.

V.7. „Und wenn er hereinkam, um zu sehen, so redet er vergeblich.“ Das sagt er von Judas. Seine Worte gehen aber darauf hinaus. Da er bei mir Zutritt hatte, weil er zur Zahl der Jünger gehörte, war er doppelzüngig und vielgeschäftig. Denn er redete vergeblich, das heißt, er war nicht wahrhaft. „Sein Herz sammelte sich Ungerechtigkeit.“ Er hatte beschlossen, will er sagen, mich meinen Neidern zu übergeben. „Er ging hinaus und sprach eben darüber.“ nämlich: „Was wollt ihr mir geben, und ich werde ihn euch ausliefern?“8

V. 8. „Wider mich flüsterten alle meine Feinde.“ Er meint den Spott und die Ränke der Juden gegen ihn und spricht von den verborgenen Ratschlägen und von der Übereinkunft der Hohepriester mit Judas, welche flüsterten, als sie wegen Jesu mit Judas ein Über- [S. 494] einkommen trafen. „Sie flüsterten.“ Denn aus Furcht vor der Menge wagten sie es nicht, hierüber offen übereinzukommen.

V. 9. „Ein gottloses Wort beschloßen sie wider mich.“ nämlich: „Nimm ihn hin, nimm ihn hin, kreuzige ihn.“9 Daß aber Dieses gottlos war, geht klar hervor aus dem Ausspruch: „Einen Unschuldigen und Gerechten wirst Du nicht tödten.“10 „Soll der, welcher schläft, nicht mehr auferstehen?“ Er verspottet die Rathschlüsse der Juden, welche meinen, sie könnten ihn wie Einen aus uns im Tode zertreten. Er aber sagt: Wie könnt ihr glauben, das Leben dem Tode überantworten zu können? Denn daß Leiden ist für mich ein Schlaf. Es muß, will er sagen, auf den Schlaf die Auferstehung folgen. Der Schlaf aber ist der Tod. Es muß auf den Tod auch die Auferstehung folgen.

V. 10. „Auch der Mann meines Frieden«, auf den ich gehofft habe, der mein Brod aß, erlaubte sich große Arglist gegen mich.“ Verhöhnung, Verfolgung, Hinterlist. Unter Mann des Friedens versteht er den Judas, weil es schien, er gehöre zur Zahl der Wohlwollenden und Freunde, da er ja unter die Zahl der Jünger aufgenommen worden war.

V.11. „Du aber, o Herr. erbarme Dich, meiner und richte mich auf, und ich werde ihnen vergelten.“ Er richtet in mehr menschlicher Weise wegen seiner Selbstentäusserung seine Worte an seinen Vater, obschon er selbst die Barmherzigkeit Gottes und des Vaters und die Auferstehung und das Leben ist.

V. 12. „Daran erkenne ich, daß Du mir gewogen bist.“ Er spricht wieder als Mensch, um sich selbst Gott und dem Vater darzubringen. „Weil mein Feind sich über mich nicht freuen wird.“ Wenn Christus das im Namen der Menschheit spricht, so mag man den für einen Feind halten, der uns den Tod bereitet hat; wenn aber im [S. 495] Namen Christi selbst, so meint er die Fürsten der Juden. Denn daß sie betrübt wurden, wurden, ist daraus offenbar, daß sie seine Auferstehung zum Gegenstand ihrer Verleumdung machten.

V. 13. „Mich aber hast Du wegen meiner Unschuld geschützt.“ Er, der der Schutz Aller ist, sagt, daß er Schutz gefunden habe. Nicht selbst bedurfte er diesen, insoweit er als Gott aufgefaßt wird, sondern da er Mensch geworden ist, spricht er seine Worte im Namen der Menschen.

V. 14. „Gebenedeit sei der Herr Gott Israels von Ewigkeit.“ Er besiegelt auch jetzt den vorliegenden Gesang mit Danksagung. Von der Gegenwart, will er sagen. bis zur Zukunft. Von der Gegenwart also beginnt unsere Lobpreisung Gottes und endet in der Zukunft. Denn zum Theile erkennen wir, und zum Theile prophezeien wir, 11 weßhalb wir auch zum Theile benedeien. „Wenn aber das Vollkommene kommt.“ sagt Paulus, „wird vernichtet werden, was teilweise ist.“12 Denn durch das Fortschreiten zum Größeren hört das Theilweise auf. Deßhalb fügte der Psalmist bei: „Es geschehe, es geschehe.“ und er verdoppelt seine Bitte. Denn er ist selig, hier die Lobpreisung Gottes im Glauben und in der Ausübung der übrigen Tugenden zu beginnen und sie so in der Zukunft zum Kranze zu winden, da es den Gottlosen und Ungläubigen nicht gestattet wird, dort Gott zu preisen, man muß aber wissen, daß Einige diese Prophezeiung der Psalmen in fünf Bücher theilen und das erste bis zu diesem Psalme rechnen, da es um Ende wie einen Kranz die Lobpreisung Gottes enthält. Daher theilen sie auch das Uebrige in dieser Weise noch in vier Theile. [S. 496]

1: Kor. 8. 9.
2: Sprüchw. 19. 17.
3: Matth. 25. 40.
4: Ps. 29. 12.
5: xxxxx
6: V. 2.
7: Man wird jedenfalls zugeben, daß der Artikel nicht nöthigt, an einen Einzigen zu denken. Weniger leuchtet ein, daß der Artikel geradezu hindere, an einen Einzigen zu denken.
8: Matth. 26, 15.
9: Joh. 19, 6
10: Exod. 23, 7.
11: l. Kor. 13, 9.
12: Ebd. V. 10.

 

 

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Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger