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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 39.

XXXIX.

V. 1. Zum Ende, ein Psalm Davids.

Inhalt.

Es wird der Gesang auf das junge Volk bezogen, das aus der Grube des Unglücks herausgezogen wurde. Inzwischen wird dann die Person Christi eingeführt, der Jene, welche Dank sagen, in der Art und Weise der Heilsordnung unterrichtet, hierauf wieder die Person der gläubigen Israeliten, welche flehen, von der Sünde des Ungehorsams befreit zu werden, zugleich aber auch die Leiden erzählen, die ihnen wegen des Unglaubens begegnet sind.

V. 2. Vertrauend habe ich auf den Herrn [S. 487] vertraut, und er achtet auf mich.“ Ähnlich ist: „In eurer Geduld besitzet euere Seelen.“' 1

V. 3. „Und er zog wich aus der Grube des Elends und dem Kothe des Schlammes.“ Aus der Tiefe der Sünden, die wie Schlamm Jene beflecken, die in ihnen befangen sind. Denn eine Grube des Elends ist Lasterhaftigkeit und Unwissenheit. „Und er stellte auf einen Felsen meine Füße und leitete meine Schritte.“ Es sagt der Apostel Paulus: „Der Fels war Christus.“2 Denn ich lernte den gottgefälligen Weg wandeln, das heißt, durch Die Werke und die rechte Lehre.

V. 4. „Und er legte in meinen Mund ein neues Lied, einen Lobgesang auf unsern Gott.“ Das evangelische Gesetz. Denn wenn wir ohne Leidenschaft sind, singen wir einen neuen Gesang, da unser Haus erneuert ist. „Viele werden es sehen und sich fürchten und auf den Herrn hoffen.“ Denn die Predigt ist durch die ganze Welt gedrungen.

V. 5. „Glückselig der Mann, der seine Hoffnung auf den Namen des Herrn setzt und nicht auf Eitelkeiten schaut und lügenhaften Wahnsinn.“ Den allein nennt er glückselig, der seine Hoffnung auf Gott gesetzt hat, nicht den, der in weltlichen Sorgen zerstreut ist, die Wahnsinn und Lüge sind.

V. 6. „Viel Wunderbares hast Du gethan, o Herr mein Gott!“ Was Du, will er sagen, in der Zeit der Heilsordnung gethan hast, ist viel und wunderbar, das habe ich auch den Übrigen verkündet. Die Predigt aber, setzt er hinzu, ist über das ganze Land unter dem Himmel gedrungen, so daß die Gläubigen jede Zahl übersteigen

V. 7. „Schlachtopfer und Opfergabe hast Du nicht gewollt, aber einen Körper hast Du [S. 488] mir bereitet“ …… Hier wird die Person Christi eingeführt, wie er zum Vater sagt: Da Du Schlachtopfer und Opfergabe nicht gewollt hast, noch die Brandopfer des Gesetzes Dein Wohlgefallen gefunden haben, so bin ich gekommen und habe einen Leib angenommen, den Du selbst mir bereitet hast. Denn der heilige Geist und die Kraft des Allerhöchsten überschattete die heilige Jungfrau. Ich bin aber gekommen, um Deinen Willen zu thun. Welches aber war der Wille des Vaters, ausser was der Herr selbst durch seine Worte erklärt hat: „Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, daß ich Nichts verliere von Allem, was er mir gegeben hat, sondern es auferwecke am jüngsten Tage“?3 Die Worte „im Anfang des Buches“4 sind auf folgende Weise zu erklären. Anfang nennen die Hebräer den Band. 5 Jsaias vernahm, als er im Geheimniß der Menschwerdung des Eingebogen unterrichtet wurde: „Nimm einen neuen Band und schreib hinein mit dem Griffel eines Menschen.“ 6 Es werden eben nicht auf Tafeln von Stein, sondern von Fleisch die Aussprüche des „neuen Gesetzes geschrieben werden, wie er durch den Propheten Jeremias sagt: „Ich werde meine Gesetze in ihr Inneres legen und sie in ihre Herzen schreiben.“ 7 Damit gibt er zu verstehen, daß die Kirche in die innersten geistigen Vorrathskammern des Herzens das neue Gesetz aufnimmt und den Geboten sehr zugethan ist.

V. 10. „Ich verkündete die Gerechtigkeit in der großen Versammlung.“ Eine große Versammlung ist die Seele, die in jedem Volke an den Heiland [S. 489] glaubt, die auch gerechtfertigt worden ist, da sie eben den besitzt, der den Gottlosen rechtfertigt.

V.11. „Deine Gerechtigkeit habe ich nicht verborgen in meinem Herzen.“ Er meint die von ihm verkündete Gerechtigkeit, die höher steht als Gesetz und Schatten. Die Worte: „Du weißt es“ bedeuten: Du hast es Dir zu Eigen gemacht. „Von Deiner Wahrheit und Deinem Heile habe ich gesprochen.“ Ich habe nicht geschwiegen und nicht Deine Wahrheit in mir zurückgehalten. Wahrheit aber nennt er die Predigt des Evangeliums. Ich habe aber auch Dein Heil nicht verborgen, das heißt den Weg des von Dir verliehenen Heiles oder die Gnade des Glaubens. Eine große Versammlung aber nennt er die Versammlung der Israeliten und Heiden. Denn, Christus enthüllt der vernünftigen Natur die Reden der Barmherzigkeit und Wahrheit und des Heiles. Und die Reden der Wahrheit wird er finden in der Betrachtung, die des Heiles aber in den Werken.

V. 12. „Du aber, o Herr, entferne Deine Erbarmungen nicht von mir!“ Da Christus das Geheimniß der Heilsordnung gelehrt hat, führt er die Person der Israeliten ein, die im Unglauben verharrten. Denn da sie an die Barmherzigkeit Gottes nicht geglaubt hatten und deßhalb nicht beachtet worden sind und jedes Leiden sich zugezogen haben, so kommen sie wieder zur Besinnung, bekehren sich und flehen um Barmherzigkeit. Es wird ihre Berufung angedeutet, wie in der letzten Zeit eintreten wird. „Deine Barmherzigkeit und Deine Wahrheit mögen mich immer schützen.“ Wir bekennen, will er sagen, daß Du es warst, der uns einst rettete und schützte. Und die Kirche Gottes, die das Heil erlangt hat, fleht wieder um die Fürsorge Gottes wegen der vielfältigen Anfälle der Menschen und Dämonen, deren er im Folgenden Erwähnung thut.

V. 13. „Denn es haben mich Übel umringt, die ohne Zahl sind.“ Er erzählt die Leiden, die ihnen, da sie an Christus nicht glaubten, zugestoßen sind. „Sie [S. 490] sind mehr geworden als die Haare meines Hauptes, und mein Herz hat mich verlassen.“ Es ist, wie wenn er sagte: Ich bin denen gleich geworden, die keinen Verstand oder kein Herz haben, denn es ist ein thörichtes Volk ohne Weisheit.

V. 15. „Es sollen zurückweichen und sich schämen, die mir Übles wollen.“ Entweder richten sie diesen Ausruf gegen die geistigen Feinde oder gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer, die dem Heile seiner Seele nachstrebten, indem sie einmal von Christus sagten: „Er treibt die Teufel nur durch Beelzebub aus.“ 8 ein anderes Mal: „Du hast den Teufel. Wer sucht Dich zu tödten?“' 9

V. 13. „Ich aber bin ein Bettler und arm. Der Herr wird für mich sorgen.“ Jenes ganz vermessene Israel hat seinen Sinn geändert und nennt sich arm und einen Bettler. Und es fügt hinzu, daß es auf den Herrn selbst seine Hoffnung gründe.

„Du bist mein Helfer und Beschützer, mein Gott, säume nicht.“ Daniel Barbarus. Diesen Ausgang, will er sagen, wird es mit der Kirche nehmen, die im Anfang arm war und große Noth in der Welt litt, durch Deine Macht zu Reichthum gelangte und verherrlicht wurde durch Deine Hilfe, um die er fleht, daß sie nicht säume, und die in Folge der Bitte nicht säumen wird, wie jener Ausspruch lautet: „Er wird kommen und nicht säumen.“ 10 [S. 491]

1: Luk. 21, 19.
2: I. Kor. 10, 4.
3: Joh. 6. 39.
4: V. 8.
5: Was die I.XX durch xxxxxx gibt, heißt im Hebräischen xxxxx welches Substantiv von xxxx volvere abgeleitet wird und also volumen bedeutet.
6: Js. 8, 1.
7: Jerem. 31, 33.
8: Matth. 12. 24.
9: Joh. 7. 20.
10: Habak. 2. 3.

 

 

Informationen
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Inhaltsverzeichnis
Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger