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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 38.

XXXVIII.

V.1. Zum Ende, für Idithum, ein Gesang Davids.

Inhalt.

Idithum, ein heiliger Sänger, mit der Gnade der Weissagung geschmückt, stimmt einen Gesang an, indem er die Person David selbst annimmt, der seine Sünde bekennt.

V. 2. „Ich sprach: Ich werde meine Wege bewahren.“ Ein deutlicher Beweis eines festen Herzens. „Ich habe eine Wache an meinen Mund gestellt, da der Sünder mir gegenüber stand.“ Denn die geistigen Feinde standen an seiner Seite und warfen ihm seine Sünde vor.

V. 3. „ich verstummte und demüthigte mich und schwieg vom Guten.“ Da ich geschmäht wurde, will er sagen, schmähte ich nicht wieder, indem ich sah, daß ich des Guten verlustig geworden bin. „Und mein Schmerz wurde erneuert.“ Statt den Schmähern zu antworten, rief ich mir die Sünde ins Gedächtniß. Die Erinnerung an die Sünde aber war wie Feuer in meinem Herzen. [S. 484]

V. 4. „Und bei meinem Nachdenken wird Feuer sich entzünden.“ Indem ich mich an die Sünde erinnerte, will er sagen, wurde ich von Feuer ergriffen.

V. 5. „Ich redete mit meiner Zunge: Mache mir, o Herr, mein Ende zu wissen.“ „Mit meiner Zunge“ ist ungefähr so viel als „ruhig und flüsternd und ohne die Worte Vielen mitzutheilen.“ Die Worte aber waren eine Frage wegen der übrigen Tage. Er fragte aber, weil er erfahren wollte, ob die übrige Zeit seiner Tage zur Sinnesänderung ihm genügen würde.

V.6. „Sieh, Du hast meine Tage eine Hand breit gemacht, und mein Bestehen ist wie Nichts vor Dir.“ Wenn auch, will er sagen, mein Leben länger dauert, so wird es vor Dir wie Nichts geachtet werden. Denn wenn tausend Jahre vor Deinen Augen wie ein einziger Tag sind, was ist wohl die Lebenszeit eines einzigen Menschen? Das hat Symmachus wieder in folgender Weise übersetzt: „Sieh, wie Handbreiten hast Du mir meine Tage gegeben, und mein Leben ist wie Nichts vor Dir.“ 1 Denn Du bist ohne Anfang und Ende. Unser Leben aber wird gleichsam nach Spannen und Handbreiten gemessen. Dadurch zeigte er die kurze Dauer des menschlichen Lebens.

V. 6. 7. „Doch Alles ist Eitelkeit, jeder Mensch, der lebt. Wahrlich als ein Bild geht der Mensch vorüber und geräth vergeblich in Unruhe.“ Wenn ein Mensch, wie er sagt, in einem Bilde und nicht in Wahrheit vorübergeht, so hat er mit Recht die Eitelkeit vorausgeschickt, da wir nicht ein Leben in Wahrheit, sondern gleichsam im Bilde führen und nicht nach den wahren Gütern streben, weßhalb wir auch vergeblich in Unruhe gerathen. Das Leben der Bewohner der Erde, will er sagen, ist wohl, daß es sich in weltlichen Sor- [S. 485] gen bewegt, für Eitelkeit zu halten. Oder in folgender Weise Alle Jahre unseres Lebens sind ein Dunst vor Dir. Denn statt Eitelkeit hat Symmachus Dunst gesetzt. „Er häuft Schätze auf und weiß nicht, für wen er sie sammeln wird.“ Da wir jetzt nicht das wahre Leben leben, sondern das Leben wie im Bilde, und da wir nicht um die wahren Güter bestrebt sind, so gerathen wir deßhalb vergeblich in Unruhe, indem wir in den weltlichen Begierden uns bewegen und Schätze sammeln, deren Erben wir nicht kennen.

V.8. „Und was ist nun meine Hoffnung? Nicht der Herr?“ Mit Recht sagt er, daß er auf den Herrn hoffe, da er auf die Zerstreuungen der Welt kein Vertrauen setzt. „Denn mein Bestehen ist bei Dir.“ Die Erwartung oder Hoffnung.

V. 9. „Du hast mich als Schmach übergeben dem Thoren.“ Übergib mich nicht, will er sagen, zur Schmach, weil Du es bist, der in mir geschmäht wird.

V. 10. „Ich verstummte und öffnete meinen Mund nicht, weil Du es gethan hast.“ Da ich geschmäht wurde, will er sagen, schwieg ich, indem ich wohl wußte, daß Du es bist, der zur Strafe oder Züchtigung angeordnet hat, daß ich eben diese Schmach ertrage.

V. 11. „Nimm von mir weg Deine Schläge.“ Er schreibt die von den Dämonen ihm zugefügten Qualen Gott zu, da er wegen der Sünde sie ihn erleiden ließ.

V. 12. „Von der Stärke Deiner Hand bin kraftlos geworden.“ Schon oft haben wir erwähnt, daß die strafende Kraft Hand Gottes genannt werde. Wenn er die Menschen heftig schlägt, wird der Gezüchtigte kraftlos, insoweit er so beschaffen ist, nämlich ohnmächtig und ohne hinlängliche Kraft, um Schläge auszuhalten.

“Unter Zurechtweisungen straftest Du wegen der Ungerechtigkeit den Menschen.“ Indem Du, will er sagen, wegen der Ungerechtigkeit mich zurechtwiesest, straftest Du mich.

V. 13. „Vernimm mein Flehen.“ Er will sagen: [S. 486] Erhöre mich und verzeihe mir meine Sünde vor meinem Ende.

V. 14. „Laß ab, daß ich mich erquicke.“ Vor meinem Ende, will er sagen, gewähre mir Sündenvergebung, damit ich ohne Furcht in die Unterwelt wandle. „Und ich nicht mehr sein werde.“ nämlich nicht mehr so sein werde, wie ich in Folge des von Dir mir gewordenen Ablassens werden würde. Ein Ablassen Gottes aber ist eine Leidenslosigkeit der Seele mit der wahren Erkenntniß der seienden Dinge.

1: ) Symmachus übersetzt wortgetreuer aus dem Hebräischen

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger