Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 37.

XXXVII.

Ein Psalm Davids, zur Erinnerung, vom Sabbat.

Inhalt.

Diesen Psalm singt er unter Erinnerung an die unaufhörliche Trübsal, die er wegen der Sünde zu leiden hatte. Er fleht seinerseits zu Gott, ihm Ruhetage zu verleihen oder ein Ende der Unglücksfälle.

V. 2. „Herr, strafe mich nicht in Deinem Zorn und züchtige mich nicht in Deinem Grimme.“ Es züchtigt uns der Herr, um uns die Tugend ins Gedächtniß zu rufen. Der Heilige aber fleht nicht um Abwendung der Strafe oder Züchtigung, sondern der im Grimm und Zorn.,

V. 3. „Denn Deine Pfeile sind in mich eingedrungen.“ Pfeile nennt er die strafenden Mächte. „und Du drücktest Deine Hand auf mich.“ Deine Hand, will er sagen, erfaßt mich und züchtigte mich wegen der Sünde. [S. 480]

V. 4. „Es gibt keine Heilung in meinem Fleische vor dem Angesichte Deines Zornes“ Ich litt Mißhandlung an meinem Fleische, da ich vom Grimme erfasst wurde. „Es ist kein Friede in meinen Gebeinen im Angesichte meiner Sünden.“ Erschöpft, will er sagen, ist die Kraft meiner Seele. Die Ursache der Erschöpfung aber ist die Sünde.

V. 5. „Denn meine Missethaten sind über mein Haupt gewachsen.“ Es hat, will er sagen, mich die schwere Last der Sünde gebeugt, und es belästigt mich der üble Geruch jener faulenden Wunden, die ich erhielt, weil ich der Klugheit entsagte und dem Unverstände diente. Deßhalb bin ich jeder Freude beraubt und empfinde ununterbrochen Schmerz und Trauer und finde kein Mittel, des Trübsinns mich zu entledigen. „Wie eine schwere Last beschweren sie mich.“ Beschwerde nennt er das Gewissen, das heftig ihn zur Verzweiflung drängt.

V. 6. „Meine Wunden verbreiteten üblen Geruch und sind in Fäulniß gerathen im Angesichte meiner Thorheit.“ Denn jede Suade ist verabscheuungswürdig und übel riechend. Denn würde die Seele nicht in Thorheit gerathen, so würde sie der Sünde keinen Raum gestatten. Daraus erkennen wir die Natur der Sünde, wie sie beschaffen ist. Nur in Folge von Thorheit gerathen wir in Sünden.

V. 7. „Den ganzen Tag ging ich trauernd einher.“ Das soll man zu denen sagen, die übermäßig lachen und sich ergötzen.

V. 9. „Ich bin gepeinigt und gar sehr nieder geschlagen.“ Aus jener Begierde, will er sagen, habe ich die Frucht gewonnen, daß ich zur Erde niederschaue und beständig seufze wegen der bitteren Schmerzen des Herzens. Deßhalb gab ich der Begierde eine andere Richtung , und machte sie zur Dienerin des göttlichen Willens. Denn er fügte Folgendes bei: „Ich stöhnte im Seufzen [S. 481] meines Herzens.“ Indem ich mein Gewissen strafte, ließ ich mein Herz Seufzer ausstoßen.

V. 10. „Und mein Seufzen ist vor Dir nicht verborgen.“ Die Begierde nach Neue, will er sagen, schwebe Dir vor Augen. In dem Verlangen, das ich habe, wünsche ich gerettet zu werden. Und worin besteht das Verlangen Christi? Für uns das Pascha zu feiern.1

V. 11. „Mein Herz ist verwirrt, meine Kraft hat mich verlassen.“ Herz nennt er die Denkkraft. „Und das Licht meiner Augen ist nicht mit mir.“ Das Licht der Augen ist der Geist, der in den Augen des Herzens hervorleuchtet.

V. 12. „Meine Freunde und meine Nächsten haben wider mich sich genaht und aufgestellt.“ Da ich getroffen war, will er sagen, traten sie feindselig gegen mich auf. Das aber sagt er in Bezug auf Absalon und Achitophel. „Und meine Vertrautesten blieben in der Ferne stehen.“ Denn die Engel, die ihm beistanden, verließen ihn wegen der Sünde. Vielleicht ziehen sich auch die heiligen Mächte zur Zeit der Versuchung zurück, sei es zur Prüfung, sei es zur Strafe des Versuchten.

V. 18. „Und sie gebrauchten Gewalt, die meiner Seele nachstrebten.“ Natürlich drangen, da die Engel ihn verließen, die Dämonen heftiger auf ihn ein. „Und die mir Böses wollten, haben Eitles geredet.“ Sie redeten mit einander, will er sagen, und bereiteten mir Nachstellungen.

V. 14. „Ich aber hörte nicht, wie ein Tauber“ ….. Während sie, will er sagen, das redeten, schien ich weder zu hören noch zu reden, da mir durch die Sünde das Zutrauen geraubt war.

V.16. „Denn auf Dich, o Herr, habe ich gehofft … V. 17. Denn ich habe gesagt: Daß [S. 482] meine Feinde sich ja nicht freuen über mich.“ Da so viel Unheil, will er sagen, mir zugestoßen ist, so finde ich die einzige Hoffnung auf Rettung in der Hilfe die mir von Dir zu Theil werden wird.

„Und während meine Füße wankten, sprachen sie Großes über mich.“ Meine Sünde, will er sagen, die meine Füße ins Wanken gebracht hat, hat sie veranlaßt, gegen mich hochmüthig aufzutreten.

V. 18. „Denn für Geißeln bin ich bereit, und mein Schmerz ist beständig vor meinem Angesichte.“ Gerne, will er sagen, nehme er die Züchtigung hin, die zu seiner Bekehrung führe.

V. 19. Denn ich werde meine Ungerechtigkeit verkünden und werde besorgt sein wegen meiner Sünde.“ Deßhalb bin ich auch mein eigener Ankläger und werde alle Sorge auf meine Gesundheit verwenden.

V. 20. „Aber meine Feinde leben und sind mächtig geworden über mich.“ Obschon ich, will er sagen, nicht ohne Empfindung für die Sünde bin, sondern beständig ihretwegen besorgt bin, so sehe ich doch, daß meine Feinde mächtig werden. Diese Feinde aber, die keine Kränkung von mir erlitten hatten, warfen mir die Sünde vor, gebrauchten sie zum Vorwand des Krieges gegen mich und verfolgten mich, indem sie vorgaben, gerecht zu handeln. Deßhalb bin ich bei ihnen geworden wie ein abstoßender Leichnam. Deßhalb bitte ich Dich auch, der Du der Herr bist, mich nicht zu verlassen, sondern vielmehr uns zu Hilfe zu eilen.

V. 21. „Verlasse mich nicht, Herr mein Gott …..“ Daniel Barbarus. So können die Manschen, welche die natürliche Noth antreibt. Gott zu versöhnen, für sich selbst beten. Christus aber, der den Vater bei sich hat, bittet um das Heil der Menschen wie um sein eigenes, er, der auch seinerseits diese Bitte gemäß der mit der Gottheit verbundenen Menschheit als seine eigene sich aneignet. [S. 483] Das war aber das, was mit dem Fleische vereinigt und den Leidenschaften unterworfen war, da er ausserdem die Gottheit in sich trug, die seiner Bitte Gewährung verschaffte.

1: Luk. 22, 15.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
Bilder Vorlage

Navigation
. . Mehr
. . Ps 29.
. . Ps 30.
. . Ps 31.
. . Ps 32.
. . Ps 33.
. . Ps 34.
. . Ps 35.
. . Ps 36.
. . Ps 37.
. . Ps 38.
. . Ps 39.
. . Ps 40.
. . Ps 41.
. . Ps 42.
. . Ps 43.
. . Ps 44.
. . Ps 45.
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger