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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 32.

XXXII.

Ein Psalm Davids, ohne Überschrift bei den Hebräern.

Inhalt.

In diesem unterrichtet er die, welche bereits an Christus [S. 460] glauben, ihren Herrn zu loben, und belehrt sie zugleich über dessen ausserordentliche Macht, weil er Erlöser aller Dinge, weil er Herr ist, der die Bösen vernichtet und ihre Ratschläge zu Schanden macht und die rettet, die auf ihn hoffen.

V. 1. 2. „Frohlocket, Gerechte, im Herrn“„ Lobsinget ihm auf zehnsaitigem Psalterium!“ Zehnsaitiges Psalterium nennt er den Leib, da er fünf Sinne hat und fünf Thätigkeiten der Seele, indem durch jeden einzelnen Sinn jede einzelne Thätigkeit geübt wird.1

V. 3. „Singet ihm einen neuen Gesang.“ Deutlich sagt er, daß das Gesetz des Moses sein Ende er reicht habe.

V.4. „Denn gerade ist das Wort des Herrn.“ nämlich das des Evangeliums. „Und alle seine Werke sind Treue.“ Man muß, will er sagen, an das glauben, was er in einer seiner Gottheit geziemenden Weise vollbracht hat.

V. 5. „Der Herr liebt Barmherzigkeit und Gericht.“ Das, will er sagen, fordert er von denen, die an ihn glauben. „Mit der Barmherzigkeit des Herrn ist die Erde erfüllt.“ Er beginnt zu zeigen, daß er die ganze Schöpfung gemacht habe und vor Allem die Erde, von der er auch behauptet, daß er sie mit Barmherzigkeit erfüllt habe, und daß sie sonst keinen Bestand hätte, wenn sie davon nicht voll wäre. Und gewiß hätten sich auch die Himmel niemals gebildet, wären sie nicht durch sein Wort befestigt worden mit ihren Kräften, das heißt, den göttlichen und vernünftigen.

V. 6. „Durch das Wort des Herrn wurden die Himmel befestigt.“ Auch hier wird die heilige Dreiheit zu erkennen gegeben.2 „Und durch den Hauch sei- [S. 461] nes Mundes ihre ganze Kraft.“ Mund Gott nennt er den heiligen Geist. Denn die Propheten sagten, wenn si durch ihn redeten, daß der Mund des Herrn es sprach.3

V. 7. „Er sammelt die Gewässer des Meeres wie in einem Schlauche.“ Indem er, will er sagen, das Wasser des Meeres wie in einem Schlauche sammelt, fesselt er es in den Wolken, wie er auch anderswo sagt: „Der das Waser des Meeres hervorruft und es ausgießt über das Angesicht der ganzen Erde4 Und wieder: Der die Wolken herbeiführt von der äussersten Grenze der Erde.“5 „Der in Schatzkammern die Wassertiefen legt.“ Und die Wassertiefen, will er sagen, besiegelt er gleichsam in Schatzkammern, damit sie nicht hervorsprudeln und das trockene Land überschwemmen.

V. 8.“Es fürchte den Herrn die ganze Erde.“ Nicht mehr, will er sagen, erweise die Erde den Dämonen Verehrung. „Vor ihm sollen Alle zittern, die den Erdkreis bewohnen.“ Er will sagen: Die Menschen, die den Erdkreis bewohnen, sollen, wenn sie ihn hören, in ihrem ersten Zustande, nämlich in dem sie Götzendiener waren, zittern und ihrem Schöpfer gehorchen.

V. 9. „Denn er sprach, und es ist geworden; er befahl und es wurde geschaffen.“ Das Werden bezeichnet das wesenhafte Werden der vernünftigen Wesen; das Schaffen aber deutet auf deren Umwandlung vom Schlechteren zum Bessern: „Sofern nämlich in Christus eine neue Schöpfung ist.„ 6

V. 10. „Der Herr vereitelt die Rathschläge der Heiden.“ nämlich der Heiden im geistigen Sinne. Er verwirft die Gedanken der Völker und verwirft die Rathschläge der Fürsten.“ Er machte nämlich alle Nachstellungen der Juden zu nichte, indem er am dritten Tag auf- [S. 462] erstand. Denn das war es, was die Worte sagen wollen: „Es bleibt in Ewigkeit (der Rath des Herrn).“7

V. 11. „Die Gedanken seines Herzens von Geschlecht zu Geschlecht.“ Er meint die Beschlüsse, die gefaßt worden sind, sei es für die Gegenwart, sei es für die Zukunft. Gedanken Gottes die entsprechenden Anordnungen, das Herz die Verborgenheit seines Wesens.

V. 12. „Glückselig das Volk, dessen Gott der Herr ist.“ Glückselig nennt er hier die, welche an Christus glauben.

V. 15. „Der ihre Herzen einzeln bildete.“ Gott allein, will er sagen, kennt die Herzen der Menschen. 8 Deßhalb sagte der Heiland zu den Juden: „Warum denk ihr Böses in euren Herzen?“' 9

V. 18. „Sieh, die Augen des Herrn über die, so ihn fürchten.“ Augen des Herrn sind seine Kraft. Alles zu sehen, oder oft der Sohn und der Geist, so daß in Mitte von zwei Lichtern der Vater der Lichter.

V. 19. „Und sie nähre im Hunger.“ Zur Zeit der Verfolgung, will er sagen, wenn keine geistige Nahrung vorhanden ist, wird sie der Herr selbst im heiligen Geiste nähren.

V. 20. „Unsere Seele harrt auf den Herrn.“ Sie berufen sich auf ihr Vertrauen auf den Herrn, da sie es bereits bewiesen haben. [S. 463]

1: Vgl. zu Ps. 91,4;143,9.
2: Nämlich durch Wort, Herr und Hauch seines Mundes
3: Js. 1,20.
4: Amos 5,8.
5: Ps. 134,7.
6: II. Kor. 5,17
7: Der Anfang von V. 11.
8: Der zweite Theil des Verses lautet: „Der alle ihre Werke sieht,“
9: Matth. 9, 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger