Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 18.

XVIII.

V. 1. Zum Ende, ein Psalm Davids.

Inhalt.

Der gegenwärtige Psalm enthält eine einführende Lehre im Namen der Apostel an die Heiden. Deßhalb sagen sie auch, daß [S. 421] der Himmel und die Sonne und die übrigen Elemente, die von diesen für große Götter gehalten wurden, ihren Schöpfer preisen.

V. 2. „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes.“ Ähnlich ist die Stelle: „Denn sein unsichtbares Wesen wird seit Erschaffung der Welt an seinen Werken erkannt und geschaut, und seine ewige Macht und Gottheit.“' 1

V. 3. „Ein Tag meldet dem andern ein Wort, und eine Nacht . . .“ Der Tag, sagt er, und die Nacht treten sich in guter Ordnung und Harmonie gegenseitig ihren Lauf ab und verkünden durch die Thatsachen selbst ihren Schöpfer.

V. 4. „Es ist keine Sprache, und es ist kein Wort.“ Man muß ein Fragezeichen lesen. Er kommt mit einer Einwendung entgegen. Die Einwendung ist: Sie reden doch nicht. 2 Deßhalb sagt er: Gibt es nicht einige Dinge, die, ohne einen Laut von sich zu geben, den Künstler verkünden? Gewiß wird ja auch aus einem schön gebauten Schiffe die Kunst des Schiffbaumeisters offenbar. Und ebenso verhält es sich bei den übrigen Dingen. Es verkünden also die genannten geschaffenen Dinge in gleicher Weise den Baumeister durch ihre Größe, Schönheit und Harmonie, so daß ihre Predigt in die ganze Welt ausgeht.

V. 6. „In der Sonne hat er sein Zelt gebaut.“ In der Sonne, sagt er, hat er sein Zelt gebaut oder sein Haus. Wo hat er es aber anders gebaut als im genannten Himmel und Firmamente? Dieses Haus nannte er aber auch Kammer. Wie aber Tag und Nacht durch ihre wohlgeordnete Übereinstimmung den Baumeister verkünden, so gibt auch die Sonne, indem sie ihren Lauf mit einer ge- [S. 422] wissen Harmonie vollbringt, die Macht Desjenigen zu erkennen, der es ihr befiehlt.

V. 8. „Das Gesetz des Herrn ist unbefleckt und bringt die Seelen zur Umkehr.“ Das Gesetz des Evangeliums nämlich. Da die Heiden aus den genannten Elementen sich bereits hatten belehren lassen, daß ein einziger Baumeister sei, werden sie nunmehr auch im Gesetze des Evangeliums unterrichtet, so daß die Herzen aller Völker sich der Wahrheit zuwenden. „Das Zeugniß des Herrn ist treu und macht weise die Kleinen,“ das der Eingeborne sich selbst gegeben hat: „Ich bin als das Licht in die Welt gekommen.“ und: „Ich bin vom Vater ausgegangen und bin gekommen.“ und: „Ich bin das Leben.“ 3

Daniel Barbarus. Dieses Zeugniß unterrichtet die unvollkommenen und unwissenden Kleinen und macht sie weise.

V. 9. „Die Rechte des Herrn sind gerade und erfreuen die Herzen.“ so viel als: die Rechtfertigung, die bei dem Gerichte über uns stattfand. Denn da er über uns zu Gericht saß, verstieß er den Fürsten der Welt und verlieh uns Freude im Herzen. „Das Gebot des Herrn ist hell und erleuchtet die Augen,“ nämlich die Augen des Geistes, indem es weither seinen Glanz sendet.

Daniel Barbarus. Nämlich des Geistes, indem es lehrt, wie man dem Gotte aller Dinge dienen müsse.

V. 10. „Die Furcht des Herrn ist rein und dauert in Ewigkeit.“ So ist gesagt zur Unterscheidung von der Furcht des Gesetzes. Denn dieses verhängt Strafe. Unsere Reinheit aber ist die Enthaltung von Sünden. Deßhalb ist auch die Furcht rein genannt, weil sie rein macht. Denn wegen der Furcht des Herrn, heißt es, bleibt man vom Bösen fern. Da aber die Furcht ewig ist, macht sie auch die ewig, in denen sie sich befindet. [S. 423] V. 12. »In ihrer Beobachtung ist große Vergeltung.“ Denn Lohn der Beobachtung wird, was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört hat, und was in keines Menschen Herz gedrungen ist.

Daniel Barbarus fügt bei: Es ist also ihre Beobachtung nicht ohne Gewinn, denn sie trägt großen und herrlichen Lohn ein. Bis hierher hat er aber von der Gottesfurcht gehandelt. Von da an befaßt er sich mit dem, was auf die Ausübung der Gerechtigkeit gegen die Menschen und die Rechtssprechung Bezug hat, und handelt von den menschlichen Vergebungen. Die Sünden theilt er in solche, die mit Überlegung, und in solche, die unfreiwillig geschehen. Von den letzteren geschehen einige aus Schwachheit, andere aus Zwang, wieder andere aus Irrthum.

1: Röm. 1, 20.
2: Nämlich der Tag und die Nacht.
3: Joh. 12,46;16,28;14,6

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
Bilder Vorlage

Navigation
. . Mehr
. . Ps 10.
. . Ps 11.
. . Ps 12.
. . Ps 13.
. . Ps 14.
. . Ps 15.
. . Ps 16.
. . Ps 17.
. . Ps 18.
. . Ps 19.
. . Ps 20.
. . Ps 21.
. . Ps 22.
. . Ps 23.
. . Ps 24.
. . Ps 25.
. . Ps 26.
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger