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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 15.

XV.

V. l. Säuleninschrift Davids.

Inhalt.

Die vorliegende Prophetie enthält die Berufung der Heiden und die Vorwürfe des Ungehorsams gegen Israel, auch das Geheimniß der Auferstehung Jesu Christi selbst, des Heilandes unser Aller. Deßhalb glaube ich auch sei der Gesang Säuleninschrift genannt worden, indem ihn der Prophet David gleichsam an einer Säule für die Nachwelt anbrachte. Es werden aber die Worte in ihm wie im Namen Christi gesungen. Denn diese Auffassung hat uns Petrus gelehrt. 1

V. 1. „Bewahre mich, o Herr, denn auf dich habe ich gehofft.“ Indem er gleichsam die gemeinsame Person der Menschheit angenommen hat. richtet [S. 404] er seine Worte an Gott und den Vater, nicht so fast für sich sondern unsertwegen auch für uns, wie Einer von uns, wegen der Heilsordnung. Einen Herrn nennt er also den Vater, weil er in der Gestalt des Knechtes war. Daß er bewahrt werde, fleht er aber wegen der Kirche, die sein Fleisch ist. -- denn sein Fleisch ist die Kirche. — und daß diese bewahrt werde, fleht er, mit Recht wird daher auch wohl auf seine Person die Bewahrung bezogen.

V. 2. „Ich sprach zum Herrn: Mein Gott bist Du.“ Wieder bringt er auch das in der Gestalt des Knechtes vor. Er zeigt zugleich auch die Gerechtigkeit im Bekenntnis des Glaubens. „Denn meiner Güter bedarfst Du nicht.“ Gut nennt er mit diesen Worten die nach dem Gesetze dargebrachten Opfer. Nun hebt sie jenes Wort des Glaubens auf: „Soll ich denn Fleisch der Stiere essen, und werde ich das Blut der Böcke trinken?“ 2

V. 3. „Den Heiligen, die in seinem Lande sind, hat der Herr wunderbar allen seinen Willen gegen sie erfüllt.“ Heilig nennt er die, die im Geiste geheiligt sind, Land Christi aber die Kirche. „Wunderbar erfüllt“ ist aber so viel als „belehrt.“ „seinen“ bezieht sich auf den Vater, so daß Dieß der ganze Sinn ist: Denen, die im Glauben geheiligt sind, machte er den Willen des Vaters bekannt. Deßhalb wird er auch Engel des großen Rathes genannt.

V. 4. „Gemehrt haben sich ihre Leiden.“ da sie Götzendienst trieben. „Hierauf eilten sie herbei.“ Waren sie auch leidend, will er sagen, da sie zuvor in Sünden lebten, so gehorchten sie doch sogleich, als sie die Predigt hörten. Denn das wollen die Worte sagen: Hierauf eilten sie herbei, nämlich um auf die Predigt zu hören. „Ich will ihre Zusammenkünfte nicht versammeln in Blut.“ Indem ich, sagt er, Versammlungen aus den Völkern versammle, werde ich sie nicht in Blut versammeln, das heißt, ich werde [S. 405] nicht veranstalten, daß sie im Dienste des Gesetzes zu mir kommen, sondern vielmehr in Lobpreisung und im unblutigen Opfer. „Und ich werde ihrer Namen nicht gedenken auf meinen Lippen.“ Nicht mehr, will er sagen, werden sie Götzendiener und Atheisten genannt werden, sondern Berufene und Auserwählte. Vordem, will er sagen, wurden ihnen Bezeichnungen zu Theil, die ihrer Thaten würdig waren, indem man sie Götzendiener, Polytheisten nannte. Jetzt aber werde ich jener Namen nicht mehr gedenken, sondern sie fromm, heilig, berufen und auserwählt nennen.

V. 5. „Der Herr ist der Theil meiner Erbschaft und meines Kelches.“ Er würde in gewöhnlicher Sprache sagen: Mein Vater hat mir zu meinem Erbe und Antheil die Völker gegeben, dem ich auch gehorsam geworden bin bis zum Tode. Denn der Kelch bedeutet den Tod, wie es heißt: „Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber.“ 3

V. 6. „Die Meßschnur ist mir ins Herrliche gefallen. Denn meine Erbschaft ist herrlich für mich.“ Er meint die Fesseln der Liebe, die ihn an die Kirche fesselten, die eben herrlich ist, das heißt, ihm wohlgefällt.

V. 7. „Ich werde den Herrn preisen, der mich verständig gemacht hat.“ Die Erklärung dieser Worte ist in der Apostelgeschichte enthalten.4 „Zudem ermahnten mich hiezu meine Nieren bis in die Nacht.“ Es ist der Sprachgebrauch der von Gott eingegebenen Schrift, die verborgenen, tief liegenden Gedanken Nieren zu nennen. Nicht aber das Unsichtbare.

V.8. „Ich sah den Herrn allzeit vor meinem Angesichte. Denn er ist zu meiner Rechten, damit ich nicht wanke.“ In so weit er als Gott auf-< s 406>gefaßt wird, ist er es, der Alles stützt und aufrecht hält. In so weit er aber Mensch geworden ist, geziemt es sich für ihn wohl zu sagen, daß er den Herrn zur Rechten habe, um nicht zu wanken. Denn überall gestaltet er sich nach dem Maße der Menschheit, und wegen der Heilsordnung schämt er sich dessen nicht, was der Entäusserung zukommt. Sich also, welch hohe Ehre unserer Natur in Christus zu Theil geworden ist, und wie wir vor das Angesicht des Vaters gebracht wurden, die wir wegen der Übertretung in Adam verstoßen waren, und wir ihn zur Abwehr und Stütze hatten.

V. 11. „Wonne zu Deiner Rechten bis an's Ende.“ Das will sagen: Wonne und Freude werden die Heiligen genießen, wenn sie zur Zeit der Auferstehung wieder ins Leben zurückkehren. Sie sagen aber, daß sie diese Wonne und Freude, die in der Unverweslichkeit besteht, von Christus empfangen werden, der in uns wohnt und die Rechte des Vaters ist. Daß aber die Worte wahr sind, erhellt aus der Stelle, wo es heißt: „der die Gestalt unserer Niedrigkeit umgestalten wird zur gleichen Gestalt mit dem Leibe seiner Herrlichkeit.“ 5

1: Apostelg. 2,25-28, wo V8-11 dieses Psalmes angeführt werden.
2: Ps. 49,13.
3: Matth. 26,39
4: Nicht V.7. wohl aber V. 8-11 werden Apostelgesch. V. 25-28 angeführt.
5: Philipp. 3, 21.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger