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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 140.

CXL.

V. 1. Ein Psalm Davids.

Inhalt.

Auch dieser ist dem vorhergehenden ähnlich, nur hält er mehr die lehrende Form ein.

V. l. „Herr, zu Dir rief ich, erhöre mich, höre auf die Stimme meiner Bitte, da ich zu Dir rufe.“ Das Rufen bedeutet natürlich den heftigen Drang des Herzens. Nimm gütig, o Herr, will er sagen, mein Flehen auf.

V.2. „Es erhebe sich mein Gebet wie Rauchwerk vor Deinem Angesicht.“ Die Gedanken des Herzens vergleicht er mit Räucherwerk, da sie leicht sind und nur im Geiste Gott dargebracht werden. „Die Erhebung meiner Hände ein Abendopfcr.“ Die mit den Händen vollbrachten Handlungen vergleicht er mit einem Opfer, da sie von schwerfälligerem Stoffe sind als die Anmuthungen des Herzens. Er spricht von einem Abendopfer, weil man bis an das Ende gute Handlungen verrichten muß.V. 3. „Setze, o Herr, eine Wache an meinen Mund und eine Thüre an meine Lippen ringsum.“ Da er es als etwas Großes erkennt, in der Bewa- [S. 825] chung der Zunge sich aufrecht zu erhalten, so bittet er Gott, ihm die Beherrschung derselben zu verleihen.

V. 4. „Neige mein Herz nicht zu Worten der Bosheit.“ Das heißt: Gestatte nicht, daß mein einmal gut bestellter Sinn sich ins Gegentheil verkehre, damit ich nicht, will er sagen, mich gottlosen Gedanken hingebe.

V. 5. „Der Gerechte wird mich strafen in Barmherzigkeit und mich schelten.“ Ich will jede Strafe des Gerechten hinnehmen, das Lob und die Schmeichelei des Sünders aber möge mir nicht zu Theil werden, womit sie wie mit Öl mein Haupt salben. 1

V. 6. „Denn mein Gebet entspricht noch ihrem Wohlgefallen. Ihre Richter wurden an einem Felsen verschlungen.“ In der Nähe eines Felsens, will er sagen, werden sie untergetaucht werden. Er gibt zu verstehen, daß Christus selbst sie in den Abgrund untertauchen werde. „Sie werden meine Worte hören, denn sie waren angenehm.“ Es tritt, will er sagen, die Erfüllung der ihnen vorher verkündeten Strafe ein, man wird meine Worte für wahr und geziemend halten.

V. 7. „Wie man die Dichte der Erde aufreißt auf der Erde.“ Alles Irdische an uns, will er sagen, haben wir aufgerissen, haben uns gedemüthigt um Deines Willen, so daß unsere ganze Kraft bis in die Unterwelt hinabgedrückt wurde. Ähnlich ist die Stelle: „Um Deinetwillen werden wir den ganzen Tag getödtet.“ 2

V. 8. „Denn auf Dich, Herr, Herr, meine Augen.“ Ich habe auf nichts Menschliches ein Vertrauen, sondern ich warte auf Deine Hilfe und flehe, es möge meine Seele derselben nicht beraubt werden. „Auf Dich hoffte ich, nimm nicht weg meine Seele.“ Es will sagen: [S. 826] Laß nicht entrinnen oder laß nicht entschwinden die Hoffnung, die ich auf Dich habe.

V. 10. „Es werden die Sünder in ihr Netz fallen.“ Mögen die Sünder, will er sagen, in ihre eigenen Netze fallen. „Ich bin einsam, bis ich vorübergegangen bin.“ Dann, will er sagen, werde ich ohne Furcht und Sorge vorübergehen, wenn die Sünder in ihre eigenen Netze fallen. Ich aber werde davon getrennt leben, bis ich an das Ende des Lebens komme.

1: Die letzteren Worte beziehen sich auf den zweiten Theil von V. 5.
2: Röm. 8, 36.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger