Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 138.

CXXXVIII.

V. 1. Zum Ende, ein Psalm Davids, durch Zacharias in der Zerstreuung (Diaspora).

Inhalt

Es wird der Psalm der Person des Zacharias beigelegt, da die Söhne Israels und mit ihnen der Prophet selbst noch in der Gefangenschaft waren. Er beschreibt aber die Art und Weise der göttlichen Fürsorge für uns, und daß er nicht nur im Allgemeinen Fürsorge trifft, sondern auch im Einzelnen, so daß weder unsere Bewegungen noch unsere Gedanken seiner Fürsorge entbehren. Er bewundert auch die Unergründlichkeit der Heilsordnung, deutet deutlich auf die Berufung der Heiden hin und auf den Widerspruch des israelitischen Volkes gegen Christus den Heiland. Das alles ist nun der Grund, warum es in der Ueberschrift heißt: zum Ende, ein Psalm Davids. Wir haben schon oft bemerkt, daß die Psalmen mit dieser Aufschrift auf die Zeit der Ankunft sich beziehen.

V. 1. „Herr, Du hast mich erforscht und kennst mich.“ In der Zuversicht, daß sein Glaube in Christas fest sei, und daß er mit der Gottlosigkeit des schlechten Volkes keine Gemeinschaft habe, ruft er den Bildner der Herzen selbst zum Zeugen an.

V. 3. „Du merktest meine Gedanken von ferne, meinen Weg und meine Schnur erforschtest Du.“ Wenn Gott selbst die Bewegung der Gedanken kennt, so kennt er noch vielmehr den Lebenslauf. „Meinen Weg und meine Schnur erforschtest Du.“ Schnur ist ein gewisses Wegmaß. Er will aber sagen: Du kennst jede Bewegung des Gedankens. Denn unter den Wegen versteht er die Bewegungen. [S. 819]

V. 4. „Denn es ist keine Hinterlist in meiner Zunge.“ Und das ist das größte unter den Verdiensten Davids, daß er kein Unrecht beging mit der Zunge, weder durch Lüge, noch durch Meineid, noch durch Betrug und Hinterlist, oder auf jede andere ähnliche Weise.

V. 5. „Sieh, o Herr. Du weißt Alles, das Letzte und das Erste.“ Was in der Mitte liegt, hat er mit Stillschweigen übergangen, weil die Bosheit dazwischen liegt. Denn sie war zuerst nicht 1 und wird auch am Ende wieder nicht sein. „Du hast mich gebildet und Deine Hand auf mich gelegt.“ Wenn Du mich auch gebildet hast, will er sagen, so hältst Du mich, auch nachdem ich geworden bin, aufrecht; denn die Auflegung der Hand Gottes bedeutet die uns gewährte Gabe des Geistes, wie die Apostel durch die Auflegung der Hände den heiligen Geist mittheilten.

V. 6. „Bewundert wurde Dein Wissen von mir, es ist gewaltig geworden, ich kann es nicht erreichen.“ Der Sinn der Worte ist dieser. Vieles Andere ist von Gott an ihm geschehen, und er ist nicht im Stande, es zu erkennen. Es übersteigt nämlich, will er sagen, die Kenntniß dieser Dinge meine Kraft und geht über meine Einsicht, so daß ich sie nicht ergründen und nicht aussprechen kann. Was ich nämlich gesagt habe, ist gering und ganz unbedeutend. Denn das Begreifen der göttlichen Kraft entgeht meiner Geringfügigkeit.

V. 8 „Steige ich in den Himmel hinauf, so bist Du da.“ Ähnlich ist: „Der Himmel ist mein Thron.“2 „Steige ich in die Unterwelt hinab, so bist Du zugegen.“ Er prophezeit das Hinabsteigen des Herrn in die Unterwelt.

V. 9. „Nähme ich meine Flügel in der Zeit der Morgenröthe und wohnte ich am äussersten Ende des Meeres.“ Das heißt: Wenn ich die Flügel der Vögel nähme, da sie noch nicht ermüdet sind, - denn da- [S. 820] rauf deuten die Worte: „in der Zeit der Morgenröthe.“ — noch frisch zum Fluge und voll Kraft. Das aber ist ungefähr der Sinn: Du, o Herr, der Du Alles umfaßt hast, weißt Alles im Voraus und bist überall zugegen und erfüllst als Gott Alles. Ferner: Was soll ich werden, wenn ich in eine Sünde falle, und wenn ich entrinnen und fliehen, soll, da Du, o Herr, Alles in Besitz genommen hast?

V. 11. „Und ich sprach: Wird Finsterniß mich zertreten?“ „Wird zutreten“ steht für: „wird vor Deinen Augen verdecken und verbergen.“ Aber auch diese Finsterniß, will er sagen, verhält sich in Deiner Kenntniß so, wie wenn sie das Licht selbst wäre.

V.12. „Wie ihre Finsterniß, so auch ihr Licht.“ Wie mir nämlich die Nacht dunkel ist, so ist sie Dir licht. Er nennt aber die Nieren als Veranlasser der Furcht. 3 Er will sagen: Dich fürchtete ich beständig, da ich Dein Gericht immer vor Augen hatte.

V. 13. „Du nahmst Dich meiner an von meinem Mutterleibe her.“ Mit Recht, will er sagen, ergriff mich die Furcht vor Dir, da Deine Fürsorge mich bewachte, da ich noch im Mutterleibe war.

V. 14. „Ich werde Dir bekennen, daß Du furchtbar wunderbar geworden bist.“ In ganz passender Weise bricht er nach der angeführten Darstellung des göttlichen Wesens in das Bekenntniß aus. „Wunderbar sind Deine Werke, und meine Seele erkennt sie gar sehr.“ Die Macht, will er sagen, die mir verborgen ist, ist Dir als Gott bekannt.

V. 15. „Nicht war mein Gebein vor Dir verborgen, das Du im Verborgenen gemacht hast.“ Nicht war Dir verborgen der Fall des Weibes, das Du aus meinem Gebeine heimlich gemacht hast, da Du mich in tiefen Schlaf versenktest, sondern Du kanntest unser Verborgenes, der Du dem Weibe im Verborgenen das Dasein [S. 821] verschafft hast. „Und mein Wesen in den untersten Theilen der Erde.“ Und wenn ich auch aufgelöst werden und zum Staube zurückkehren würde, will er sagen, so ist Dir das wieder bekannt.

V. 16. „Meine Unvollkommenheit sahen Deine Augen.“ Bevor ich entstand, will er sagen, und bevor ich gestaltet wurde, schauten mich Deine vorhersehenden Augen und sahen mich im Voraus, nicht einfach, sondern als bereits darin enthalten und beigezählt und in Deinem Buche eingeschrieben. „Die Tage werden gestaltet werden, und Niemand ist unter ihnen.“ An allen Tagen ihres Lebens haben sie sich wohlgeordnet und anständig betragen, daß sie auch nicht einen einzigen Tag ungeordnet oder unanständig hinbrachten.

V. 17. „Deine Freunde, o Gott, wurden von mir sehr geehrt.“ Ähnlich ist: „Wer einen Propheten aufnimmt im Namen eines Propheten, wird Prophetenlohn empfangen.“ 4

V. 18. „Ich werde sie zählen, und sie werden mehr sein als der Sand.“ Ich habe gute Hoffnung, will er sagen, indem ich Deine Freunde in Ehren halte. Denn ich werde bei der Auferstehung bei ihnen stehen und durch sie bei Dir Ehre erlangen. Dann nun, sagt er, werden auch die Sünder getödtet werden, das heißt, sie werden die verdienten Strafen finden.

V. 19. „Wenn Du, o Gott, die Sünder tödtest.“ Da er die ihnen bevorstehenden Strafen kennt, so sondert er sie gleichsam von sich ab. „Männer des Blutes, weichet von mir! Denn ihr seid zanksüchtig in Gedanken.“ Er gibt den Grund an, aus welchem er die Sünder von sich weist. Deßhalb, will er sagen, werden sie vertrieben, weil sie Gott widersprechen und mit ihm zanken und, indem sie sich vergeblich erheben, gegen das Leben der Menschen übermüthig handeln. [S. 822]

V. 21. „Haßte ich nicht, o Herr, die Dich haßten?“' Denn ich liebte Deine Freunde und nahm sie als Freunde an. Deine Feinde aber haßte ich vollständig.5 Feinde Gottes aber sind zuerst und im eigentlichen Sinne, die unreinen Dämonen, die zweiten nach ihnen, die dem Götzendienste anhangen und die Häupter der Häresien.

1: Vgl. Gegen die Heiden K. 2.
2: Ps. 102, 9.
3: V. 13.
4: Matth. 10,41.
5: V. 22.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
Bilder Vorlage

Navigation
. . Mehr
. . Ps 129.
. . Ps 130.
. . Ps 131.
. . Ps 132.
. . Ps 133.
. . Ps 134.
. . Ps 135.
. . Ps 136.
. . Ps 137.
. . Ps 138.
. . Ps 139.
. . Ps 140.
. . Ps 141.
. . Ps 142.
. . Ps 143.
. . Ps 144.
. . Ps 145.
. . Ps 146.

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger