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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 118,161-176

V. 161. „Fürsten verfolgten mich ohne Grund.“ Es bedrängten mich, will er sagen, die jeweiligen Fürsten, da sie Feinde der Wahrheit waren. Aber ich fürchte ihre Bedrückungen nicht, da ich Dein Wort fürchte. Und welches ist das anders als: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib tödten, die Seele aber nicht tödten können. Fürchtet vielmehr den, der Seele und Leib in die Hölle stürzen kann“ 1

V. 162. „Ich werde mich freuen über Deine Worte, wie der, welcher viele Beute findet.“ Er will sagen, daß der Gehorsam gegen die göttlichen Worte nicht bloß durch Furcht, sondern auch durch die große Freude bewirkt worden sei, die er über den Reichthum hat. Beharrlicher aber ist die Beobachtung, die mit Freude geschieht. Da er aber der verfolgenden Feinde gedachte, so gedachte er mit Recht auch der Beute. Denn nicht hätte ich, will er sagen, wenn ich Alle getödtet und geplündert hätte, es so hoch angeschlagen als Deine Worte. Welche Worte anders als die, von denen Paulus sagt: »Denn zuerst glaubten wir die Aussprüche Gottes.“2 wobei er von den Juden spricht? [S. 790]

V.163. „Ich haßte die Ungerechtigkeit.“ Denn nicht habe ich, wie sie, mich an einem Todten gerächt und zeige ihm nicht nach Abnahme der Beute meinen Abscheu. Denn nützlich ist nur, die Ungerechtigkeit zu verabscheuen. Daher mußte ich Dein Gesetz, als ich es erkannte, lieben, indem ich es nicht zu dem Irdischen herabzog. Denn wir suchen, mit Christus auferweckt, das Himmlische, nicht das Irdische. 3

V. 154. „Siebenmal des Tages verkündigte ich Dein Lob.“ Sein ganzes Leben hindurch wird der Gerechte erleuchtet in vollkommenem Tage leben, der nicht von der Nacht unterbrochen wird. Und er lobt Gott siebenmal, indem er über die Welt sich erhebt. Denn er überragt die Welt, die in sechs Tagen geschaffen wurde. Da er ferner auch im Paradiese Gottes gewesen war und gesehen hatte, was es mit der Erschaffung und Vorsehung Gottes für eine Bewandtniß habe, lobpreist er die Gerichte der Gerechtigkeit Gottes. In diesen Gerichten zeigte er eine mannigfaltige Erschaffung und Fürsorge für alle Dinge. 4 Er meint die beständige Dauer und will sagen: Ich gedachte, beständig Deiner Gerichte, die Du in gerechter Weise gerichtet hast, indem Du die hochmüthigen Fürsten verbanntest und die Gekränkten befreitest.

V. 170. „Es nahe meine Bitte . . . . . Es gelange mein Verlangen vor Dein Angesicht, o Herr!“ Sieh die gute Ordnung der göttlichen Worte. Denn zuerst heißt es: „Es nahe.“ dann kommt, was wichtiger ist: „Es gelange mein Verlangen vor Dein Angesicht.“ Das Nahen kommt vor: „Es gelange.“ Denn es naht sich zuerst Jemand und tritt dann, wenn er ein Freund des Hausherrn ist, in das Haus ein. Was er aber zuerst Bitte genannt hat, nennt er jetzt Verlangen von „verlangen.“ 5 [S. 791] Gibt es etwa, wie hervorragende Würden in der Welt, so auch in der Seele? Denn eine Würde ist es, ein Apostel Christi zu sein. Würden sind auch die kirchlichen Rangstufen. Eine Würde der Seele ist es, die Tugenden oder eine von denselben zu besitzen. Wer eine solche Würde hat, sagt diese Worte.

V. 171. „Meine Lippen sollen überströmen von Lobpreisung.“ Das Überströmen begegnet gemeiniglich den Gesättigten. Es kennt also das göttliche Wort eine geistige Nahrung. Das Wort selbst ja sagt, daß es Brod sei. „Denn ich bin das Brod des Lebens, das vom Himmel herabgekommen ist.“ 6 Es sagt aber auch: „Wer mein Fleisch ißt, hat das Leben in sich.“ 7 Indem wir aber dieses genießen, strömen wir über von Lobgesang. Ich wünsche, daß dieses Überströmen mir zu Theil werde. Das ist unmöglich, wenn Du mich Deine Satzungen nicht lehrest.

V. 172. „Meine Zunge soll aussprechen Deine Reden.“ Er fleht, es möge, was er spricht, Gottes Wort sein nach dem Ausspruche: „Öffne Deinen Mund dem Worte Gottes.“ 8 Ein solcher Mensch aber spricht kein muffiges Wort. Deßhalb sagt Paulus: „Denn Du sollst nicht tödten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, und jedes andere Gebot ist in diesem Worte enthalten: Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. Denn darin besteht die Gerechtigkeit: Du sollst Deinen Nächsten lieben.“ 9

V. 173. „Es werde Deine Hand mir zur Rettung.“ Er will nämlich nicht zu verstehen geben, wie sie 10 dem Wesen nach entstanden ist, sondern wie sie sich zu den geretteten Dingen verhalte. Ähnlich ist: „Werde mir zum schützenden Gotte.“

V. 174. „Ich sehnte mich nach Deinem Heile. [S. 792] o Herr!“ Wenn Du in der Rede zurückgeben willst, so ist Christus Dein Heil. Denn Jesus heißt übersetzt: Gottes Heil. Dieser wurde uns gesendet. 11 Wir müssen nach dem Heile Gottes Verlangen tragen. Denn die Meisten richten ihr Verlangen auf das Fleischliche. Das göttliche Verlangen aber zielt dahin, daß wir in ihm gerettet werden, daß wir in ihm ruhen, daß wir das Heiligthum erben. Denn das ist das Heil Gottes, das ewige Leben. Es heißt ja auch Jesus übersetzt „Gottes Heil“ und ist uns zum Heile gesendet. Wer in Sehnsucht nach diesem wandeln will, wird das Gesetz betrachten.

V. 175. „Meine Seele wird leben und Dich loben.“ Er spricht vom zukünftigen Leben. „Denn unser Leben ist verborgen mit Christus in Gott.“ 12 Dann werde ich im eigentlichen Sinne loben, dann hilf mir. Die berühmt gewordenen Gerichte. 13 die von Dir gerichtet wurden, über den Gerechten ohne Peinen über den Schuldigen mit Peinen.

V.176. „Ich irrte wie ein verlorenes Schaf.“ Nachdem er seine guten Werke erwähnt hat, sagt er wieder, daß er ein verirrtes Schaf sei, und zeigt seine Demuth, wie der Herr gesagt hat: „Wenn ihr Alles gethan habt, so sprechet: Wir sind unnütze Knechte.“ 14 [S. 793]

1: Matth. 10, 28.
2: Röm. 3. 2.
3: Kol. 3, 1. 2.
4: Das Folgende ist aus einer andern Handschrift.
5: Um den von da an folgenden Theil des Absatzes zu verstehen, muß man wissen, daß xxxxx zugleich Verlangen und Würdigung, Würde bedeute, von xxxxx ich würdige, verlange, bitte.
6: Joh. 6, 35.
7: Joh. 6, 55.
8: Sprüchw. 31, 9.
9: Röm. 13. 9.
10: Die Hand.
11: Das Folgende ist aus einer anderen Handschrift.
12: Koloss. 3, 3.
13: Die Bemerkung bezieht sich auf den zweiten Theil des Verses: „Deine Gerichte werden mir helfen.“
14: Luk. 17, 10.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger