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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 117.

CXVII.

Alleluja.

Inhalt.

Es wird das junge Volk, das sich ans Juden und Heiden gebildet hat, belehrt, man müsse nur einen Helfer, das menschgewordene Wort Gottes selbst anrufen und bei ihm zur Zeit der Verfolgung alle Hilfe, den vom Himmel gesendeten Beistand suchen, ihm den Dank für den Sieg darbringen, ihn um die Wege der Tugend anflehen und nebst Diesem allem dem Herrn bekennen, der ein Stein genannt wird, den die Bauleute verworfen haben, der aber zum Eckstein geworden ist.

V. l. „Bekennet dem Herrn, denn er ist gut, denn in Ewigkeit währet seine Barmherzigkeit.

V. 2. Es sage nun das Haus Israel.“ Er fordert sie auf, zuerst mit dem Bekenntniß zu beginnen, da sie zuerst berufen sind durch die Predigt des Evangeliums.

V. 5. „Aus der Trübsal habe ich den Herrn angerufen, und er erhörte mich im weiten Raume. Zwei Dinge lehrt der vorliegende Vers, daß die Drangsal haben müssen, die sich dem Glauben hingeben, wie es heißt: „Gibst Du Dich dem Dienste des Herrn hin, so halte Deine Seele zur Versuchung bereit.“ 1 und daß man, wenn man bedrängt wird, keinen andern Helfer anrufe als den Herrn selbst, der auch unserer Bedrängniß einen weiten Raum verschafft. Denn für die kleinen Mühen werden wir große Belohnungen empfangen.

V. 10. „Alle Heiden umringten mich … [S. 762]

V. 12. Sie umringten mich wie Bienen das Wachs, und ich rächte mich an ihnen im Namen des Herrn.“ Denn das Volk Gottes rief zu Gott allein, und indem es seinen Namen aussprach, rächte es sich an seinen sichtbaren und unsichtbaren Feinden. Die Menschen aber, die diesen nachstellen, haben bloß ein Zutrauen zu den Herrschaften und Mächten der Menschen. „Alle Heiden“ aber steht hyperbolisch. Denn ganz Judäa war von allen Heiden umringt. Oder es will so viel sagen, als: „In der Frühe tödtete ich alle Sünder der Erde.“ 2 das heißt die leidenschaftlichen Gedanken, die von den Dämonen eingegeben werden, und die arglistigen Reden. Denn diese Heiden wird er vernichten, manchmal beseitigt er diese auch durch die Anrufung Gottes, indem er die Bewegungen der Leidenschaft ausrottet und die arglistigen Reden überwindet. Die Drohnen aber, die den Bienen ähnlich sind, so daß die, welche keine Kenntniß haben, hintergangen werden, haben keinen Stachel, bereiten keinen Honig, haben aber einen größeren Körper und verzehren die Arbeit der Bienen. Gegen diese erheben sich auch die Bienen insgesamt und vernichten sie. Die Kirche ist nun eine Biene. Sie bereitet aber Honig, da sie die Weisheit Gottes hoch schätzt, deren Arbeit Könige und Privatleute zur Gesundheit benützen, obschon sie schwach ist, in Anbetracht, daß ihre Predigt nicht in Überredung menschlicher Weisheit besteht. 3 Gleichwohl hat sie den Stachel zum Nachweise des Geistes und der Kraft Gottes, indem sie das Wort des Glaubens hat, so daß sie die Häresien wie Drohnen aus dem Wege schafft, indem sie diese durch Nachweis der Wahrheit zerschneidet. Eine einzige Biene ist es, die die Weisheit Gottes schätzt, viele aber haben die Weisheit Gottes verlassen, da sie nicht wirkliche Bienen sind, sondern Drohnen, die Ähnlichkeit mit den Bienen haben, die den Honig der einzigen verzehren wollen und wie Feuer in Dornen brennen. Denn die Hä- [S. 763] retiker zünden das schändliche Feuer der Begierden an, wie Paulus sagt: „Denn was heimlich von ihnen geschieht, muß man sich schämen auch nur zu nennen.“ 4 Als Dornen aber bezeichnete das Evangelium die Wollüste. Ihre Reden verwirft der, welcher Gott anruft. Denn seine Waffen sind nicht fleischlich, sondern mächtig in Gott, indem sie jede Höhe niederreissen, die sich gegen die Kenntniß Gottes erhebt. 5

V. 15. „Die Stimme des Jubels und des Heiles in den Zelten der Gerechten.“ Da die geistigen Feinde, die zu Zeiten das Volk Gottes verfolgten, bereits aus dem Wege geräumt sind, vernimmt man fernerhin mit Recht die Stimmen des Jubels, und nirgendswo anders als in den Zelten der Gerechten.

V.16. „Die Rechte des Herrn hat Kraft gewirkt.“ Dieses Wort des Jubels ist in der Kirche ausgesprochen worden, das Bekenntniß, daß die Kraft des Herrn allein die Kämpfer rettete und erhöhte.

V. 19. „Öffnet mir die Pforten der Gerechtigkeit.“ Unter Pforten der Gerechtigkeit wirst Du die Fortschritte in der Tugend verstehen, die von denen gemacht werden, welche die Zeit der Bedrängnisse ertragen. „Das ist die Pforte des Herrn. Die Gerechten werden durch sie eingehen.“ Die in den Tugenden wandeln, werden auf jenes Thor stoßen, das zur Anschauung des Herrn selbst führt. Und was ist das für eines ausser die Reinheit des Herzens? „Selig sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott anschauen.“ 6

V. 22. „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.“Dich selbst, der Du unsertwegen ein verworfener Stein geworden bist, haben die Bauleute verworfen; nach der Umwandlung der Völker aber bist Du ein anderer Eckstein geworden. [S. 764] Und was ist das für einer? „Er verband die zwei Völker zu einem einzigen neuen Menschen.“ 7

V. 24. „Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat.“ Und was ist das wohl für ein Tag anders als der Tag der Auferstehung des Herrn? Was ist das sonst für ein Tag als der Tag des Heiles für alle Völker, an dem der verworfene Stein zum Eckstein geworden ist? Es deutet das Wort auf den Auferstehungstag unsers Heilands, der von ihm den Namen erhalten hat, nämlich Tag des Herrn.

V. 25. „O Herr, erlöse mich, o Herr, laß wohl gelingen.

V. 26. Gebenedeit sei, der kommt im Namen des Herrn!“ Der Preisgesang in Jerusalems 8lehrt, auf wen sich das beziehe. „Wir segneten euch vom Hause des Herrn aus.“ Das sagen die Propheten zu denen, die an Christus glauben. Selig, will er sagen, werden wir euch nennen, weil ihr ja ein geistiges Haus geworden seid. Denn es wohnt in euch der Herr.

V. 27. „Feiert ein Fest in Laubgewinden bis an die Hörner des Altars.“ „Feiert ein Fest.“ Er fordert die, welche den Glauben angenommen haben, auf, sich zu versammeln, das göttliche Zelt voll zu machen, so daß sie bis an die Hörner des Altars durch ihre Menge sich ausdehnen. Laubgewinde aber nennt er die Cherubim, die den Altar beschatten. Denn das bedeutet „in den Laubgewinden.“ „Winden“ ist nämlich soviel als „bedecken.“ Die Cherubim aber bedeckten mit ihren Flügeln den Altar.

V. 28. „Mein Gott bist Du, und ich werde Dir bekennen.“ Sie werden belehrt, diesen Ausruf dem Heiland Christus darzubringen. [S. 765]

1: Ekkli. 2. 1.
2: Ps. 100, 8.
3: I. Kor. 2, 4.
4: Ephes. 5, 12.
5: II. Kor. 10. 4. 5.-
6: Matth. 5. 8.
7: Ephes. 2. 15.
8: Joh. 12. 13.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger