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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 115.

CXV.

Alleluja.

V. 1. „Ich glaubte, darum redete ich.“ Wenn er gesagt hat: „Ich glaubte, darum redete ich., so spricht [S. 758] er so, weil er dem Herrn gefiel und in die himmlischen Wohnungen aufgenommen wurde. Denn niemals hätte er dieses Wort ausgesprochen, wenn er in die Verheissungen Gottes kein Vertrauen gesetzt haben würde. Diese aber waren voll Erbarmung. „Selig sind, die jetzt weinen, denn sie werden sich freuen.“ 1 Wenn aber die Augen mit Thränen gefüllt waren, so werden sie offenbar in jenen Wohnungen den hohen Freudengenuß empfangen. Auf diese Worte weist Paulus die Korinther hin, indem er sagt: „Da wir den nämlichen Geist des Glaubens haben, wie es heißt: Ich glaubte, darum redete ich. Denn mit dem Herzen glaubt man zur Gerechtigkeit, und mit dem Munde geschieht das Bekenntniß zum Heile.“ 2 Und wir glauben, deßhalb reden wir auch.“ 3 Und er nennt Geist des Glaubens entweder den aus dem Glauben entspringenden Zustand oder den Geist, den Gott dem Gläubigen mittheilt. Es stimmt aber mit den Worten: „Ich glaubte, darum redete ich.“ auch der Ausspruch überein: Wenn ihr nicht glaubet, werdet ihr nicht verstehen. Zuerst glaubt man, dann versteht man und redet man. Als ich aber, will er sagen, glaubte und Großes sprach, da wurde ich, weil ich sah, daß ich Nichts sei, sehr gedemüthigt. Ähnlich sind die Worte des Johannes über Jesus: „Er muß wachsen, ich aber abnehmen.“4 Denn er nahm ab, nicht indem er von der Größe, die er hatte, Etwas verlor, sondern in der Gegenüberstellung zur überragenden Lehre und Lebensweise Christi. Ebenso sagte er hier: „Ich wurde gedemüthigt.“ nicht in Bezug auf die Verminderung der Größe, sondern weil die Forschung seine Kräfte überstieg.

V. 2. „Ich sprach in meiner Bestürzung: Jeder Mensch ist ein Lügner.“ Da ich, will er sagen, mehr als ein Mensch bin, so achtete ich alles Menschliche für gering. Denn die Bestürzung bedeutet die Verän- [S. 759] derung. Nachdem ich gesagt habe, will er sagen, daß ich Gott Wohlgefallen werde,5 ferners, daß jeder Mensch ein Lügner ist. - denn die Gedanken der Menschen sind hinterlistig. -- so demüthigte ich deßhalb mich selbst und quälte mich durch Peinigungen, um nicht dieses Zustandes verlustig zu werden.

V. 6. „Kostbar vor dem Herrn ist der Tod seiner Heiligen.“ Wir haben, will er sagen, keine Vergeltung für das, was wir von Gott empfangen haben, als daß wir für ihn den Tod leiden und so unsern Herrn nachahmen. Dieser Tod wird aber auch bei Gott zu den überaus kostbaren Dingen gehören.

V. 7. „O Herr, ich bin Dein Knecht und der Sohn Deiner Magd.“ Mit Zuversicht nennt er sich wie der Apostel6 einen Knecht. Sohn einer Magd aber wegen der früheren Einführung durch das Gesetz.„Du hast meine Bande zerrissen.“ Und was für Bande sind es anders als die der Sünde, wie es heißt: „Jeder wird gebunden mit den Stricken seiner Sünden“?7

V. 8, „Dir werde ich opfern ein Opfer des Lobes.“ Wie im Fortschreiten begriffen verschmäht er die blutigen Opfer und verheißt die Lobopfer darzubringen.

V. 9. „Meine Gelübde werde ich dem Herrn erfüllen.“ Gelübde nennt er die Verheissungen. Was verhieß er aber anders, als den Kelch des Herrn zu nehmen und seinen Namen anzurufen?8 Das werde ich thun, sagt er, wenn ich in den göttlichen Vorhöfen sein werde. Darunter versteht er die Kirche Christi oder das himmlische Jerusalem. [S. 760]

1: Matth. 5. 5.
2: Röm. 10. 10.
3: II. Kor. 4, 13.
4: Joh. 3, 30.
5: Ps. 114, 9
6: Röm. 1, 1
7: Sprüchw. 5. 22.
8: V. 4

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger