Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 109.

CIX.

V. 1. „Es sprach der Herr zu meinem Herrn: Setze Dich zu meiner Rechten.“ Die Geburt des Herrn im Fleische deutet er mit diesen Worten an und sein evangelisches Wort, das über alle Völker herrscht, und seine Auffahrt in den Himmel, mit welcher der Psalm in den Worten beginnt: „Es sprach der Herr zu meinem Herrn: Setze Dich zu meiner Rechten.“

„Bis ich Deine Feinde zum Schemel Deiner Füße setze.“ Und was das für Feinde sind, zeigt der Apostel, indem er ausruft: „Wenn er die Herrschaften und Mächte [S. 746] und Gewalthaber vernichtet hat, wird als letzter Feind der Tod vernichtet.“1

V. 2. „Einen Scepter der Macht wird Dir der Herr senden aus Sion.“ Er meint das Wort des Evangeliums, das gesandt worden ist, das über alle Feinde herrschte.

V. 3. „Bei Dir ist die Herrschaft am Tage Deiner Kraft.“ Er bezeichnet mit diesen Worten entweder die Zeit des Gerichtes, in welcher er mit seinen heiligen Engeln kommen und in göttlicher Kraft Alle richten wird, oder die Zeit seiner Geburt, die auch Tag der Kraft genannt wird. Denn bei Dir wird die Herrschaft sein. Er hat nämlich Macht über Alles, obschon er Mensch geworden ist. „Im Glanze Deiner Heiligen.“ Die Worte: „Im Glanze Deiner Heiligen“ geben uns nichts Anderes zu verstehen als jene Reigen der heiligen Engel, die in jener Nacht, da Christus geboren wurde, ausriefen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.“ „Aus dem Mutterleibe vor dem Morgensterne zeugte ich Dich.“ Sieh, wie die fleischliche Zeugung des Eingebornen der Vater sich zuschreibt. 2 Denn es spricht der Vater zum Sohne: Denn vor der Zeugung dieser sichtbaren Welt und des glänzenden Lichtes habe ich Dich gezeugt. Nicht etwa, weil Gott einen Mutterleib hat, sondern weil was ächt, und nicht was unächt ist, seinen natürlichen Ursprung in der Erstgeburt des Mutterleibes hat.

V. 4. „Der Herr hat geschworen, und es wird ihn nicht reuen.“ Der Schwur Gottes ist sein Wort, das die, welche es hören, überzeugt und Jedem Gewißheit verschafft, daß das, was er verheissen hat und spricht, gewiß geschehen wird. Denn Gott schwört nicht [S. 747] wie ein Mensch, sondern sein Wort wird uns zum Schwure für die Wahrheit, da er keines jemals bereuen wird und der Schwur in der Verheissung liegt. „Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung des Melchisedech.“ Denn nicht mit Öl wurde Melchisedech zum Priesterthum gesalbt wie Aaron, weil er nicht die blutigen Opfer darbrachte, und weil er Hohepriester der Heiden war, und weil er in Brod und Wein den Abraham segnete.

V. 5. „Der Herr zu Deiner Rechten zerschmetterte Könige am Tage seines Zornes.“ Tag des Zornes nennt er die Zeit des Gerichtes, bei welchem er die Menschen, die einst durch den Betrug der Dämonen herrschten, zerschmettern und sie in den Abgrund einschließen wird.

V. 6. „Er wird richten unter den Völkern., den Sturz voll machen.“ Indem er die Schaaren der unreinen Dämonen, will er sagen, zur Zeit des Gerichtes straft, wird er zeigen, daß sie voll von Sturz sind, das heißt, von der Strafe in den unteren Theilen der Erde. „Er wird zerschmettern die Häupter im Lande Vieler.“ Ähnlich ist sein Ausspruch bei Isaias: „Und ich leitete ihr Blut auf die Erde.“ 3

V. 7. „Aus dem Bache am Wege wird er trinken.“ Bach nennt die Schrift die Versuchung. Unter Weg aber meint er sein Herabsteigen auf die Erde, auf welcher er das Leiden duldete, das eben im Bache herabfließt. „Deßhalb wird er das Haupt emporheben.“ „Deßbalb.“ Weßhalb anders als wegen seines Leidens im Fleische? Ähnlich ist die Stelle: „Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode.'^ 4 [S. 748]

1: I. Kor. 15. 24. 26.
2: Er schreibt sich nicht die Zeugung des Sohnes dem Fleische nach, sondern dessen ewige Zeugung der Gottheit nach zu.Vgl. Gegen die Arianer IV. 27. 28.
3: Is. 34. 7.
4: Philipp. 2. 8.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
Bilder Vorlage

Navigation
. . Mehr
. . Ps 101.
. . Ps 102.
. . Ps 103.
. . Ps 104.
. . Ps 105.
. . Ps 106.
. . Ps 107.
. . Ps 108.
. . Ps 109.
. . Ps 110.
. . Ps 111.
. . Ps 112.
. . Ps 113.
. . Ps 114.
. . Ps 115.
. . Ps 116.
. . Ps 117.
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger