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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 106.

CVI.

Alleluja.

V. l. „Bekennet dem Herrn, denn er ist gut.“ ach Verwerfung des Judenvolkes spricht er mit Recht von der Berufung der Heiden. 1 die durch die Apostel geschah. Deßhalb befiehlt er auch, Gott zu preisen und wegen seiner großen Barmherzigkeit ihm zu bekennen.

V. 3. „Von Aufgang und Niedergang, vom Norden und vom Meere.“ Und wer sind die, die sich von den vier Weltgegenden versammelt haben, ausser alle Völker, die einst ohne Gottesfurcht waren und nicht einmal einen göttlichen Tropfen empfingen, sondern großen Durst litten?

V. 4. „Den Weg zur bewohnten Stadt fanden sie nicht.“ Denn sie führten keine gute Lebensweise, sondern lebten in großer Verirrung.

V. 5. „Sie waren hungrig und durstig. Ihre Seele verschmachtete in ihnen.“ Denn sie hatten auch kein Brod, das das Herz des Menschen stützt, noch das lebendige Wasser, über das gesagt ist: „Wer von dem Was- [S. 734] ser trinkt, das ich ihm geben werde, wird in Ewigkeit nicht dursten.“2

V. 7. „Und er führte sie auf den rechten Weg.“ Nämlich zum Glauben an ihn. Denn er sagte selbst: „Ich bin der Weg.“ 3„Um in die bewohnte Stadt zu kommen.“ Er meint die Kirche oder das himmlische Jerusalem.

V. 8. „Sie sollen bekennen dem Herrn seine Barmherzigkeit … V. 9. Denn er sättigte eine leere Seele.“ Und welche Seele ist das anders als die Seele Derjenigen, von denen gesagt ist: „Sie waren hungrig und durstig; ihre Seele verschmachtete in ihnen“? „Und eine hungernde Seele füllte er mit Gütern.“ „Nämlich mit dem geistigen Brode.“

V. 10. „Sie, die in Finsterniß saßen und in Todesschatten.“ Todesschatten dürfte man, ohne zu irren, den Götzendienst und die gottlosen Handlungen nennen. Denn diese sind es, die uns vom wahren Leben trennen. In diesen befanden wir uns früher, weil wir Gott erbitterten und den Rathschluß des Allerhöchsten verletzten. Denn man sollte in der Größe und Schönheit der Geschöpfe den Schöpfer aller Dinge schauen und seine ewige Macht und Gottheit aus der Erschaffung der Welt erkennen. Wir aber, da wir blind waren und im Dunkel und Todesschatten uns befanden und an den vernünftigen Kräften der Seele gefesselt und gelähmt waren, vertauschten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes mit dem Gleichniß des Bildes eines vergänglichen Menschen, sowie von Vögeln und viersilbigen Thieren. „Gefesselt in Armuth und Eisen.“ Durch die Ketten seiner eigenen Sünden ist ein Jeder gebunden, arm an allem Guten und Trefflichen.

V. 11. „Sie erbitterten die Worte Gottes.“ Sie nahmen in keiner Weise das göttliche Gesetz an, son- [S. 735] dern schloßen sich lieber den Weisen dieser Welt an. „Und sie verletzten den Rathschluß des Allerhöchsten.“ Und welches war der Rathschluß des Allerhöchsten, ausser der Wille, daß alle Menschen gerettet würden und zur Erkenntniß der Wahrheit gelangten? 4

V. 12. „Sie waren schwach, und Keiner war, der half.“ Denn Keiner war im Stande, die Sünde zu vernichten.

V. 13. „Und er rettete sie aus ihren Nöthen.“ Denn was gibt es für eine größere Noth, als in die Knechtschaft der bösen Geister gerathen zu sein in Unkenntniß Gottes, in Dürftigkeit der Seele und Armuth der Bosheit?

V. 14. „Und er zerbrach ihre Fesseln.“ „Er zerbrach“ bedeutet die gänzliche Vernichtung der Sünde.

V. 15. „Sie sollen bekennen dem Herrn seine Barmherzigkeit.“ Das Nämliche sagt er zum zweiten Male über seine Wohlthaten.

V. 16. „Denn er zermalmte die ehernen Thüren.“ Er deutet auf das Hinabsteigen des Heilandes in die Unterwelt. Als er das unternahm, öffnete er die Thore der Unterwelt, die einst mit unzerstörbaren Schlössern Allen versperrt waren. Denn sie konnten nicht mehr den Rückweg antreten, auch wenn sie wollten. Er aber sagte zu den Gefangenen: Gehet heraus, und zu denen in der Finsterniß: Kommet ans Lichts. 5

V. 18. „Vor jeder Speise empfand Ekel ihre Seele.“ Denn es fehlte ihnen das Wort, das sie ernähren konnte. Pforten des Todes aber sind die Sünden, die zum Tode führen.

V.22. „Sie sollen ihm ein Lobopfer opfern.“ Er kehrt in seiner Rede zu den heiligen Aposteln zurück. Denn sie sind es, welche die Geheimnisse des neuen Bundes uns überliefert haben. [S. 736]

V. 33. „Er machte Flüsse zur Wüste.“ Er meint das bewegliche verwerfliche Geschlecht der Juden. Ihnen nämlich, die einst vor Hunger hinschmachteten und der geistigen Nahrung bedürftig waren, hatte er an jenen Flüssen ihre Wohnung angewiesen.

V.34.“Fruchtbares Land zum Salzgrunde.“ Er meint die Synagoge der Juden. Es waren nämlich die Dämonen Bewohner des irdischen Staates. Diese Frucht trug die Gottlosigkeit. Die Apostel aber trockneten ihn aus durch das Salz der Lehre, da er von ihnen sagt: „Ihr seid das Salz der Erde.“' 6

V. 35. „Er machte eine Wüste zu Wasserseeen.“ Er deutet auf das Volk der Heiden hin. Denn die Prophezeiung ist gemischt und führt die beiden Völker vor, und zwar die Verwerfung des einen und die Einführung des andern.

V. 36. „Und sie errichteten bewohnbare Städte.“ Nämlich eine gute und himmlische Lebensweise.

V. 37. „Und er besäte Äcker und pflanzte Weinberge.“ Die Äcker wirst Du durch den erkennen, welcher gesagt hat: „Es ging der Säemann aus, zu säen seinen Samen.“ 7 unter den Weinbergen des Herrn aber wirst Du die Kirchen verstehen, wie es heißt: „Die Weinberge blühten, gaben ihren Geruch.“ 8

V. 38. „Und ihr Vieh verminderte er nicht.“ Vieh nennt er die Unvernünftigen in der Kirche, wie es heißt: „Wie das Vieh bin ich bei Dir geworden.“ 9 und: „Menschen und Vieh wirst Du retten, o Herr!“10

V. 39. „Und sie sind Wenige geworden.“ Die nämlich zum früheren Volke gehörten.

V. 40. „Verachtung wurde ausgegossen über ihre Fürsten.“ Er meint die Schriftgelehrten und [S. 737] Pharisäer. „Und er ließ sie irren an unwegsamen Orten wo kein Weg war.“ Sie irren nämlich, will er sagen weil sie den nicht kennen, der gesagt hat: „Ich bin der Weg.“11

V. 41. „Und er half dem Armen in der Noth „ Und wer anders ist der Arme als der, von dem gesagt ist “Selig sind die Armen im Geiste“. 12 „Und er machte die Geschlechter wie zu Schafheerden.“ Er betrachtete will er sagen, die Heerden, die aus den Geschlechtern aller Menschen sich sammelten, als sein Eigenthum.

V. 42. „Sehen werden es die Redlichen und sich freuen. Und welches sind die Redlichen anders als die, von denen gesagt ist: „Selig sind euere Augen weil sie sehen“? 13 „Und alle Bosheit wird ihren Mund verschließen.“ „Gott ist es, der gerecht macht, wer wird verurtheilen?“ 14

1: V.2.
2: Joh. 4,13
3: Joh. 14,6
4: Timoth. 2, 4.
5: Js. 49,9.
6: Matth. 5. 13.
7: Matth. 13, 3.
8: Hohel. 2, 13.
9: Ps. 72, 23.
10: Ps. 35, 7.
11: Joh. 14, 6.
12: Matth. 5, 3.
13: Matth. 13, 16.
14: Röm. 8, 33. 34.

 

 

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Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger