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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 105.

CV.

Alleluja.

Inhalt.

In diesem Psalme zählt er die Sünden des früheren Volkes auf und zeigt, wie seine Verwerfung stattgefunden hat. Es sind die Sünden aber folgende: erstens erbitterten sie ihn beim Durchgang durch das rothe Meer, indem sie sagten: „Hat er etwa, weil es in Ägypten keine Gräber gab, uns herausgeführt, um uns hier zu vernichten?“ Zweitens versuchten sie Gott in der Wüste. Drittens reizten sie Moses zum Zorne im Lager. Viertens machten sie ein Kalb am Horeb. Fünftens achteten sie für Nichts ein wünschenswertes Land. Sechstens weihten sie sich dem Beelphagor. Siebentens reizten sie ihn zum Zorne bei dem Wasser des Widerspruches. Achtens vernichteten sie die Völker nicht, deren Vernichtung ihnen der Herr befahl, sondern beteten sogar die Götzen an, so daß sie sogar ihre Kinder ihnen zum Opfer brachten.

V. l. „Bekennet dem Herrn, denn er ist gut.“ . . .

V. 3. „Selig sind, die das Gericht bewähren.“ Denn Diese sind allein würdig, von der Macht des Herrn zu reden, welche die Gerichte Gottes in den Schriften vollziehen, die Alles in Gericht und Wort ausführen und fortwährend das Gericht Gottes vor ihren Augen haben. Denn Diese sind folgerichtig auch Vollbringer der Gerechtigkeit, da sie, was gerecht ist, im Werke verrichten.

V. 4. „Gedenke unser, o Herr, im Wohlgefallen an Deinem Volke.“ Hier wird die Person der Juden eingeführt, welche flehen, daß sie an dem den Heiden verliehenen Heile Theil nehmen möchten.

V. 11. „Wasser bedeckte ihre Dränger.“ [S. 731] [“Nicht Einer von ihnen blieb übrig.“' 1] Von den Drängern nämlich. Denn der Volkshaufe, der ausgezogen war, gehörte nicht zu den Drängern, sondern zu den Gläubigen.

V. 12. „Und sie glaubten seinem Worte und sangen sein Lob.“ Denn als durch die Güte Gottes die Wellen des Meeres sich wieder vereinigt hatten, glaubten sie sogleich und sangen ihm den Gesang, den das Buch Exodus enthält. Dann ließen sie Alles in Vergessenheit gerathen. „Und sie sangen sein Lob.“ Als die Reigenführerinen mit Maria auszogen und sprachen: „Lasset uns singen dem Herrn, denn glorreich ward er verherrlicht.“ 2

V. 14. „Und sie versuchten Gott an wasserloser Stätte.“ Die Worte: „Sie versuchten Gott an wasserloser Stätte“ bedeuten: Sie reizten ihn zum Zorne sogleich nach dem rothen Meere.

V. 20. „Sie vertauschten seine Herrlichkeit mit dem Gleichniß eines Kalbes, das Gras frißt.“ Die Herrlichkeit war für sie Gott, den sie verliessen und das Kalb anbeteten.

V. 23. „Wenn nicht Moses, sein Auserwählter, in den Bruch getreten wäre.“ Da er sagte: „Wenn Du ihnen die Sünden nachlassest, so laß sie nach; wenn Du sie ihnen aber nicht nachlassest, so streiche auch mich aus diesem Deinem Buche, das Du geschrieben hast.“ 3

V. 24. „Und sie achteten für Nichts ein wünschenswerthes Land.“ Das ist die fünfte Anschuldigung nach dem rothen Meere, der Wüste, der Wuth des Moses und dem Kalbe am Horeb. Denn als die Kundschafter zurückgekehrt waren und das Land schmähten, machten sie auch die Andern abwendig ausser Jesus, dem Sohnes des Nave, und Chaleb, dem Sohne des Jephone.

V. 25. „Und sie murrten in ihren Zelten.“ [S. 732] Als die Kundschafter bei ihrer Rückkehr den Sinn des Volles verkehrten.

V. 28. „Und sie weihten sich dem Beelphagor.“ Das ist ein Götze der Ammaniter, von den Griechen Kronos geheissen.

V. 30. „Und es erhob sich Phineas und versöhnte.“ Als er die Madianitin mit dem Unzüchtigen tödtete. 4 Wir lernen aus den Worten, wie viel die Frömmigkeit eines einzigen Mannes bei Gott vermag.

V. 39. „Und sie hurten mit ihren Handlungen.“ Das lehren die Bücher der Richter und Könige, daß sie bald den Einen, bald den Andern überliefert wurden, den Moabitern, Ammanitern, Amalecitern, Madianiten, Philistern, und durch die Auslieferung gezüchtigt wurden.

V. 41. „Und es herrschten über sie, die sie haßten.“ Babylonier und Assyrier herrschten über die Israeliten, weil sie das Gesetz übertraten.

V. 43. „Oft errettete er sie. Sie aber erbitterten ihn in ihrem Vorhaben.“ Er war aus Menschenfreundlichkeit gegen sie milde; sie aber nöthigten ihn, gegen dieselben sich bitter zu zeigen. Und wieder brachte er ihm das Heil als Heiland. Sie aber kamen um, indem sie mit den Werken des Verderbens sich durchstachen, bis sie nach oftmaliger Wiederholung endlich umkamen. Das Wort „öfter“ aber verhält sich wie in der Stelle: „Wie oft wollte ich Deine Kinder versammeln?“ Die Worte: „Und sie wurden gedemüthigt in ihren Missethaten, verhalten sich, wie: „Und ihr habt nicht gewollt.“^ Denn nach verhängter Strafe wendete er sich wieder zur Milde, sie aber erwiderten ihm mit Feindseligkeiten.

V. 46. „Und er ließ ihnen Barmherzigkeit zu Theil werden im Angesichte Aller, in deren [S. 733] Gefangenschaft sie gerathen waren.“ Das sagt er wegen Cyrus, der sie von der Gefangenschaft befreite, und wegen Darius und Artaxerxes, die ihnen Geld gaben zum Tempelbau.

1: Auf die eingeklammerten Worte des Verses, die der Montfauconische Text ausläßt, bezieht sich die beigefügte Bemerkung
2: Exod. 15, 21.
3: Exod. 32, 31. 32
4: Num. 25,8

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger