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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 104.

CIV.

Alleluja.

Inhalt.

Es bedeutet Alleluja. Lob dem Unsichtbaren. Es heißt aber, daß die Engel mit diesem Worte Gott loben, wie die Cherubim rufen: Heilig, heilig, heilig. Auch das haben die heiligen Väter überliefert, die es selbst gehört haben, wie Isaias von dem Seraphim.1 Es besteht aber Alleluja aus den Theilen Al: Gott, El: kräftig, Uja: stark.

V. l. „Bekennet dem Herrn und rufet seinen Namen an, verkündet unter den Völkern seine Werke.“ In diesem Psalme befiehlt den heiligen Aposteln der heilige Geist, dem heidnischen Volke alle Wunder bekannt zu machen, die der Herr bei seiner Ankunft verrichtet hat.

V. 3. „Rühmet euch in seinem heiligen Namen.“ Ruhm und Lob gebührt nämlich denen, die die Kraft Gottes erzählen. „Es freue sich das Herz derer, die den Herrn suchen.“ Er zeigt, welch großen Nutzen das Bekenntniß bringt. Denn wenn ihr ihn suchet, will er sagen, wird Freude euern Geist erfüllen und Stärkung und Verherrlichung unserm Haupte zu Theil werden.

V. 5. „Gedenke seiner Wunder, die er gethan hat.“ Er meint die Wunder, die er gethan hat bei seiner Ankunft, sei es im neuen Bunde, sei es im alten durch Moses und die früheren Heiligen. Denn viele Wunder wirkten auch diese durch den Sohn Gottes. Er befiehlt [S. 727] ihren Verkündern., diese den Heiden mitzutheilen, da sie ihnen unbekannt sind, sowie die, welche im neuen Bunde vom Heiland geschehen sind, und alle Gerichte, die sein Mund im alten und neuen Testamente ausgesprochen hat. Befehlet ihnen, sie wie königliche Gesetze zu bewahren. „Seiner Zeichen und der Gerichte seines Mundes.“ Zeichen sind die geschehenen Wunder, wie das Wandeln auf dem Meere, die Auferweckung eines Todten und die übrigen; Gerichte seines Mundes die Reden, die er sprach bei der Austreibung der unreinen Dämonen, oder auch die Gebote des neuen Bundes.

V. 6. „Der Same Abrahams seine Knechte, Söhne Jakobs, seine Auserwählten.“2 Noch werden die Worte gleichsam an die Apostel gerichtet, so daß der Sinn ist: Da ihr der Same Abrahams und seine Knechte seid und Söhne Jakobs und seine Auserwählten seid. - denn er hat sie auserwählt, - so verkündet unter den Völkern, daß er der Herr unser Gott ist.

V. 13. „Und sie zogen von Volk zu Volk. Vom babylonischen Volk bis zum palästinischen.

V. 14. „Und er strafte Könige um ihrer willen.“ Den Abimelech wegen seiner Unenthaltsamkeit gegen Sara. 3

V.15. „Tastet nicht an meine Gesalbten.“ Gesalbte werden Männer genannt wie Abraham, weil sie der Erscheinung des Wortes Gottes in Gesichten gewürdigt worden sind.

V. 16. „Und er rief den Hunger in das Land.“ [S. 728] Der Heilsordnung entsprechend veranlaßte er den Hunger damit sie wegen desselben nach Ägypten zögen und, nachdem sie sich vermehrt, das Land der Verheissung in Besitz nähmen. „Er zerbrach alle Stütze des Brodes.“ Das pflegt durch den Zorn Gottes bei einer Hungersnoth zu geschehen daß die Menschen keine Stütze durch das Essen erlangen.

V. 19. „Bis sein Wort eintraf.“ Er meint die Erfüllung der Träumet.4 Er sagt also, daß er sich so lange im Kampfe für seine Seele unter Thränen abhärmte, bis die Zeit für die Träume kam, sie zu erfüllen.

V. 22. „Zu „unterrichten seine Fürsten wie sich selbst.“ Ähnlich ist: „Kommt nicht von Gott ihre Erklärung ? „ 5 Denn er hätte die Träume dem Pharao nicht auslegen können, wenn nicht Gott es ihm verliehen hätte, sie zu verstehen.

V. 23. „Und es kam Israel nach Ägypten, und Jakob wurde ein Fremdling im Lande Chams.“ Die Söhne Noes waren Sem, Cham und Japhet. Des Cham Sohn war Chanaan. Des Letztern Sohn Mestraim 6 bedeutet übersetzt Ägyptus, von dem das Land den Namen führt. Da also Jakob nach Ägypten kam, so war es natürlich, daß Cham, der Großvater des Mestraim, in Ägypten sich niedergelassen habe, während Chanaan in Palästina wohnte. Durch Israel und Jakob aber, der nach Ägypten kam, werden auch seine Söhne bezeichnet. Denn in siebzig Seelen ging Israel nach Ägypten hinab, wie die Schrift sagt. 7 „Und Jakob wurde ein Fremdling im Lande Chams.“ Cham zeugte den Chanaan. Chanaan den Me- [S. 729] straim, der übersetzt Ägyptus bedeutet. Deßhalb nennt er Ägypten Chams Land, da es das Land des Enkels Chams ist.

V.24. “Und er vermehrte sein Volk überaus.“ In solchem Maß, daß Pharao, der den Joseph nicht kannte, sagte: „Sieh, jetzt ist das Volk zahlreich und ist stärker als wir.“ 8 Sie hätten sich aber nie vermehrt und wären nie stark geworden, wenn ihnen nicht der Schutz Josephs und die Gunst des Pharao zu Theil geworden wäre.

V.25. „Er verwandelte sein Herz, sein Volk zu hassen.“ Da sie in Folge der Achtung, die ihnen von den Ägyptiern zu Theil wurde, in den gleichen Götzendienst verfielen, deßhalb bewirkte er, daß man sie haßte und ihnen schwere Arbeiten auflegte, damit sie von Unglück bedrängt ihre Zuflucht zu Gott nähmen und zur Erfüllung der dem Abraham gemachten Verheissung sich eine Gelegenheit darböte.

V. 26. „Er sendete Moses, seinen Knecht.“ Denn nur dem Moses und Aaron enthüllte er durch das Wort das Zeichen mit dem Blute und die übrigen. 9

V. 28. „Er sendete Finsterniß und machte es finster.“ Denn die Ägyptier verließen den Schöpfer und dienten den Geschöpfen. Deßhalb strafte er sie durch die Geschöpfe selbst, nämlich durch Luft, Feuer, Erde und Wasser.

V. 29. „Er verwandelte ihr Wasser in Blut.“ Denn nicht die Farbe des Wassers allein, sondern sogar die Beschaffenheit des Geschmackes verwandelte er, so daß alle Gattungen der Fische umkamen. [S. 730]

1: Is. 6, 3.
2: Im Griechischen steht hier xxxxx , seines Auserwählten, wie auch zuvor xxxxx, des Sohnes Jakobs. Da aber in der folgenden Erklärung die herkömmliche Leseart zu Grunde gelegt wird, so ist nicht anzunehmen, daß Athanasius davon abgewichen sei.
3: Diese Bemerkung beruht auf einer Vermengung von Genes. 12, 14. 16 und 26, 7-10.
4: Es ist in V.17 und 18 vom Verkaufe und der Gefangenschaft Josephs in Ägypten die Rede.
5: Genes. 40, 8.
6: Nach Genesis 10, 6 war Mestraim ein Sohn Chams Bruder Chanaans. Daß Cham sich in Ägypten niedergelassen habe, ist nicht buchstäblich zu fassen.
7: Genes. 46, 27
8: Exod. 1, 9.
9: V. 27.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger