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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 103.

CIII.

Von David, über die Erschaffung der Welt. Ohne Ausschrift bei den Hebräern.

Inhalt.

Nachdem er im vorhergehenden Psalme das Volk, daß den [S. 719] Glauben annahm, belehrt hat, Gott die Lobgesänge darzubringen, so belehrt er es im gegenwärtigen, wie groß seine Vorsorge für Alles sei, da er nicht nur für das Vorsorge trägt, was im Himmel und in der Luft ist, sondern auch für die geringsten irdischen Dinge, so daß er selbst die geringsten lebenden Wesen nicht unbeachtet läßt, sondern auch für diese sorgt.

V. l. „Preise, meine Seele, den Herrn.“ Er lehrt, auch wegen der großen Fürsorge Gottes Gott mit seiner Seele zu preisen, wie im vorhergehenden wegen der Befreiung von den Sünden. „Herr, mein Gott, Du bist überaus groß.“ Indem wir auf Deine Fürsorge schauen, o Herr, staunen wir die Größe Deiner Fürsorge an und verherrlichen sie. Denn so zieht er unser Bekenntniß und unsere Zierde, das heißt die Lobpreisung und Verherrlichung wie ein Kleid an.

V. 8. „Umhüllt mit Licht, wie mit einem Kleide.“ Vom geistig wahrnehmbaren Lichte beginnt er ihm den Lobgesang zu winden. Wie aber anderswo gesagt ist, daß er unzugängliches Licht bewohne, so heißt es hier, daß er mit eben diesem Lichte umhüllt sei.

„Der Du den Himmel ausspannst wie ein Fell.“ Als zweites Werk der Vorsehung wird das hingestellt, daß der Himmel wie irgend ein dehnbarer Gegenstand in den Händen des Künstlers ausgedehnt werde. Er drückte zugleich die Würde und Gewandtheit des Schöpfers aus. Wie es nämlich für einen Menschen leicht ist, ein Fell auszuspannen, so ist es auch für Gott leicht, den Himmel zu machen, wenn er noch nicht ist. Zugleich wies er auf einen anderen erhabenen Gedanken hin, daß wir zu einem anderen Leben wandern, und daß die Gegenwart ein Schatten der Zukunft ist und wir noch nicht in das innerste Heiligthum gelangt sind, sondern uns noch im Zelte, dem gegenwärtigen Leben, befinden. Denn das Zelt gehört zu dem, was aufgehoben wird, Und bald darauf. So wird auch im veränderten [S. 720] Himmel eine andere Lebensweise sein und ein besseres Loos als das gegenwärtige. Denn es wird der Himmel neu und die Erde neu sein. Wollen wir aber hören, was die Propheten vom Himmel sagen, damit wir denen den Mund verstopfen, welche auf ihren Bart stolz sind, die sprechen, was ihnen einfällt, und behaupten, daß der Himmel unter der Erde sei. Gegen Diese erhebt sich der Prophet, mit den Worten: „Der Du den Himmel ausbreitest wie ein Fell.“ Der Himmel ist nicht eine Kugel, wie sie schwätzen, sondern gleicht nur einer Rundung und einer Halbkugel, wie das auch ein anderer Prophet aussprach: „Der den Himmel wie ein Gewölbe aufgerichtet hat, um zu wohnen auf der Erde.“1 Und wieder: „Er wankt nicht, sondern steht fest.“ So spricht der Prophet: „Der den Himmel befestigt hat.“ Und indem er seine Dünnheit bis an die äusserste Grenze darstellte, sprach er: „Der Himmel wurde wie Rauch befestigt.“ 2

V. 3. „Der Du seine oberen Theile mit Wasser bedeckst.“ Er zeigt, daß nicht durch Zufall die Wassermassen sich in der Luft bewegen; denn er selbst leitet durch seine eigene Vorsehung die Dinge, so daß durch die gute Zusammenfügung der Wolken die Theile des Himmels bedeckt zu sein scheinen.3

„Der die Wolken zu seinem Fahrzeuge macht.“ Deutlicher ausgedrückt würde es heißen: „Der sogar bis in die Wolken seine Vorsehung ausdehnt.“ Denn Fahrzeug hat er für Vorsehung gesetzt. „Der wandelt auf den Flügeln der Winde.“ Er spricht aus, daß auch die Winde nicht zufällig wehen, sondern daß er gleichsam ihr Lenker ist, in dem er auf ihren Flügeln wandelt.

V. 4. „Der seine Engel zu Winden macht. Der die Engel, will er sagen, leicht und schwebend macht. [S. 721] „Und seine Diener zu brennendem Feuer.“ So sah Moses in einer Feuerflamme den Engel, der zu ihm redete.

V. 5. „Der die Erde gründete auf ihrer Grundfeste.“ Nachdem er die Fürsorge des Schöpfers für den Himmel gezeigt hat, geht er auf seine Fürsorge für die irdischen Dinge über, darauf eben, daß die Erde, obschon hart und schwer, auf die nasse Substanz gesetzt worden sei. 4

V. 6. „Der Abgrund war ihre Hülle wie ein Kleid.“ Er meint, des Elementes der Erde. Er will sagen, daß er die Erde mit dem Abgrund wie mit einem Kleide umgab, indem er sie von aussen ganz mit Wasser umgab. „Auf den Bergen werden die Wasser stehen.“ Wie Berge, will er sagen, steigen die Wasser des Abgrunds empor und erheben sich, gleich als drohten sie, die Erde zu überschwemmen. Aber auf Deinen Wink und durch Deine Kraft, die durch den Donner bezeichnet wird, weichen sie zurück, sagt er. 5 Oder vielleicht will er sagen, daß die Donner deßhalb erdröhnten, damit die Wasser des Abgrundes erschrecken sollten vor dem, was vorging. Wenn aber diese das zu dulden haben, so muß so Etwas noch viel mehr uns begegnen.

V. 8. „Es steigen Berge empor und sinken die Ebenen hinab.“ Die sich erhebenden Wasser, will er sagen, kann man mit Bergen vergleichen, aber durch die Furcht vor Dir wieder zur Ruhe gebracht, werden sie wieder wie eine Ebene und wie flaches Land. Du hast ihnen nämlich einen Punkt festgesetzt, den sie nicht überschreiten können, und das bedeuten die Worte:

V. 9. „Du setztest ihnen eine Grenze, die sie nicht überschreiten werden.“. Deßhalb können sie auch die Erde nicht überschwemmen. Ähnlich ist auch, was der Prophet zum Meere gesprochen hat: „Hier wirst [S. 722] du stehen bleiben und nicht weitet gehen, sondern es werden in dir deine Wogen zerbrechen.“ 6

V. 10. „Zwischen den Bergen werden die Wasser hinlaufen.“ Im Einzelnen behandelt und verherrlicht er die Vorsehung und bewundert die weise Güte Gottes, der auch für die Erhaltung der unvernünftigen Thiere sorgt. Denn nachdem er sie ins Dasein gesetzt hat, nährt und tränkt er sie auch. Daher spaltete er die Berge und bereitete den Wassern einen Durchgang.

V. 11. „Trinken werden alle Thiere des Feldes.“ So sorgt er auch für die unvernünftigen lebenden Wesen, für die kriechenden und wilden Thiere, daß er auch diesen die Nothdurft des Lebens verschafft. „Es werden sich die Waldesel sehnen in ihrem Durste.“ Auch das ist ein Werk Deiner Vorsehung, daß nicht nur wegen der Schönheit der Ströme in den Schluchten und an den blühenden Plätzen Wasser fließt, sondern auch mitten in den Bergen, damit die sanfteren von den wilden Thieren sich dahin flüchten und an einer reizenden Stelle ausruhen.

V. 13. „Der die Berge bewässert von seinen Höhen herab.“ Er bewässert nämlich Berge und Ebenen, nicht von den Quellen in den Thalschluchten oder von den Flüssen, die die Erde durchschneiden, sondern indem er von oben den genügenden Regen gewährt. „Von der Frucht Deiner Werke wird die Erde gesättigt werden,“ Wie er den Bedarf des Wassers gewährt hat, so verschaffe er auch Nahrung von der Erde.

V. 14. „Der Gras wachsen läßt für das Vieh und Kraut dem Dienste der Menschen. 7Dienst der Menschen nennt er die zahmen Thiere, wie Ochs, Esel und ähnliche. „Daß er Brod hervorbringt aus [S. 723] der Erde.“ Deßhalb, will er sagen, sorgtest Du für das Vieh, damit wir, indem wir es zum Landbau benützen, die Lebensmittel finden. Denn unsertwillen spendet er alle diese Wohlthaten.

V. 16. „Es werden gesättigt werden die Bäume des Feldes.“ Er erklärt, daß die Bäume, die im Walde wachsen, wie Cedern und ähnliche, auf seinen Wink wachsen werden. Es sind diese zu sehr vielen anderen Zwecken entstanden, die uns bekannt sind, sowie auch zu Nestern der Sperlinge.

V. 17. „Das Haus des Reihers geht ihnen voran.“ Es geht diesen Sperlingen voran, will er sagen, nämlich das Nest des Reihers, weil sie auf den höchsten Bäumen sich niederlassen und ihr Nest bauen, wie vorzugsweise auf Fichten, den höchsten aller Bäume.

V. 18. „Die Berge für die Hirsche.“ Auch den Hirschen, will er sagen, hat er die Berge zur Zuflucht gegeben, daß sie vor den wilderen Thieren dorthin sich flüchten. „Der Fels eine Zuflucht für die Hasen.“ Wie er die Berge den Hirschen zur Rettung anwies, so auch die Felshöhlen den Hasen. Durch diese gerettet sprachen sie daher im Vorhergehenden: „Mitten aus den Felsen werden sie ihre Stimme vernehmen lassen.“' 8 Sie preisen nämlich ihren Retter.

V. 19. „Er machte den Mond für die Zeiten.“ Er geht wieder auf die Vorsorge am Himmel über. Er sagt aber, daß der Mond für nichts Anderes entstanden sei, als um die Monate und Tage zu zählen und zu erkennen. „Die Sonne erkannte ihren Untergang.“ Auch sie gehorcht dem göttlichen Befehle.

V. 20. „Du machtest Finsterniß, und es, wurde Nacht.“ Das sagt er, damit wir nicht glauben, daß es einen anderen Schöpfer des Tages und einen andern der Nacht gebe. [S. 724]

V.23.“Gehen wird der Mensch an sein Werk.“ Die Menschen waren gehindert, auf die Wege und zur Bearbeitung des Feldes zu gehen. Jetzt aber gehen sie vor der Nacht 9 fort, um von Gott Nahrung zu bekommen, da, nicht auch für sie die Erde Gras und Kraut hervorbrachte.

V. 24. „Wie groß sind Deine Werke, o Herr!“ Nachdem er über die Fürsorge zu sprechen aufgehört hat, geht er zum Lobgesange auf den Schöpfer über, um dadurch dem Gehöre eine Erholung zu gestatten. Dann wendet er sich wieder zu einem andern Theile der Fürsorge und meldet uns den Durchgang durch das nasse Element, der nie stattgefunden hätte ohne Leitung der göttlichen Fürsorge. „Alles hast Du in Weisheit gemacht.“ Das ist bewundernswerth, sowie die Weisheit, in der der Herr Alles gemacht hat. Denn Christus ist Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

V. 26. „Dieser Drache, den Du gebildet hast, seiner zu spotten.“ Der Erwähnung des Meeres fügte er bei die Erinnerung an den Drachen, indem er sagt, daß er aus keinem andern Grunde ins Dasein gerufen worden sei, als um verspottet zu werden. Und mit Recht erinnerte er bei der Erwähnung des Meeres auch an diesen, da unser ganzes Leben gleichsam bitter ist und von allen Seiten in Bewegung gesetzt und von wilden Fluthen bedrängt wird.

V. 27. „Alles wartet auf Dich.“ Seien es nämlich Menschen oder Heerden wilder Thiere oder Viehheerder, oder Schaaren kriechender Thiere, sie würden keineswegs ihre Nahrung finden, wenn nicht er die Lebensmittel ihnen gewährte. [S. 725]

V. 29. „Du wirst wegnehmen ihren Geist, und sie werden vergehen.“ Er erklärt mit diesen Worten, daß er der Herr des Todes und Lebens ist.

V. 31. „Der Herr wird sich freuen über seine Werke.“ Und welches ist sein Werk? Das, welches er vollbracht hat durch die Erneuerung unserer Natur. Er zeigt nämlich mit diesen Worten die Gotteskenntniß der Menschen, die eintreten wird, wenn Gott sich freuen wird, nicht weil man ihn anbetet, sondern weil er sie gerettet sieht.

V. 32. „Der die Erde ansieht und zittern macht.“ Er fügt das allgemeine Gericht hinzu, welches Allen Furcht einflößen wird, die auf Erden sind. Denn es gibt Niemand, der dieses furchtbare göttliche Gericht nicht fürchtet. „Der die Berge anrührt, und sie rauchen.“ Berge nennt er die feindlichen Mächte, die er zur Zeit des Gerichtes in Brand stecken wird, wovon der Rauch das Sinnbild ist.

V. 34. „Es möge ihm gefallen meine Rede.“ Meine Rede. 10 das heißt meine Wahl. 11 Er meint, was er erwählt hat, daß er nun Gott preisen will, was auch dem Gepriesenen selbst gefallen wird.

V. 35. „Mögen verschwinden die Sünder von der Erde.“ In jener Zeit nämlich. Denn sie werden hören: Weichet von mir, ihr Verfluchte, ins ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist. 12 .Und die Gottlosen, daß sie nicht mehr sind.“ Das heißt, sie werden aus der Zahl derer verschwinden, die Gott preisen. „Preise, meine Seele, den Herrn.“ Er nämlich wird sie vom Antheil der Bösen entfernen und verschafft ihnen den Antheil der Heiligen. [S. 726]

1: Js. 40,22.
2: Js. 51,6.
3: Zu dieser eingeklammerten Stelle bemerkt Montfaucon am Rande, daß sie nicht von Athanasius zu sein scheine.
4: Vgl. I. V. S. 82. A. 1.
5: V. 7.
6: Joh. 38, 11
7: Gewöhnlich wird übersetzt: „zum Dienste der Menschen.“ Athanasius aber versteht unter Dienst der Menschen hier die Hausthiere, die dem Menschen dienen. Vgl. Ps. 146, 8.
8: V. 12. Die Stelle ist corrupt
9: Im Montfauconischen Text heißt es xxxxx ohne Präposition. Ich nehme an, daß vor xxxxx die Präposition xxxxx zu ergänzen sei, weil sonst die Erklärung des Athanasius dem Wortlaut und dem ganzen Zusammenhang der Stelle widersprechen würde. Montfaucon hat xxxxx unübersetzt gelassen.
10: xxxxx
11: xxxxx
12: Matth. 25, 41.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger