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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 102.

CII.

V. 1. Ein Psalm Davids.

Inhalt.

Das neue Volk der Heiden wird in diesem Psalme belehrt, Gott zu preisen, der ihm große Wohlthaten erwiesen hat. Es sind aber die Wohlthaten die Vernichtung der Sünde und der Ruhm der Auferstehung.

V. I. „Preise, meine Seele, den Herrn.“ Er [S. 716] ermuntert sich selbst zum Lobgesang, indem er die Lobpreisung Gottes als ein treffliches Mittel seiner Rettung anwendet. Insoweit aber Gott am Volke Barmherzigkeit üben sollte, wird er wegen der Gerechtigkeit im Gerichte verherrlicht, indem er es vom Verderben befreit und ihm das Himmelreich verleiht, so daß der vorliegende Lobgesang auf Alle paßt. „Und Alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen.“ Durch das, was in ihm ist, gibt er zu erkennen, daß man Gott aus ganzem Herzen, aus allen Kräften und aus ganzem Gemüthe anrufen müsse.

V. 2. „Preise, meine Seele, den Herrn.“ Er fährt fort, sich zum Lobgesange aufzumuntern, indem er weiß, daß er das für seine großen Wohlthaten schuldig sei. Denn wer sich an die göttlichen Wohlthaten erinnert, wird nicht aufhören, diesen Lobgesang anzustimmen. „Und vergiß nicht alle seine Gutthaten.“ Er hat uns nämlich für die großen Sünden, die wir begingen, Güte, Barmherzigkeit und Erbarmungen erwiesen. Diese muß man nicht vergessen.

V. 3. „Der allen Deinen Missethaten gnädig ist.“ Das sind die Gutthaten Gottes gegen uns, daß er uns erstens Gnade erwies für unsere Sünden, zweitens unsere Schwächen heilte, drittens unser Leben vom Verderben rettete und die Sünde beseitigte, viertens durch seine Liebe zu den Menschen, seine Barmherzigkeit und seine Erbarmungen uns mit der Gnade der Annahme an Kindes Statt krönte, fünftens uns mit den geistigen Gütern überhäufte, indem er uns sich selbst als Brod des Lebens gab.

V. 5. „Es wird erneuert werden Deine Jugend, wie die eines Adlers.“ Gott erneuert durch die Wiedergeburt unsere Jugend, wie die eines Adlers, er deutet uns die Gnade der Auferstehung an, mit einem Adler aber verglich er die Erneuerten, der unter allen Vögeln am Höchsten fliegt und der königlichste ist und allein mit festem ungetrübtem Auge in die Strahlen der Sonne schauen kann.

V. 6. „Der Herr übt Barmherzigkeit und Ge- [S. 717] richt an Allen, die Unrecht leiden.“' Dieser Herr, will er sagen, der durch seine Barmherzigkeit uns die genannten Gnaden erwiesen hat, dieser ist es, der einst ein gerechtes Gericht gerichtet und die Söhne Israels aus Ägypten befreit und dem Moses und dem ganzen Volke die Kenntniß seiner Gebote verschafft hat.

V. 8. „Der Herr ist gnädig und barmherzig.“ Das war nämlich und ist noch jetzt Ursache dieser Wohlthat, da auch Moses sagt: „Der Herr ist langmüthig und von großer Barmherzigkeit und wahrhaft und erweist Barmherzigkeit gegen Tausende.“ 1 Diese seine Kräfte also, die Wege genannt werden, und die Vollkommenheiten, in denen er Alles ordnet, machte er dem Moses bekannt.2

V. 9. „Er wird nicht ewig zürnen.“ Wenn er auch, will er sagen, wegen der Übertretung Adams zürnte und das Geschlecht zum Tod verurtheilte, so läßt er den Zorn nicht ewig währen. Denn er ließ in den letzten Zeiten sein Licht leuchten, um dem Verderben zu steuern.

V.14.“Denn er kannte, wie wir gebildet sind.“ Als mit seinem Gebilde und mit den Werken seiner Hände hat er mit uns Mitleid gehabt.

V. 17. „Aber die Barmherzigkeit des Herrn von Ewigkeit.“ Ähnlich ist: „Und ich erweise Barmherzigkeit gegen Tausende, denen, die mich fürchten.“ ^ 3

V. 18. „Und seine Gerechtigkeit gegen die Kindeskinder, denen, die seinen Bund halten.“ Denn da er heilig ist, ruht er in den Heiligen, nämlich in den Mächten der Engel.

V. 19. „Der Herr bereitete im Himmel seinen Sitz.“ Er ruht, will er sagen, bei den himmlischen Geistern. Auch das aber, was auf der Erde ist, ist von seinem [S. 718] Reiche nicht getrennt. Er nämlich ist es, der als Gott über Alles Macht hat. „Und sein Reich hat Macht über Alle.“ Es heißt aber, daß er über Alles Macht habe, nicht, daß er über Alles herrsche, weil nicht Alle seiner Herrschaft würdig sind. Deßhalb verhieß der Heiland denen, die das Evangelium zur Richtschnur ihres Lebens nehmen, das Himmelreich. Es herrscht aber der Herr über die, welche es würdig sind.

V. 20. „Preiset den Herrn ihr alle seine Engel.“ Er belehrt das Volk, das den Glauben annimmt, daß der, welcher den Lobgesang darbringt, die nämliche Würde wie die Engel haben wird. Wenn nämlich das ihr Dienst ist, daß sie Gott loben und verherrlichen, und die Seele den Auftrag erhält, eben das zu thun, nämlich immer zu preisen und zu verherrlichen, so erlangt sie offenbar die nämliche Würde. Denn die die nämliche Beschäftigung haben, haben auch die nämliche Würde.

V. 21. „Preiset den Herrn, alle seine Mächte.“ Nicht bloß die Engel werden zur Lobpreisung eingeladen, sondern auch andere himmlische Ordnungen, seien es Throne, Fürstentümer, Mächte, Herrschaften. Alle diese Ordnungen deutet er uns unter den Mächten an.

1: Exod. 34,6.
2: Es ist hier auf V.7. Bezug genommen: „Er hat dem Modes kund gethan seine Wege.“
3: Deuter. 5,10.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger