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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 100.

C.

V. 1. Ein Psalm Davids.

Inhalt.

In diesem Psalme beschreibt er uns den vollkommenen Menschen, der nach Gott lebt, und lehrt uns, was für eine Lebensweise die führen müssen, welche Verlangen tragen, der Herrschaft des Himmels theilhaftig zu werden.

V. l. „Barmherzigkeit und Gericht werde ich Dir singen, o Herr.“ Da ich, will er sagen, alle diese uns erwiesenen Wohlthaten, die ich kenne, stets im Munde führe, so wird ein Gericht verliehen werden, das heißt ein gerechtes Gericht. Denn er verschaffte uns Recht gegen unsere Feinde.

V. 2. „Ich werde lobsingen und Acht haben auf einen unbefleckten Weg.“ Ich werde den Lobsang singen, sagt er, wie wenn er deutlicher sagte: Ich werde nicht aufhören zu lobsingen, meinen Weg untadelig zumachen und auf Deine Ankunft, o Herr, zu warten. Denn wir müssen wohlgerüstet sein auf die Ankunft des [S. 709] Herrn. Eine so große Reinheit hat nämlich dieser bewunderte Mann sich erworben, daß er freimüthig zu Gott rief: „Wann wirst Du zu mir kommen?“ Es ist, wie wenn er sagte: „Ich habe Dir eine anständige Königsburg hergerichtet, ich sehne mich nach Deiner Ankunft, o Herr, ich sehne mich nach Deinem Erscheinen, stille meine Sehnsucht. „Ich wandelte in der Unschuld meines Herzens, in der Mitte meines Hauses.“ Kein ungerechter Gedanke, will er sagen, wohnte in mir, sondern ganz in mir selbst wandelte ich in Reinheit einher. „Ich haßte die Übertreter.“ Denn man muß sich nicht nur vom Bösen enthalten, sondern auch die von sich weisen, die Solches thun.

V.4. „Nicht hing mir an ein verkehrtes Herz.“ Die Anschläge des Teufels, da sie nichts Gerades haben, sind verkehrt und krumm. Diese habe ich niemals in mein Herz aufgenommen. „Wenn der Böse von mir abwich, bemerkte ich es nicht.“ Bis zu dem Grade, will er sagen, achtete ich die Bösen für Nichts, daß ich ihre Anwesenheit und Abwesenheit nicht wußte. Darum bemerkte ich es nicht, wenn sie sich entfernten, ich bemerkte ja auch ihre Anwesenheit nicht, wenn sie anwesend waren. Es ist aber ein Beweis eines auf Gott gerichteten Sinnes, daß man auf die irdischen Dinge keinen Werth legt wegen der Hingebung an die himmlischen.

V. 5. „Wer heimlich seinen Nächsten verleumdete, den verfolgte ich.“ Heimliche Anklagen nahm ich nicht an, sondern ich trieb die fort, die das zu thun versuchten. „Mit dem, der stolzen Auges und unersättlichen Herzens ist, aß ich nicht.“ Die der Prahlerei und Habsucht sich ergaben, machte ich fürwahr nicht zu meinen Tischgenossen.

V. 6. „Meine Augen auf die Treuen des Landes, daß sie bei mir sitzen.“ Antheil nahmen an meinem Sitze und Rathe, die mit Treue geschmückt sind und das Göttliche hoch schätzen. Die aber nicht diese Eigenschaften haben, sondern eine entgegengesetzte Gesinnung hegen, in Stolz nämlich, in Ungerechtigkeit und Geringschätzung, [S. 710] die wies ich weit von mir weg, so daß ich sie nicht mehr um mich sah. 1

V. 8. „In der Frühe tödtete ich alle Sünder des Landes.“ Sünder nennt er die bösen Gedanken, die er in den Morgengebeten, sowie durch den beständigen Verkehr mit Gott im Zaume hielt. „Um auszurotten aus der Stadt des Herrn alle Übelthäter.“ Stadt des Herrn nennt er die heilige Seele, wie es heißt: „Herrliches ward von Dir gesagt. Stadt Gottes!“ 2

1: V. 7.
2: Ps. 86, 3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger