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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Brief an Marcellinus über die Erklärung der Psalmen (Epistula ad Marcellinum)
Brief an Marcellinus

27.

Das ist das Gepräge des Buches der Psalmen. Es hat zum Nutzen der Menschen theils Psalmen, um die Bewegungen jeder Seele zu läutern, in den übrigen aber über das Erscheinen unsers Herrn Jesus Christus im Leibe häufige Prophezeiungen, wie ich schon gesagt habe. Warum aber solche Reden in metrischer Form und mit Gesang vorgetragen werden, auch das dürfen wir nicht übergehen. Denn einige Einfältige unter uns sind, obschon sie glauben, daß die Worte von Gott eingegeben seien, doch der Meinung, daß die Psalmen des Wohlklanges wegen, und um die Ohren zu ergötzen, metrische Form haben. Es verhält sich aber nicht so. Denn nicht hat es die Schrift darauf abgesehen, ein Vergnügen zu bereiten und hinzureissen, sondern auch diese Form ist zum Nutzen der Seele gewählt, zwar in jeder Hinsicht, vorzugsweise aber aus folgenden zwei Gründen. Erstens, weil es für die göttliche Schrift geziemend war, Gott nicht bloß in ungebundener Darstellung, sondern auch im erhabenen Stile zu lobpreisen. In ununterbrochener Rede ist nun dargestellt, was im Gesetze und in den Propheten vorkommt, sowie alle geschichtlichen Theile mit dem neuen Testament. Erhabener Vortrag aber herrscht in den Psalmen, Liedern und Gesängen. Auf diese Weise soll erreicht werden, daß die Menschen Gott aus allen Kräften und mit ihrem ganzen Vermögen lieben. Zweitens wie eine Harmonie, wenn sie die Flöten verbindet, einen einzigen zusammenstimmenden Laut bewirkt, in gleicher Weise will auch die Vernunft, da in der Seele verschiedene Bewegungen enthalten sind und in ihr das Denken, das Begehren, der Groll sich befinden, und von deren Bewegung die Thätigkeit der Glieder des Leibes ausgeht, daß im Menschen kein Mißton sei, und daß er nicht mit sich selbst in Zwiespalt liege, so daß er seine Gedanken auf das Beste richtet, das Schlechte aber thut, wie Pilatus, welcher sagte: „Ich finde [S. 361] keine Schuld des Todes“ 1 an ihm, aber den Juden willfuhr, oder nach dem Schlechten Verlangen hat, aber es nicht vollführen kann, wie die Greise in Betreff der Susanna., 2 oder auch keinen Ehebruch begeht, aber einen Diebstahl, oder kein Dieb ist, aber ein Mörder, oder kein Mörder, aber ein Gotteslästerer.

1: Luk. 23, 22.
2: Daniel 13.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger