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Apologeten, Frühchristliche - Vom Irrtum der heidnischen Religionen (De errore profanarum religionum)

16. Kult der fünf Minervae

1. Wenn wir darüber nachlesen, so berichtet uns das Altertum von fünf Minerven. Die eine ist die Tochter des Vulcan, welche Athen gegründet hat, welcher aus den Landorten eine Bauernschar das Geleite gegeben hat zu einer städtischen Lebensordnung. Eine andere war in Ägypten Tochter des Königs Nilus, Lehrmeisterin der Webekunst. Die dritte weiterhin entstammte dem Saturn als Vater, aber nach den Berichten war sie eine mannhafte Jungfrau. Denn niemals hielt sie sich in zarter Scheu, wie es dem weiblichen Geschlechte geziemt, sondern ging immer Waffen, Kampfgetöse und blutigen Kriegsliebhabereien nach. Die vierte war die Tochter des Königs Jupiter von Kreta, welche dem Vater die Ermordung des Liber anzeigte. Die fünfte wurde von Pallas als Vater und von einer Titanidin zur Welt gebracht; sie ward nach dem Namen des Vaters benannt und so von den Menschen bezeichnet. 2. Sie brachte in Wahnsinn und vatermörderischer Raserei und von unsinniger Tollheit angetrieben, ihren Vater Pallas auf grausame Todesart ums Leben; doch nicht zufrieden mit der bloßen Ermordung des Vaters, schmückte sie sich, um noch länger aus ihren Schandtaten Nutzen zu ziehen und in noch grausamerer Weise über den Tod ihres Vaters zu frohlocken, mit der Waffenrüstung seines Körpers, um den schändlichen Vatermord noch mit grausiger Prahlerei zur Schau zu tragen. Auf ihren Namen ist -- o Greuel -- das Palladium geweiht worden, das ist die Pallas, welche verehrt wird, das ist sie, welche nach der Priestersatzung aufbewahrt wird; deren Schandtat hätte streng verurteilt werden sollen, ihr Bild wird demütig verehrt. Legt Feuer an, steigert die Flammen, damit es bei euren täglichen Opfern zu brennen lerne. Denn was anderes verdient die Vatermörderin, als daß sie in fortdauernden unaufhörlichen Flammen schon vor dem Urteilsspruch Gottes täglich durch Racheflammen versengt werde. 3. Grabstätten sind sie zu nennen, allerheiligste Kaiser, nicht Tempel. Als Scheiterhaufen von Elenden sind sie eher zu erklären. Denn zu Ehren verlorener Menschen hat erbärmliche Menschenknechtschaft Tempel an Stelle von Grabstätten errichtet. Hier wird die Asche verbrannter Leichen aufbewahrt, hier werden die Aschenreste von Toten nach gottloser Anordnung geborgen, damit die herben Todesfälle in täglichem Opferblut neu in Erscheinungsform treten, damit das traurige, klägliche Ende von neuem in jährlichen Klagen erstehe, damit das zur Ruhe gebrachte Weinen durch neues Geheul wieder erregt werde, damit unseliger Menschensinn Vatermord oder Blutschande oder Ermordungen infolge der heiligen Gebräuche zu verehren und nachzumachen lerne. 4. Von Grund aus müssen solche Dinge, allerheiligste Kaiser, ausgemerzt und vernichtet werden und sollen durch schärfste Gesetze und Erlasse eurerseits geändert werden, damit nicht länger dieser verhängnisvolle irrige Wahn den römischen Erdkreis beflecke, damit nicht diese ruchlosen, verpestenden Gebräuche erstarken, damit nicht länger, was immer einen Mann Gottes zu verderben sucht, auf der Erde herrsche. Sie wollen zwar nicht und leisten Widerstand und verlangen in hastiger Gier nach ihrem Verderben. Doch kommt den Elenden zu Hilfe, bewahret sie vor dem Untergang. Dazu hat euch der höchste Gott die Regierung anvertraut, daß durch euch der Streich dieser Wunde geheilt würde. Wir kennen die Gefahr ihrer Freveltat, bekannt sind uns die Strafen für den Irrwahn, aber besser ist, daß ihr sie gegen ihren Willen befreit, als daß ihr sie nach ihrem Willen dem Verderben überlasset. 5. Die Kranken erfreut, was ihnen nachteilig ist, und wenn den Leib des Menschen ein Übelbefinden ergriffen hat, fordern die Leidenden ihrer Wohlfahrt entgegen Verkehrtes. Der befangene Sinn wünscht immer infolge krankhaften Gebrechens Förderungsmittel der Erschlaffung, verachtet und verschmäht die Mittel der Heilkünstler, weist die medizinischen Hilfsmittel zurück und eilt mit hastiger Gier in sein Verderben. Wenn dann das Übel der Krankheit stärker angewachsen, werden stärkere Heilmittel gesucht, und zum Heil des Menschen setzt sich die sorgsam bereitete Arznei kräftiger zusammen. Rauhe Kost, bittere Tränke werden gegen Willen eingegeben, und wenn das Übel angewachsen, wird Feuer und Eisen angewandt. So bekennt dann der Mensch mit festem Urteil nach wiedererlangter Gesundheit und wiedergewonnenem Wohlbefinden, daß alles, was er gegen Willen an seinem gebrechlichen und kranken Leibe erduldet hat, zu seinem Nutzen geschehen ist.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger