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Apologeten, Frühchristliche - Octavius

XXXVII.

1. Welch ein herrliches Schauspiel ist es für Gott, wenn der Christ mit dem Schmerze ringt, wenn er gegen Drohung und Todesstrafe und Marter den Kampf aufnimmt, wenn er das Rasseln der Todeswerkzeuge und das Entsetzen vor dem Henker lächelnd mit Füßen tritt, wenn er Königen und Fürsten gegenüber seine Freiheit hochhält, Gott allein, dem er zugehört, gehorcht, wenn er selbst triumphierend und siegreich den, welcher gegen ihn das Urteil gesprochen, herausfordert! Denn Sieger ist, wer sich am Ziel seines Strebens findet. 2. Welcher Soldat wird nicht unter den Augen seines Feldherrn kühner der Gefahr entgegentreten. Denn nur wer sich bewährt, erhält einen Preis Und doch kann der Feldherr das nicht geben, was er nicht hat: er kann das Leben nicht verlängern, kann nur militärische Auszeichnungen geben. 3. Der Streiter Gottes aber sieht sich im Schmerz nicht verlassen und wird durch den Tod nicht vernichtet. So kann der Christ zwar unglücklich scheinen, aber es nicht in Wirklichkeit sein. Ihr selbst erhebt ja Unglücksmänner zum Himmel, wie Mucius Scaevola, der bei den Feinden zugrunde gegangen wäre, nachdem er hinsichtlich der Person des Königs sich getäuscht, hätte er nicht seine Rechte geopfert. 4. Aber wie viele von uns haben nicht bloß ihre Rechte, sondern ihren ganzen Körper versengen und verbrennen lassen ohne einen einzigen Schmerzenslaut, obwohl sie es in ihrer Gewalt hatten, Freilassung zu erlangen. 5. Doch was vergleiche ich Männer mit Mucius oder Aquilius oder mit Regulus? Bei uns spotten Knaben und schwache Frauen der Kreuze und Foltern, der wilden Tiere und aller Schrecknisse der Hinrichtung mit himmlischer Ausdauer im Schmerz. 6. Und doch seht ihr nicht ein, ihr Unseligen, daß es niemand gibt, welcher grundlos eine Strafe ertragen will oder Martern ohne göttliche Hilfe aushalten kann?

7. Oder beirrt euch die Wahrnehmung, daß solche, die von Gott nichts wissen wollen, Reichtum in Fülle haben, in Ehrenämtern glänzen, in Machtstellungen sich befinden? Die Unglücklichen werden nur dazu höher erhoben, um desto tiefer zu fallen. Sie werden wie Opfertiere zur Abschlachtung gemästet und für die Strafe bekränzt. Manche werden sogar deswegen zu Herrschaft und Macht erhoben, daß ihre ungebundene Machtwillkür nach freiem Belieben die Gesinnung ihres verderbten Herzens zu Markt tragen kann. 8. Kann denn ohne Gotteserkenntnis überhaupt ein dauerhaftes Glück bestehen, da es doch einen Tod gibt? Einem Traumgebilde gleich entschlüpft es, ehe man dasselbe erhascht. 9. Du bist ein König? Doch du mußt ebenso fürchten, wie du gefürchtet bist; wie zahlreich auch dein Gefolge ist, in der Stunde der Gefahr stehst du doch allein. Du bist reich? Aber dem Glück ist nicht wohl zu trauen und durch großes Gepäck wird der kurze Lebensweg nicht erleichtert, sondern erschwert. 10. Du rühmst dich deiner Amtsabzeichen und Ehrenkleider? Ein törichter Wahn und eitle Sorge um Ehrenämter, wenn man in Purpur glänzt, während man im Herzen schmutzig ist. Du bist von adeliger Geburt? Du brüstest dich mit deinen Ahnen? Doch wir alle bringen das gleiche Los mit auf die Welt, nur persönliche Tüchtigkeit unterscheidet uns.

11. Da wir nun nach Charakter und sittlicher Reinheit beurteilen, bleiben wir natürlich euren schlimmen Vergnügungen, Aufzügen und Schauspielen ferne, deren religiösen Ursprung wir kennen und deren gefährliche Reize wir verwerfen. Wer sollte bei den Wettspielen im Zirkus sich nicht entsetzen über den Wahnsinn, mit dem das Volk sich abzankt? bei den Gladiatorenkämpfen über die handwerksmäßige Menschenschlächterei? 12. Auch in den Schauspielen ist keine geringere Raserei und die Schändlichkeit noch zügelloser: bald erzählt und stellt ein Mime Ehebrüche dar, bald erregt ein entnervter Komödiant die Leidenschaft, während er sie bloß vormacht. Er verunglimpft zugleich eure Götter, indem er ihnen Unzucht, Jammertöne und Haßausbrüche andichtet und entlockt euch in erheucheltem Schmerz durch leeres Mienen- und Gebärdenspiel Tränen. So verlangt ihr im wirklichen Leben nach Mordszenen und beweint sie in der Einbildung.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger