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Apologeten, Frühchristliche - Octavius

XXXVI.

1. Suche sich niemand mit einem Verhängnis zu trösten oder sein Endschicksal zu entschuldigen. Angenommen, das Lebensgeschick hänge vom Zufall ab, so ist doch der Geist frei und deshalb bildet die Handlungsweise des Menschen, nicht seine Stellung, den Gegenstand des Urteils. 2. Was ist denn das Verhängnis anderes, als was Gott über einen jeden von uns bestimmt hat. Da er unseren Charakter zum voraus kennt, bestimmt er entsprechend den Verdiensten und Eigenschaften der einzelnen auch ihre Geschicke. So wird an uns nicht unser angeborenes Naturell bestraft, sondern unsere Geistesrichtung. Doch genug vom Verhängnis, wenn es auch wenig ist für jetzt; wir wollen ein anderes Mal ausführlicher und erschöpfender darüber handeln.

3. Wenn wir übrigens zum großen Teil für arm gelten, so ist das keine Schande, sondern ein Ruhm für uns. Wohlleben schwächt den Geist, Mäßigkeit kräftigt ihn. 4. Doch wie kann arm sein, wer keine Bedürfnisse fühlt, wer nicht nach fremdem Gut begehrt, wer reich ist in den Augen Gottes? Weit mehr ist der arm, welcher immer noch mehr begehrt, wiewohl er schon viel hat, 5. Doch ich möchte sagen, wie ich denke: niemand kann so arm sein, wie er bei seiner Geburt war. Die Vögel leben ohne Erbgut und das Vieh findet jeden Tag sein Futter, und doch sind diese Geschöpfe nur unsertwegen auf der Welt und wir besitzen all das, wenn wir es nicht begehren. 6. Wie nun der, welcher auf der Straße wandert, um so besser daran ist, je leichter sein Bündel ist, so ist auf dem Lebensweg glücklicher daran, wer sich durch Armut leicht macht und nicht unter der Last des Reichtums seufzt. 7. Und doch würden wir Reichtümer, wenn wir sie für nützlich hielten, von Gott erbitten. Er könnte jedenfalls uns einen Anteil davon geben; es ist alles sein Eigentum. Aber wir wollen lieber die Reichtümer verschmähen, als sie festhalten. Wir wünschen uns lieber Unbescholtenheit, bitten lieber um Ergebung, wollen lieber gut sein, als verschwenderisch.

8. Wenn wir ferner menschliche Schwächen des Körpers fühlen und darunter leiden, so ist das nicht Strafe, sondern eine Kampfesübung. Denn die Seelenstärke wird durch solche Schwächen erhöht und das Unglück ist oft genug eine Tugendschule. Ja, ohne Übung und Anstrengung erlahmen die Geistes- und Körperkräfte. Sind doch sogar eure Helden, welche ihr als Vorbilder hinstellt, sämtlich durch ihre Drangsale berühmt geworden. 9. So kann auch uns Gott zu Hilfe kommen und verachtet uns nicht, da er ja der Herr des Alls ist und die Seinen liebt. Aber in den Widerwärtigkeiten erforscht und prüft er einen jeden, in den Gefahren wägt er den Charakter der einzelnen, bis zum letzten Todesröcheln erprobt er die Gesinnung des Menschen, ohne besorgen zu müssen, daß ihm etwas entgeht. So werden wir, wie das Gold im Feuer, durch Anfechtungen geprüft.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger