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Apologeten, Frühchristliche - Octavius

XXXII.

1. Glaubt ihr aber, wir halten den Gegenstand unserer Verehrung geheim, wenn wir keine Tempel und Altäre haben? Welches Bild soll ich für Gott ersinnen, da doch im Grunde genommen der Mensch selbst Gottes Ebenbild ist? Welchen Tempel soll ich ihm bauen, da diese ganze Welt, das Werk seiner Hände, ihn nicht zu fassen vermag? Und während ich als Mensch geräumiger wohne, soll ich die Größe solcher Majestät in eine einzige Zelle einschließen? 2. Müssen wir nicht besser in unserer Seele ihm ein Heiligtum errichten, nicht lieber in unserer Brust eine Stätte weihen? Kleine und große Tiere soll ich Gott opfern, welche er doch zu meinem Nutzen erschaffen, so daß ich ihm eigentlich seine Gabe zurückgebe? Das wäre undankbar, wenn doch ein gutes Herz, ein reiner Sinn und ein unbeflecktes Gewissen ein angenehmes Opfer ist. 3. Wer also Unbescholtenheit übt, der erfleht Gottes Barmherzigkeit; wer Gerechtigkeit liebt, bringt Gott Spenden dar; wer sich von Betrug fernhält, versöhnt Gott; wer einen Menschen der Gefahr entreißt, schlachtet das beste Opfertier. Das sind unsere Opfer, das ist Gottesdienst. So gilt bei uns der Gerechteste als der Frömmste.

4. Freilich den Gott, den wir verehren, können wir weder sehen lassen noch selbst sehen. Gerade deswegen gilt er uns als Gott, weil wir ihn wahrnehmen, aber nicht schauen können, Denn in seinen Werken und in allen Bewegungen der Welt schauen wir immer seine Macht gegenwärtig , im Donner, Blitz und Wetterleuchten wie bei heiterem Himmel. 5. Darüber brauchst du dich gar nicht zu wundern, daß du Gott nicht siehst. Durch die wehenden Winde kommt alles in Bewegung, Schwingung und Antrieb, und doch kommt der Hauch des Windes nicht unter unsere Augen. In die Sonne, die doch allen das Sehen ermöglicht, können wir nicht schauen; durch ihre Strahlen wird die Schärfe des Auges geschwächt, der Blick des Anschauers wird verdunkelt, und wenn man länger hinsieht, wird die Sehkraft ganz zerstört. 6. Wie? Den Schöpfer der Sonne, den Urquell des Lichtes, sollte dein Blick ertragen können, wenn du schon vor seinen Blitzen dich abwendest und vor seinen Weiterstrahlen dich verbirgst? Du willst Gott mit fleischlichen Augen sehen, während du doch deine eigene Seele, welche dir Leben und Sprache verleiht, nicht sehen und nicht greifen kannst?

7. Du meinst, dieser Gott wisse nichts vom Tun und Treiben der Menschen und könne von seinem Thron im Himmel nicht zu allen kommen und alle kennen. O Mensch, das ist ein Irrtum und eine Täuschung. Wie kann denn Gott weit weg sein, da doch der ganze Himmel und die ganze Erde und alles außerhalb des Erdkreises von Gott erfüllt ist. Überall ist er nicht nur uns ganz nahe, sondern sogar in uns. 8. Betrachte nur noch einmal die Sonne. Sie steht am Himmel und doch ist ihr Licht über alle Länder ausgegossen; allerorts ist sie gleichmäßig gegenwärtig, dringt in alles ein und nirgends wird ihr Glanz getrübt. 9. Um so mehr ist Gott, der alles erschafft und schaut, vor dem nichts verborgen bleiben kann, gegenwärtig in der Finsternis, gegenwärtig in unseren Gedanken, gleichsam einer Finsternis anderer Art. Wir handeln nicht bloß unter seinen Augen, sondern leben, möchte ich fast sagen, mit ihm.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger