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Apologeten, Frühchristliche - Octavius

XXXI.

1. Über unzüchtige Gastmähler hat sodann die Dämonenbande eine großartige Fabel gegen uns ersonnen, um den Ruhm der Keuschheit durch Ausstreuung häßlicher Schmach zu besudeln; so wollten sie die Menschen vor der Erkenntnis der Wahrheit durch den Schrecken einer schlechten Meinung von uns abwendig machen. Auch dein Fronto z. B. hat darüber nicht ein bestätigendes Zeugnis abgelegt, sondern sich in rhetorischen Schmähreden ausgelassen. Doch solche Dinge sind eher bei euren Leuten vorgekommen. Bei den Persern gilt der geschlechtliche Verkehr mit den Müttern für erlaubt; bei den Ägyptern und Athenern sind Ehen mit den Schwestern gesetzmäßig. Eure Geschichten und Tragödien, die ihr gerne lest und hört, prahlen mit Fällen der Blutschande. So verehrt ihr auch unzüchtige Götter, die mit Mutter, Tochter und Schwester ehelich sich verbunden haben. 4. Natürliche Folge davon ist, daß man bei euch Blutschande oft trifft, immer aber zuläßt. Auch ohne Wissen, ihr Armen, könnt ihr in unerlaubte Verhältnisse geraten. Während ihr blindlings der Liebe frönt, allerorten Kinder zeugt, auch oft die im Hause geborenen Kinder fremdem Mitleid preisgebt, müßt ihr notwendig auf die eurigen zurückkommen, zu den leiblichen Kindern euch verirren. So schmiedet ihr eine Tragödie der Blutschande, auch ohne euch dessen bewußt zu sein. 5. Wir dagegen zeigen unsere Schamhaftigkeit nichts durch Äußere, sondern, durch unsere Gesinnung. Wir bleiben willig dem Bande einer Ehe treu, wissen entweder nur von einem Weibe, um unser Geschlecht fortzupflanzen, oder von keinem. Die Gastmähler, die wir veranstalten, sind nicht nur züchtig, sondern auch maßvoll. Wir huldigen nicht Schmausereien oder ziehen das Mahl durch Trinkgelage in die Länge, sondern wir wissen den Frohsinn durch Ernst zu zügeln. Keusch in Worten und noch keuscher dem Leibe nach erfreuen sich sehr viele der ewigen Jungfräulichkeit eines unbefleckten Leibes, ohne sich dessen zu rühmen. So ferne liegt uns die Begierde nach Blutschande, daß manche sich schämen, selbst eine züchtige Verbindung einzugehen.

6. Wenn wir ferner eure Ehrenstellen und Purpurkleider verschmähen, so folgt daraus noch nicht ohne weiteres, daß wir aus der Hefe des Volkes bestehen. Ebensowenig sind wir parteisüchtig, wenn wir alle für ein Gut begeistert sind, gleich friedfertig in Gesellschaft wie allein, Auch sind wir nicht "nur in Winkeln redselig", wenn ihr euch schämt oder fürchtet, uns öffentlich zu hören.

7. Wenn sich ferner unsere Zahl täglich mehrt, so ist das nicht ein Beweis für Verirrungen, sondern ein ruhmvolles Zeugnis. Denn einer schönen Lebensweise bleiben die alten Freunde treu und schließen sich neue an. 8. So erkennen wir uns auch leicht nicht etwa an einem körperlichen Merkmal, sondern am Wahrzeichen der Unschuld und Bescheidenheit. So haben wir, worüber ihr euch ärgert, gegenseitige Liebe, weil wir von Haß nichts wissen. So nennen wir uns -- das erregt euren Neid -- Brüder als Menschen des einen göttlichen Vaters, als Glaubensgenossen und Miterben der Hoffnung. Ihr dagegen zollt einander keine Anerkennung, brecht wütend in gegenseitigen Zorn aus und erkennt euch nicht als Brüder an, außer etwa um einen Brudermord zu begehen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger