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Apologeten, Frühchristliche - Octavius

XXVI.

1. Nun komme ich zu der bekannten römischen Vogelschau und Vogeldeuterei, welche nach deiner Versicherung mit der größten Mühe zusammengestellt wurde, deren Vernachlässigung Schaden, deren Beobachtung Glück gebracht habe. 2. Ach freilich, Clodius und Flaminius und Junius verloren deswegen ihre Heere, weil sie das Fressen der Hühner nicht bis zum Ende abwarten zu müssen glaubten. 3. Aber Regulus? Beobachtete er nicht die Himmelszeichen und geriet doch in die Gefangenschaft? Mancinus hielt treu den religiösen Brauch ein und wurde doch unter das Joch geschickt und ausgeliefert. Auch Paulus hatte freßlustige Hühner und wurde dennoch bei Cannä mit dem größten Teil des römischen Volkes bezwungen. 4. Gajus Cäsar verschmähte die Augurien und Auspizien, weiche ihn abhalten wollten, vor dem Winter Schiffe nach Afrika zu senden: desto leichter wurde ihm die Überfahrt und der Sieg. 5. Was und wieviel soll ich weiterhin über die Orakelsprüche reden? Amphiaraus verkündete nach seinem Tode die Zukunft, er, der nicht wußte, daß er von seiner Frau um ein Halsband werde verraten werden. Tiresias, der doch als Blinder die Gegenwart nicht sah, schaute die Zukunft voraus. 6. Den Orakelspruch des Pythischen Apollo über Pyrrhus hat Ennius erdichtet; hatte doch Apollo bereits aufgehört, in Versen zu sprechen. Sein bekanntes schlaues und doppelsinniges Orakeln hörte auf, als die Menschen anfingen, gebildeter und weniger leichtgläubig zu werden. Demosthenes beklagte sich, daß die Pythische Seherin "die Sprache Philipps rede"; er wußte eben von der Fälschung der Orakelsprüche.

7. "Doch bisweilen haben die Auspizien und Orakel doch das Richtige getroffen." Allerdings könnte man glauben, daß unter den vielen Lügen der reine Zufall den Anschein einer gewissen Planmäßigkeit gewonnen hat. Aber ich will gleich die Quelle des Irrtums und der Verkehrtheit, von der all jener finstere Dunst entquoll, tiefer ergründen und offener zutage legen.

8. Es gibt unreine, unstete Geister, welche von der himmlischen Kraft durch irdische Makel und Begierden herabgesunken sind. Nachdem sie nun durch die Last und den Sumpf ihrer Laster die Reinheit ihres Wesens eingebüßt, hören diese Geister nicht auf, zum Trost in ihrem Unglück, selbst verdorben, auch andere zu verderben und selbst betört, auch Menschen ihre törichten Irrtümer mitzuteilen und verstoßen von Gott, auch die Menschen durch Einführung falscher Religionen von Gott zu trennen. 9. Die Dichter kennen diese Geister als Dämonen, die Philosophen handeln davon, auch Sokrates weiß von ihnen; er hat ja nach dem Wink und Willen des Dämons an seiner Seite Geschäfte unterlassen oder übernommen. 10. Ebenso kennen die Magier nicht nur die Dämonen, sondern bewirken auch durch die Dämonen all ihr wunderliches Gaukelwerk. Unter ihrer Eingebung und ihrem Einfluß bringen sie ihre Zauberkünste hervor, wobei sie Nichtwirkliches zur Erscheinung bringen oder Wirkliches verschwinden lassen. 11. Der erste Magier in Wort und Werk, Hostanes, erweist dem wahren Gott gebührende Ehre, kennt aber auch Engel, das heißt Diener und Boten, welche den Thron Gottes umgeben und zu seiner Verehrung ihm zur Seite stehen derart, daß sie schon durch Wink und Miene ihres Herrn in Furcht erzittern. Der gleiche spricht auch von Dämonen als irdischen, unsteten und menschenfeindlichen Wesen. 12. Erzählt nicht ebenso Platon, der die Gotteserkenntnis für schwierig hält, von Engeln und Dämonen, ohne dabei Schwierigkeiten zu finden? Versucht er nicht in seinem Symposion, sogar die Natur der Dämonen zu beschreiben? Er denkt sie sich nämlich als eine Substanz, die zwischen der sterblichen und unsterblichen, also zwischen Körper und Geist, in der Mitte stehe, zusammengesetzt aus einer Mischung von irdischer Schwere und himmlischer Leichtigkeit. Daraus, belehrt er uns, erhalte auch die Neigung zur sinnlichen Liebe Gestalt; diese senke sich in die Menschenbrust und errege Empfindungen, bilde die Affekte und entfache die Glut der Leidenschaft.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger