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Apologeten, Frühchristliche - Octavius

XVI.

1. Jetzt begann Octavius: "Gewiß, ich will sprechen, so gut es in meinen Kräften steht, und du mußt mir beistehen, daß wir den Unrat bitterer Schmähungen durch den Fluß wahrheitsgemäßer Worte hinwegspülen. Ich will von vornherein nicht verhehlen, daß die Anschauungen meines Freundes Natalis unstet, ruhe- und haltlos hin- und herschwankten, derart, daß wir tatsächlich im Zweifel sind, ob sie durch Verschmitztheit in Verwirrung geraten oder aus Versehen ins Wanken gekommen sind. 2. Denn abwechslungsweise bekannte er sich bald zum Glauben an die Götter, bald bezweifelte er ihre Existenz. Wenn die Anordnung meiner Gegenrede also auf seine unsicheren Aufstellungen sich gründen würde, würde sie sich noch unsicherer gestalten. Doch bei meinem Natalis kann ich Arglist nicht annehmen und nicht glauben. Durchtriebene Sophisterei liegt seinem geraden Wesen ferne. 3. Wie steht es aber dann? Mancher, der die rechte Straße nicht kennt, bleibt an einem Scheideweg ängstlich stehen, weil er eben den Weg nicht kennt, und er wagt weder den einen zu wählen, noch kann er alle für richtig halten. So schwanken die Ansichten eines Menschen, der keinen sicheren Prüfstein für die Wahrheit hat, hin und her, je nachdem eine zweifelhafte Hypothese auftaucht. 4. Deshalb ist es kein Wunder, wenn Caecilius auch so in Gegensätzen und Widersprüchen sich bewegt, darin auf- und ab wogt und schwankt. Damit dies nicht auch in Zukunft geschehe, will ich all die verschiedenen Behauptungen durch die eine unumstößliche und erprobte Wahrheit gründlich widerlegen. Dann braucht er fürderhin nicht mehr zu zweifeln und zu schwanken.

5. Mein Bruder hat Verstimmung und Unwillen, Entrüstung und Schmerz darüber laut werden lassen, daß ungebildete, arme, unerfahrene Leute über himmlische Dinge reden. Er möge jedoch wissen, daß alle Menschen ohne Unterschied des Alters, Geschlechtes, Ranges als mit Vernunft und Bewußtsein begabt und dafür fähig erschaffen wurden; sie haben die Weisheit nicht durch ein gutes Geschick errungen, sondern von Natur aus mitbekommen. Ja auch die Philosophen oder andere, die als Erfinder in der Wissenschaft sich ein Andenken bei der Nachwelt bewahrt haben, galten für Plebejer, für ungelehrt und bettelarm, ehe sie sich durch ihre Findigkeit einen berühmten Namen erwarben. Noch mehr, während die Reichen in ihre Reichtümer verstrickt ein größeres Augenmerk auf das Gold zu richten pflegen, als auf den Himmel, haben unsere armen Glaubensgenossen die Weisheit ausgedacht und andern darin Unterricht gegeben. Daraus folgt, daß das Talent nicht durch Geld und nicht durch Studien errungen wird, sondern zugleich mit der Erschaffung des Geistes gegeben ist. 6. Man braucht sich also gar nicht aufzuregen und zu entrüsten, wenn ein gewöhnlicher Mensch über göttliche Dinge forscht, sich darüber eine Ansicht bildet und sie auch zum Ausdruck bringt. Es kommt eben nicht so sehr auf die angesehene Stellung des Sprechers, als auf die Richtigkeit des Gesprochenen an. Ja es ist sogar der Sinn desto klarer, je schmuckloser die Ausdrucksweise ist; so ist er nämlich nicht durch den Aufputz wohltönender Phrasen geschminkt, sondern bleibt durch die Richtschnur der Wahrheit in seiner Einfachheit erhalten.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger