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Apologeten, Frühchristliche - Octavius

XIII.

1. Wenn jemand indes eine Neigung zum Philosophieren hat, so möge jeder von euch, der sich dazu berufen fühlt, den Fürsten der Philosophie, Sokrates, nach Kräften nachahmen. Seine Antwort auf Fragen über himmlische Dinge ist bekannt: "Was über uns ist, ist nicht für uns". Mit Recht ist ihm deshalb vom Orakel das Zeugnis hervorragender Weisheit zuteil geworden. Was das Orakel, das hat er selbst gut eingesehen. Er wurde nämlich allen vorgezogen, nicht weil er alles wußte, sondern weil er erkannt hatte, daß er nichts wisse. So liegt im Eingeständnis der Unwissenheit die höchste Weisheit. 3. Aus dieser Quelle entsprang der sicher gehende Zweifel eines ArkesiIas und viel später eines Karneades und der meisten Akademiker in den höchsten Fragen. Das ist eine Richtung, nach welcher Ungelehrte ohne Gefahr und Gelehrte ruhmvoll philosophieren können. 4. Ferner, verdient nicht das zögernde Verfahren des Lyrikers Simonides die Bewunderung und Nachahmung aller? Dieser Simonides wurde vom Tyrannen Hiero nach seiner Ansicht über Wesen und Eigenschaften der Götter gefragt. Da erbat er sich zuerst einen Tag Bedenkzeit, dann ließ er die Frist noch um zwei Tage verlängern, hierauf fügte er gemahnt noch ebensoviel hinzu. Der Tyrann fragte nach der Ursache solchen Zauderns. Er antwortete, je langsamer er bei der Untersuchung zu Werke gehe, desto mehr verschleiere sich ihm die Wahrheit. 5. Das ist auch meine Ansicht. Man muß zweifelhafte Dinge lassen, wie sie sind, und nicht kühn und keck sich für das eine oder andere entscheiden, während doch so viele große Männer über Zweifel nicht hinauskommen, Sonst greift entweder ein Altweiberglaube Platz oder wird jede Religiosität untergraben."

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger