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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LXXXVI-XCIV: Neun Predigten über das Fasten im September.
Sermo XCIII. 8. Predigt über das Fasten im September.

2.

Wir müssen uns also, Geliebteste, von allen schädlichen Lockungen abkehren und "das Gesetz der Sünde, das in unseren Gliedern ist"1 , durch das Gesetz Gottes überwinden. Mögen noch so viele Versuchungen durch alle Sinne unseres Körpers an uns herantreten, so darf sich doch eine Seele, die in Gott ihr höchstes Gut und ihre wahre Freude sieht, nur reinen und geistigen Genüssen hingeben, wie sie das weite Feld der Weisheit und die Erkenntnis der Wahrheit bieten. Wenn der vernunftbegabte Mensch über sich selbst zu Gericht sitzt und gewissenhaft all seine Handlungen prüft, wird er da in der Tiefe seines Herzens dieselbe Freude über ein begangenes Unrecht wie über die gewahrte Gerechtigkeit empfinden können? Wird ihm die Lust des Fleisches die gleiche innere Befriedigung gewähren wie das Streben nach geistigen Dingen? Nicht im geringsten kennt der den Wert der Tugenden, und noch nie hat der die Süßigkeit eines gottgefälligen Wandels gekostet, der lieber im Schmutze leben als durch Heiligkeit sich auszeichnen will. Ganz unnatürlich wäre es, wenn unsere Seele vorausgesetzt, daß sie nicht schon gang eingefangen ist ebenso gern Rache wie Verzeihung übte, wenn sie sich über eine unrechtmäßige Aneignung fremden Gutes ebenso freuen wollte, wie über eine gute Verwendung der eigenen Habe. Glücklicher ist immer, wer mäßg und enthaltsam, als wer üppig und verschwenderich ist. Ruhiger leben die Demütigen als die Hoffärtigen. Edler ist die Seele, die es inmitten aller erlaubten und unerlaubten Genüsse für besser hält, auf den Himmel zu hoffen, als die Erde zu lieben. Damit sich nun der Fromme durch solche Fortschritte auszeichnen und sein Herrscherrecht über das Fleisch behaupten kann, soll er zu dem Zuchtmittel des Fastens greifen, um den Leib gefügig zu machen! Wenn auch das Wort Fasten wohl auf jede Art der Enthaltsamkeit anwendbar ist, so bezieht es sich nicht im eigentlichsten Sinne auf die Einschränkung im Essen. Nützen soll es uns, jetzt freilich auf einen Genuß zu verzichten, der uns von Anfang an durch Übertretung des Verbotes Schaden brachte!2 . Wie uns also damals unsere Begehrlichkeit verwundete , so soll uns jetzt unsere Enthaltsamkeit heilen!

1: Röm 7,23
2: Gen 3,1.ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger