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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LXXXVI-XCIV: Neun Predigten über das Fasten im September.
Sermo XCI. 6. Predigt über das Fasten im September.

2.

Wir sollen uns also der Speisen enthalten, noch weit mehr aber aller Irrlehren, damit nicht die Seele, die sich von fleischlicher Lust frei gemacht hat, zu einer Gefangenen der Lüge wird! Wie in der Vergangenheit, so gibt es auch in unseren Tagen Feinde der Wahrheit, die sich vermessen, innerhalb der katholischen Kirche Spaltungen zu erregen. So verleiten sie besonders Unerfahrene zur Annahme ihrer gottlosen Glaubenssätze und brüsten sich dann mit dem Zuwachs derer, die sie vom Leibe Christi lostrennen konnten. Was steht so im Widerspruch zu den Propheten und den Evangelien, was ist endlich so unvereinbar mit der Lehre der Apostel als die Behauptung, daß unser Herr Jesus Christus, der von Maria geboren wurde und seit Ewigkeit so ewig wie der Vater ist, nur eine einzige Natur gehabt hat? Hat man sich darunter nur das Wesen eines Menschen zu denken, wo bleibt dann die Gottheit, die uns erlöst? Sollen wir uns aber darunter nur etwas Göttliches vorstellen, wo bleibt dann die menschliche Natur, die erlöst wird? Der katholische Glaube, der allen Irrlehren siegreich standhält, weist auch diese beiden gottlosen Sätze mit Entschiedenheit zurück. Er verdammt den Nestorius, der das Göttliche vom Menschen trennt, und verabscheut den Eutyches, der das Menschliche im Göttlichen aufgehen läßt. Wollte doch der Sohn des wahren Gottes, der selbst wahrer Gott ist, der mit dem Vater und dem Heiligen Geiste die Einheit und Gleichheit teilt, auch wahrer Mensch werden. Weder als er von seiner jungfräulichen Mutter empfangen, noch als er geboren wurde, verleugnete er unser Fleisch. Er hat also die menschliche Natur so mit sich vereint, daß seine Gottheit unverändert blieb. Andererseits hat er sein göttliches Wesen so mit dem unsrigen verbunden, daß er dieses durch die ihm zuteil werdende Verherrlichung nicht aufhob, sondern erhöhte. Er hat die Gestalt eines Knechtes angenommen, ohne deswegen aufzuhören, wahrer Gott zu sein. Er ist auch nicht bald das eine bald das andere, sondern eines in beiden. Darum läßt sich auch unser Glaube, seitdem "das Wort Fleisch geworden ist"1 , nicht durch die Verschiedenheit in den Taten des Herrn in Verwirrung bringen. Mag es sich um seine Wundertaten oder um sein schmachvolles Leiden handeln, immer glauben wir, daß Gott zugleich auch Mensch und umgekehrt der Mensch zugleich auch Gott ist.

1: Joh 1,14

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger