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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LXXXVI-XCIV: Neun Predigten über das Fasten im September.

Sermo XC. 5. Predigt über das Fasten im September.

1.

Geliebteste! Unsere Predigt gilt dem heiligen Septemberfasten, durch das wir euch zu gemeinsamer Bußübung auffordern. Voll Zuversicht ermahnen wir euch als euer Vater, einen ehedem jüdischen Brauch1 durch die Art, wie ihr ihn feiert, mit christlichem Geiste zu erfüllen. Durch Kasteiung des Leibes und der Seele Gottes Barmherzigkeit zu suchen, schickt sich für alle Zeiten und steht auch mit beiden Testamenten im Einklang. Ist doch nichts wirksamer, um bei Gott Gehör zu finden, als wenn der Mensch selbst über sich zu Gericht sitzt und nie aufhört, um Gnade zu bitten, da er sich immer schuldig weiß. Haftet ja der menschlichen Natur der Fehler an,daß unser dem Tod verfallener Leib auch der Seele den Tod bringen kann. Dieser Fehler stammnt nicht von unserem Schöpfer, sondern von unserem Verführer, und ist durch das Gesetz der Zeugung auf alle späteren Geschlechter übergegangen. Darum hat auch der innere Mensch, selbst wenn er in Christus wiedergeboren und von den Fesseln der Gefangenschaft befreit ist, doch beständig mit seinem Fleische zu kämpfen. Noch während er mit der Begehrlichkeit ringt, fühlt er schon wieder die Auflehnung. In diesem Zweikampfe wird nicht leicht ein so vollkommener Sieg erfochten, daß wir nicht immer wieder von den Fesseln umstrickt würden, die wir sprengen wollen, oder daß uns nicht immer noch zu verwunden vermöchte, was getötet werden soll. Mag unser das Richteramt ausübende Geist noch so verständig und weise auf die Sinne des Körpers einwirken, so steht ihm doch gerade inmitten der Sorge und Überlegung, wie er sein Fleisch einerseits im Zaune halten und andererseits nähren kann, die Versuchung immerfort nur allzu nahe. Denn wer hätte sich so von des Körpers Lust und Leid losgesagt, daß nicht auch seinem Innern nahe ginge, was seinem Äußeren Vergnügen oder Schmerz bereitet? Fröhlichkeit und Trauer kennen keine Scheidung2 . Der ganze Mensch läßt sich vom Zorne hinreißen, von der Freude überwältigen und vom Kummer darniederdrücken. Wo könnte es da eine Vermeidung der Sünde geben, wenn der Herrschende den gleichen Empfindungen ausgesetzt ist, wie der Untergebene? Mit Recht ruft also der Herr aus: "Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach"3 .

1: Lev 23,27 f.
2: nach Leib und Seele
3: Mt 26,41

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger