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Papstbriefe - Echte und unechte Papstbriefe 1 (42-309)

2. Linus. (67 – 79)

Vorwort Linus

Vorwort

[S. 15] II. Der heilige Linus.
(Vom Jahre 67 — 79)1 [S. 16] [S. 17]

Wenn die von Sirmond (1728) zuerst herausgegebene Schrift „Praedestinatus“ uns recht berichtet, so hat Linus die Menandrianer,2 eine gnostische Secte, welche den Ursprung der Welt nicht von Gott, sondern von Engeln herleiten, aus der Kirchengemeinschaft ausgefchlossen und ihnen gegenüber gelehrt, daß nach der hl. Schrift des Neuen Bundes Gott, der zu Moses geredet habe, der Schöpfer aller Dinge und in keinem Geschöpfe Etwas vorhanden sei, was schon von Natur aus zu tadeln wäre. — Die Verordnung, daß die Frauen nur mit verschleiertem Haupte in der Kirche erscheinen sollen (aus Ehrfurcht vor den Engeln, unter denen der hl. Ambrosius die Priester versteht), ist wohl nicht von Linus gegeben, sondern wahrscheinlich nur eingeschärft worden; sie ist bekanntlich apostolischen Ursprungs. 3Ausserdem werden dem hl. Linus noch zugeschrieben ein Bericht [S. 18] über die Disputation des hl. Petrus mit Simon Magus zu Rom4 und zwei Bücher über das Martyrium der hl. Apostelfürsten Petrus und Paulus, die er an die Kirchen im Orient geschickt haben soll, 5 sämmtlich unecht; denn ist es auch nicht unwahrscheinlich, daß Linus einen Bericht über das Martyrium der hl. Apostelfürsten verfaßt und an die Kirchen des Orients geschickt habe, so ergibt sich doch die Unechtheit dieser unter seinem Namen hierüber existirenden Bücher aus dem Inhalte derselben mit voller Gewißheit. Mit Ausnahme des Hauptpunktes nämlich, der durch viele anderweitige und authentische Zeugnisse bestätigten Thatsache, daß Petrus gekreuzigt wurde und zwar mit dem Kopfe nach unten, Paulus aber enthauptet wurde, tragen alle daselbst angeführten Nebenumstände den unverkennbaren Stempel der Dichtung an sich, ja widersprechen großentheils den übereinstimmenden Aussagen der ältesten Zeugen und aller christlichen Dogmatik und Moral. So wird darin erzählt, daß Petrus ohne Wissen des Kaisers Nero durch den Präfekten Agrippa zum Tode verurtheilt worden sei; widerspricht Dieß der übereinstimmenden Tradition, daß Nero unmittelbar die Verurtheilung des Apostelfürsten ausgesprochen habe, so ist die hierin angegebene Ursache des Hasses von Seite des Präfekten Agrippa gegen Petrus geradezu unmöglich; als Veranlassung jenes tödtlichen Hasses nämlich wird angeführt, daß Petrus mehrere vornehme römische Frauen, darunter auch die Concubinen des Agrippa und die Frau des mit Nero befreundeten Albinus, zum Gelübde der Enthaltsamkeit, natürlich gegen den Willen ihrer Männer, bewogen habe, was doch der christlichen Lehre von den Pflichten und Rech- [S. 19] ten des Ehestandes 6 ganz entgegen ist. Endlich widerstreitet die Erzählung, daß bei dem Martyrium der Apostelfürsten die Christen die Ausführung des Todesurtheiles mit Gewalt verhindern wollten und nur mit Mühe durch Petrus von der Ermordung des Präfecten zurückgehalten werden konnten, ebenso der christlichen Moral wie aller Vernunft. Von wem und wann dieses Machwerk entstanden sei, ist ganz unbekannt. [S. 20]

1: Die Kirche feiert sein Andenken am 2 September.
2: Menandrianer hießen sie nach ihrem Führer Menander, der ein Schüler des Simon Magus war. — Die Gnostiker leiteten den Ursprung des Bösen in der physischen und moralischen Welt nicht wie die katholische Kirche lehrt, von der Erbsünde her, sondern behaupteten, daß die Welt und alles Sichtbare, auch der Leib des Menschen aus der mit Gott gleich ewigen, ihrer Natur nach bösen Materie von sehr unvollkommenen oder geradezu bösen Geistern erschaffen sei; einige Gnostiker bezeichneten als den Erschaffer der Welt noch näher den Gott des Alten Bundes, aus dessen Knechtschaft das Menschengeschlecht zu befreien der Gott des Neuen Bundes gekommen sei.
3: I. Cor. 11, 4 ff.
4: Dieser Bericht unter Linus’ Namen existirt nirgends, wenn er nicht identisch ist mit der Disputation des Petrus gegen die Falschheit des Simon, unter dem Namen des Clemens, d. i. den Recognitionen.
5: Biblioth. Patr. max. Lugdun. 1677 t. II. p. 67.
6: I Cor. 7.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger