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Syrische Dichter - Ausgewählte Schriften des Isaak v. Antiochien
4. Viertes Gedicht über die Menschwerdung des Herrn.

1.

„Einen Gott, der Mensch geworden ist, verkünde ich der gesamten Versammlung! Ein Gott, der Mensch geworden ist, wurde geboren aus der Jungfrau. Ein Gott, der Mensch geworden ist, ist dreißig Jahre gewandelt auf Erden. An dem einen Gott, der Mensch geworden ist, haben sich die Mörderhände der Juden vergriffen. Den einen Gott, der Mensch geworden ist, hat das Volk auf Golgotha gekreuzigt. [10] Des einen Mensch gewordenen Gottes Haupt wurde mit dem Rohre geschlagen. Der eine Gott, der Mensch geworden ist, hat gelitten für die ganze Schöpfung. Der eine Mensch gewordene Gott ist in die Unterwelt hinabgestiegen und hat die Toten auferweckt. Der eine menschgewordene Gott ist von den Toten auferstanden und hat die Begrabenen wieder belebt. Der eine Mensch gewordene Gott trat in das Obergemach zu seinen Dienern. [20] Der eine menschgewordene Gott erhob sich in Herrlichkeit zum Himmel empor. Der eine menschgewordene Gott setzte sich zur Rechten seines Vaters. Der eine menschgewordene Gott wird wiederum kommen am Ende der Welt in Herrlichkeit. Der eine Gott, der keinen Körper hat, ist herabgestiegen und hat einen Leib angenommen aus Maria. Seht, ich verkünde den Menschgewordenen, Gott, [S. 152] den Sohn Gottes! [30] Seht, ich leugne nicht, daß er einen Leib hat, wie mir die Lügner vorwerfen! Ich bekenne, daß er Gott ist, er, der aus Maria einen Leib angenommen hat! Niemand hat Gott je gesehen1, niemand hat ihn je berührt, aber leiblich haben wir ihn aufgenommen, leiblich ihn erkannt, Gott, den Sohn Gottes, den Unerforschlichen! [40] Dem einen menschgewordenen Gott haben die Magier ihre Geschenke dargebracht2. Den einen menschgewordenen Gott hat Johannes mit Wasser getauft3. Nicht als ob Gott wie durch einen Kanal durch Maria hindurchgegangen wäre, sondern er hat aus ihr einen Leib angenommen und ist Mensch geworden, wie es ihm gefiel. Aus ihrem Fleisch und aus ihrem Gebein ist Gott Mensch geworden. [50] Seht, mit lauter Stimme rufe und sage ich es, nicht bloß im stillen, nicht in den Häusern laufe ich umher, sondern vor denjenigen, die hier gegenwärtig sind, erkläre ich es: Ich bekenne sowohl die Gottheit als auch die Menschheit dessen, der nur einer ist. Ich bekenne seine Menschwerdung, mögen also jene bekennen, daß er Gott ist! Den Leib, den er aus Maria angenommen hat, hat er zu dem seinigen gemacht, [60] und darum haben wir ihn als einen einzigen erkannt, der da Mensch und Gott zugleich ist. Nicht soll man ihn darum Sohn der Natur nennen und ihn nicht bekennen als Sohn der Gnade, er ist der eine Sohn des einen Vaters und es gibt neben ihm keinen anderen Sohn! Er allein aus der Dreifaltigkeit ist Mensch geworden aus Maria. Als Messias ist er Gott, wie ihn der Apostel verkündet hat. [70] Jeden, der die Menschwerdung des Sohnes leugnet, wird auch er vor seinem Vater verleugnen, und dieser wird sein herrliches Licht nicht sehen, wenn seine Majestät offenbar werden wird. Und jeder, welcher nicht bekennt, daß derjenige, welcher aus Maria Mensch geworden ist, Gott sei dessen Ende wird das Verderben sein, und er wird zittern und unstät sein wie Kain4. Jeder, der seine Menschwerdung leugnet, wird den Strick des Ju- [S. 153] das erben5, [80] und jeder, der nicht seine Gottheit bekennt, wird vom Aussatz des Giezi6 befallen werden.“

1: Joh. 1, 18.
2: Matth. 2, 1 ff.
3: Matth. 3, 16; Mark. 1, 9; Luk. 3, 21; Joh. 1, 33.
4: Gen. 4, 9 ff.
5: Matth. 27, 5.
6: 4 Kön. 5, 27.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Vorrede zu den Schriften der syrischen Dichter
Einleitung über die unter dem Namen Isaaks von Antiochien überlieferten Schriften.

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger