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Armenische Väter - Worte der Ermahnung über die Einsiedler

6.

Nun sehe ich niemand in unserem Land von diesem Unheil frei. Hernach jedoch haben wir die schöne Stelle gelesen. Der Frömmigkeit willen haben wir uns von heiligen Eltern getrennt und haben viele Fremde zu Vätern gemacht. Was wir ehren sollten, haben wir geringgeschätzt, und bei jenen, welche wir keine Gewalt hatten zu ehren, haben wir gar sehr die Leiden unserer Betrübnis gekostet. Wir sind befreit worden von den königlichen Abgaben, die man ohne Sünde zahlen kann, und haben uns gebeugt unter die Herrschaft der Besitztümer, die voll sind von törichtem Geize. Wir besteigen nicht das Bett einer heiligen Ehe, und bereiten uns einen hohen Sitz mehr als die Welt. Wir ergötzen uns auf wohlbereitem Lager und unsere herumflatternden Gedanken werden die ganze Nacht zu häßlichen Vorstellungen gerufen.

Die Schuhe unserer Füße klagen uns an, weil unsere Wege nicht heilig sind. Unsere Kleider schreien über unsere Werke, weil wir entblößt sind vom himmlischen Gewand. Unsere Pferde offenbaren an uns, daß wir nicht hingerissen sind vor dem Angesicht Gottes über den Lüften. Die Bauten unserer Schlösser tun es kund, daß wir keinen Tempel haben im Himmel, der nicht von Händen gemacht ist, in den einzutreten berufen sind, alle Klassen derer, welche vor irdischem Leid sich fürchten. Die Besitzungen unserer Äcker werfen uns vor, daß wir unsern Anteil nicht haben am himmlischen Lose.

Würdevergessen, unersättlich sind wir beim Essen, und ohne Maß trinken wir den Wein, der Gedanken und [S. 296] Geist verwirrt. Tiefem Schlaf überlassen wir uns alle, und der Traum dünkt uns Wahrheit. Das Auge unseres Geistes ist geschlossen für geistliche Gedanken und unersättlich gafft es hinein in das Treiben der Welt. Taub sind die Ohren für die heiligen Lesungen und gern horchen wir auf das Stimmgetön unserer Herden. Der Fremdling ist uns kein angenehmer Geruch im heiligen Geiste, weil wir liebgewonnen haben das Öl der weltlichen Leidenschaften. Der Gaumen unserer Seelen kostet nicht die himmlische Nahrung, weil wir fett geworden sind an mannigfaltigen Speisen. Die Farbe unseres Gesichtes ist dunkel, weil wir uns die Augen nicht ergötzen an heiligen Gedanken. Die Glieder unseres Leibes sind voll Schmerz, weil wir die Seele krank machen vor dem Leibe. Übertünchten Gräbern gleichen wir, weil wir leer sind von den Gnaden des Heiligen Geistes.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu den Worten der Ermahnung über die Einsiedler

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger